Weit entfernt von den Frontlinien der Impfkampagne beginnt der Kampf gegen die Krankheit im Alltag — von der Kneipe um die Ecke über den Nahverkehrszug bis hin zum Tulpenfeld. Im Mittelpunkt stehen dabei, wenig überraschend, engagierte Rotary-Mitglieder — wie Sie
In einer Universitätsstadt am Ufer des Michigansees versammeln sich Bierfreunde in einem mit Holz vertäfelten Ausschankraum, um Biere mit Namen wie „Snowy Owl“, „Secret Stuff“ und „Funkin’ for Jamaica“ zu probieren. Niedliche Biernamen sind Teil des Charmes der Sketchbook Brewing Co. in Evanston, Illinois. Doch eines der Oktober-Rezepte verdankt seinen Namen etwas Größerem als bloß guter Laune.
„Purple Pinkie ist nach der Kennzeichnung benannt, die Kinder erhalten, wenn sie gegen Polio geimpft wurden“, sagt Julie Aubry, Mitglied des Rotary Clubs Evanston Nouveau. Ein kleiner Tintenfleck wird dabei auf den kleinen Finger eines Kindes getupft, um zu zeigen, dass es bereits geimpft wurde – ein Erkennungsmerkmal für die Impfkräfte, aber zugleich auch ein Symbol für die historische Kampagne zur weltweiten Ausrottung der Krankheit.
Diese Geschichte begann mit Gesprächen, die über die Feinheiten des Brauens von Spezialbieren hinausgehen. „Wir betrachten es als eine Gelegenheit zur Aufklärung, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Polio noch nicht ausgerottet ist, dass es immer noch ein Kampf ist, den Rotary und andere Organisationen führen“, sagt Aubry. Sogar der unverwechselbare Geschmack des Weizenbiers steht in Verbindung mit der übergeordneten Geschichte: Die Brauer fügen Koriander, Granatapfel und Zitrusschalen hinzu, als Hommage an die kulinarischen Aromen Afghanistans und Pakistans, der einzigen beiden Länder, in denen das wilde Poliovirus noch endemisch grassiert. Doch es geht nicht nur darum, aufzuklären. Der Rotary Club arbeitet mit Sketchbook auch zusammen, um mit dem Erlös aus dem Verkauf des limitierten „Purple Pinkie“-Biers die Bemühungen zur Ausrottung der Kinderlähmung zu unterstützen.
Julie Aubry und andere Mitglieder von Evanston Nouveau haben sich am Vorabend des Welt-Polio-Tages 2025 versammelt, um den Sketchbook-Gästen von Purple Pinkie und dem damit unterstützten Anliegen zu erzählen. Sie stellen ein großes Banner an einem Tisch in der Mitte der Bar auf, und Julie Aubry und Tom Woods richten eine Verlosung sowie eine Ausstellung ein, die einen Impfstoffkühler und ein überraschend niedliches Plüschtier in Form des Poliovirus umfasst. Die Gäste können „Purple Pinkie“ vom Fass genießen und Viererpacks mit speziell gestalteten Dosen mit nach Hause nehmen – natürlich in Lila, mit einem triumphierend erhobenen Arm und ausgestrecktem kleinen Finger.
Ein junger Mann mit Brille namens Dan, Student an der nahegelegenen Northwestern University, nimmt sich ein Viererpack aus der Kühlvitrine. „Normalerweise trinke ich eine Mischung aus verschiedenen Sorten, also werde ich das hier wahrscheinlich in mein Repertoire aufnehmen. Es scheint interessant zu sein“, sagt er. „Wenn man einen guten Zweck unterstützen kann, ist das immer toll. Leider ist Polio angesichts der aktuellen Weltlage zu einem größeren Thema geworden, als es wahrscheinlich sein sollte.“
Von links: RI-Mitarbeiter Chris Brown und die Mitglieder des Evanston Nouveau Clubs Sofia Martin, Julie Aubry und Tom Woods stoßen gemeinsam mit Braumeister Cesar Marron auf den Kampf gegen Polio an. Der Evanston Nouveau Club hat in Zusammenarbeit mit Cesar Marron und der Sketchbook Brewing Co. ein Bier in limitierter Auflage kreiert, um Geld für die Ausrottung von Polio zu sammeln. Sein Name: Purple Pinkie.
Foto: Monika Lozinska
Die Mitglieder des Evanston Nouveau kamen 2022 auf die Idee für „Purple Pinkie“. „Wir haben über kreative Wege nachgedacht, wie wir das Interesse der Menschen für Polio wecken können“, sagt Clubpräsident Gerald Farinas. „Viele Clubs veranstalten ‚Pints for Polio‘, bei denen sie mit einer Kneipe zusammenarbeiten und diese dazu bewegen, ein paar Dollar von jedem Getränk zu spenden. Wir dachten: ‚Das muss mehr sein.‘“
In Zusammenarbeit mit Sketchbook entwickelte der Club ein einzigartiges Bier — und einen effektiven Spendenplan. Jeden Herbst spendet Sketchbook einen Dollar pro ausgegebenem Pint Purple Pinkie vom Fass und einen weiteren Dollar pro verkauftem Viererpack. Die Kampagne bringt 2.000 bis 3.000 Dollar für den Kampf gegen Polio ein. Das klingt vielleicht nicht nach viel, aber multipliziert mit vielen hundert Spendenaktionen auf der ganzen Welt, bringen diese Aktionen, besonders rund um den Welt-Polio-Tag, Rotary seinem jährlichen Spendenziel von 50 Millionen Dollar näher.
Auch für die Partner des Clubs in der Brauerei hat das Ganze Vorteile. „Der Rotary Club macht ordentlich Werbung dafür, sodass wir Aufmerksamkeit bekommen. Der ganze Rummel hilft uns sehr“, sagt Cesar Marron, Chefbrauer und geschäftsführender Gesellschafter von Sketchbook. „Es sieht ganz anders aus als unsere normalen Dosen, daher gibt es viele Fragen dazu. Es ist wirklich einzigartig.“
Tipp des Clubs
Seien Sie mutig. „Purple Pinkie“ war ein ausgefallenes Konzept, das die Aufmerksamkeit der Leute auf sich zog. Durch die Zusammenarbeit mit einem bekannten lokalen Unternehmen konnte der Club seine Reichweite noch weiter ausbauen.
Ein paar Tage später veranstaltete der Club ein weiteres „Purple Pinkie“-Event in der zweiten Schankstube von Sketchbook im benachbarten Skokie, Illinois. Die Besucher hatten die Gelegenheit, Mitglieder der Chicago Stars kennenzulernen, einer Mannschaft der National Women’s Soccer League, mit der der Club bereits zuvor zusammengearbeitet hatte. Solche Verbindungen trugen maßgeblich zum Erfolg der Spendenaktion bei, sagt Farinas. Es lag nahe, sich an Cesar Marron zu wenden, den einige Mitglieder bereits kannten. Und für die Gestaltung der auffälligen Purple-Pinkie-Dose beauftragte der Club einen Mitarbeiter der Rotary-Zentrale in Evanston, Chris Brown, einen Künstler, der bereits Albumcover und eine weitere Bierdose für die Brauerei entworfen hatte. „Es ist einfacher, auf bestehende Beziehungen zurückzugreifen, als nach dem idealsten Geschäftspartner zu suchen, den man sich vorstellen kann“, sagt Farinas. „Wir hätten das tun können, aber dann wären die Verhandlungen wahrscheinlich viel schwieriger gewesen. Es ist einfacher, auf Menschen zuzugehen, die man bereits kennt.“
Das ist ein wertvoller Tipp für den Club. Was können wir noch von den weltweiten Spendenaktionen zum Welt-Polio-Tag lernen? Eine ganze Menge. Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehört: Dies ist eine einmalige Gelegenheit für Clubs, die Kraft des globalen Rotary-Netzwerks zu nutzen, ihre Mitglieder durch ein langfristiges Projekt zusammenzuschweißen, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und – was genauso wichtig ist – Spaß zu haben.
Fotos mfG Cindy Gammons, John Downs, Margo Hughes
Daves Tipps
Wenden Sie sich an Unternehmen, die Sie kennen. „Es kommt ganz auf die Beziehungen an. Wenn Rotary-Mitglieder über Kontakte verfügen, können sie so etwas auf die Beine stellen.“
Arbeiten Sie mit Rotary-Führungskräften zusammen. „Wir möchten, dass die Governor/innen das Programm in ihren Distrikten leiten, und ich übernehme die Verantwortung für die Beschaffung der Donuts.“
Donuts für Dollars
USA
Als Franchise-Betreiber von Dunkin’, der größten US-Kette für Donuts, also amerikanische Krapfen, weiß Dave Baumgartner mehr über Mehl, Zuckerguss und Frittieren als über Spendensammeln. Doch als Margo Hughes, die Marketingmanagerin für Franchise-Unternehmen und ebenfalls Mitglied des Rotary Clubs von Knoxville, Tennessee, ihm vorschlug, anlässlich des Welt-Polio-Tages 2018 besondere Donuts mit lila Zuckerguss zu verkaufen, erkannte er sofort, dass dies eine gute Idee war. Sieben Jahre später hat er Clubs im gesamten Süden und Nordosten der USA dabei geholfen, 7,7 Millionen Dollar für die Ausrottung der Kinderlähmung zu sammeln. Dabei lief nicht immer alles wie am Schnürchen: Einmal schickte er versehentlich fünf Eimer lila Zuckerguss per Express an einen Bäcker in einem anderen Bundesstaat. Dennoch, „es war ein großartiges Programm“, sagt er. „Die Menschen müssen ein gutes Gefühl dabei haben, die Kinderlähmung weltweit auszurotten, und das erfordert etwas Aufklärung.“
Warum das für Sie wichtig ist
Rotary und seine Partner der Global Polio Eradication Initiative (GPEI) haben die Zahl der Poliofälle um 99,99 Prozent gesenkt, und nur in zwei Ländern – Afghanistan und Pakistan – treten noch vereinzelt Fälle von wildem Poliovirus auf. Warum sollte Sie das interessieren, wenn die Zahlen so gering erscheinen?
Um die erzielten Erfolge zu sichern und die Initiative zu Ende zu bringen, ist viel Arbeit erforderlich, nicht nur weil ein Nachlassen der Bemühungen eine unweigerliche Wiederausbreitung des Virus bedeuten würde - auch in Ländern, in denen Polio als ausgerottet gilt. Diese kontinuierliche Krankheitsbekämpfung findet größtenteils hinter den Kulissen statt, unter anderem durch umfangreiche Labornetzwerke und Krankheitsüberwachung.
Das GPEI-Budget für den Zeitraum 2022–2029 zur Vollendung dieser Aufgaben beläuft sich auf insgesamt 6,9 Milliarden US-Dollar, eine Riesensumme, die es zu finanzieren gilt. Die Partnerschaft zwischen Rotary und der Gates Foundation bringt jährlich bis zu 150 Millionen US-Dollar ein, um diese Bemühungen zu unterstützen.
Mio. USD Ausgaben 2024/25
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85,9
Lieferung von Impfstoffen
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41,8
Aufklärungsarbeit
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9,1
Experteneinsätze
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6,7
Krankheitsdiagnose
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5,4
Impfstoff
Fotos mfG Alexis Muderevu, Paul Atwine
Alexis Tipp
Bauen Sie Beziehungen zu örtlichen Regierungsstellen auf. „Rotary führt in Ruanda zahlreiche Projekte durch, insbesondere im Gesundheitsbereich. Die Regierung sieht dies positiv. Wann immer Rotary etwas auf die Beine stellen wollte, haben wir stets die Unterstützung der Regierung erhalten.“
Autofrei, poliofrei
Ruanda
Kigali, die Hauptstadt Ruandas, veranstaltet an zwei Sonntagen im Monat autofreie Tage, um die körperliche Fitness und das Umweltbewusstsein zu fördern. Dank der Rotary und Rotaract Clubs im ganzen Land erfuhren die Teilnehmenden im Oktober zudem mehr über die Ausrottung der Kinderlähmung. In leuchtend roten T-Shirts und mit bunten Transparenten führten rund 2.000 Rotary-Mitglieder einen „Walk Against Polio“ durch die Stadt an, bevor sie sich in einem Stadion zu einem gemeinsamen Workout versammelten. „Wir hatten die Gelegenheit, uns im Stadion direkt an die Öffentlichkeit zu wenden“, sagt Alexis Muderevu, Präsident des Rotary Clubs Kigali. „Es gab auch eine Pressekonferenz für Zeitungen und Fernsehen.“ Die Präsidenten von Ruanda und Senegal nahmen an der Veranstaltung im Stadion teil, und die Rotary-Mitglieder sammelten etwa 7.000 US-Dollar. „Wir hatten nicht vor, Spenden von der Öffentlichkeit zu sammeln; wir haben das unter uns gemacht. Nachdem die Spendenaktion abgeschlossen war, hatten viele Menschen Beiträge geleistet“, sagt Muderevu.
Foto: André Springer
Christians Tipp
Gib dem Ganzen etwas Zeit. „Die konkreten Vorbereitungen für das Konzert begannen bereits gut ein Jahr im Voraus.“
Eine solide Investition
Schweiz
Am 27. Oktober erklangen im Kultur- und Kongresszentrum im schweizerischen Luzern die Klänge von Tschaikowski und Dvořák. Die renommierten Stuttgarter Philharmoniker gaben ein Benefizkonzert für Besucher/innen aus Europa und der ganzen Welt. Das von Rotary-Distrikten in der Schweiz und in Deutschland organisierte Konzert brachte umgerechnet rund 85.000 Dollar für die Global Polio Eradication Initiative ein. Die Wirkung des Konzerts reichte aber über diesen einen Abend hinaus, da Rotary-Mitglieder mit Regierungsvertretern und Repräsentanten der World Health Organization im Vorfeld der Veranstaltung zusammentreffen konnten. „Es ging um Lobbyarbeit und Sensibilisierung in der ganzen Schweiz“, sagt Christian Schleuss, Mitglied des Rotary Clubs Hagen/Westfalen in Deutschland. „In der Woche zuvor waren sie im Fernsehen und in den Medien stark vertreten. Das war ein wichtiger Teil dieser Veranstaltung.“
Foto mfG Lizbeth Palacios
Lizbeths Tipp
Um junge Menschen in ihren 20ern anzusprechen, sollten Sie etwas Auffälliges machen. „Bieten Sie jüngeren Menschen Bildmaterial, das sie für ihre Social-Media-Kanäle verwenden können.“
Ein Moment wie geschaffen für soziale Medien
Mexiko
An einem sonnigen Tag um Halloween versammelten sich Studierende der Universidad de Monterrey in Mexiko zu einer Spendenaktion, bei der es – natürlich – um Kürbisse ging. Der Rotaract Club der Universidad de Monterrey stellte Farben, Pinsel und eine Menge Kürbisse bereit, die die Teilnehmenden verzieren konnten. Als Studierende hatten sie zwar nicht viel Geld zum Spenden, doch viel wichtiger war, dass die Veranstaltung auf dem Campus auf Rotary, den Kampf gegen Polio und die anderen Aktivitäten des Clubs aufmerksam machte, sagt Clubpräsidentin Lizbeth Palacios Martínez. Und die Berichterstattung in den sozialen Medien über die Veranstaltung und ihre Halloween-Dekorationen verbreitete die Botschaft effektiv weiter.
Der Welt-Polio-Tag 2025 in Zahlen
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979.296
USD Gesamtsumme der Online-Spenden an den PolioPlus-Fonds
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382.334
USD über die Plattform „Raise for Rotary“ gespendet
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2.603 Spender
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194 Spendenseiten
Für Spender/innen, die keine Spendenbescheinigung für die Steuer brauchen, ist raise.rotary.org eine einfache Online-Spendenplattform, über die Sie und Ihr Club eine Kampagne starten und Spenden für die Rotary Foundation und deren Fonds zur Ausrottung der Kinderlähmung sammeln können.
(Pflanzen) mfG Emanuel Arnold Boas; (Tulpen) Getty Images
Siebes Tipps
Probieren Sie Neues aus, auch wenn Sie das Ergebnis nicht vorhersagen können. „Es gab viel mehr Bestellungen für Bio-Tulpen, als ich erwartet hatte.“
Nehmen Sie Kontakt zu den neuen Generationen von Entscheidungsträgern bei Rotary auf. „Jedes Jahr versuchen wir, uns mit allen Governor/innen – den amtierenden und den designierten – zu treffen und ihnen zu erklären, was wir geleistet haben.“
Blumen gegen Polio
Niederlande
Was könnte holländischer sein als holländische Tulpen? Seit 2014 nutzen Rotary-Distrikte in den Niederlanden dieses geschätzte Symbol der nationalen Identität, um Spenden für den Kampf gegen Polio zu sammeln. Sie verkaufen „End Polio Now“-Tulpen – oder genauer gesagt deren Zwiebeln – an Gärtner/innen in ganz Europa. Die Clubs beauftragten einen Züchter in der Provinz Nordholland mit der Entwicklung einer neuen Tulpensorte, deren rot-gelbe Blütenblätter den Farben von „End Polio Now“ entsprechen. Als Reaktion auf Bedenken hinsichtlich der Umweltauswirkungen der Tulpenindustrie haben die Distrikte kürzlich begonnen, auch Bio-Zwiebeln zu verkaufen. „Der Markt und die lokalen Behörden legen Wert auf Bio-Tulpen. Deshalb haben wir sie dieses Jahr zum ersten Mal auch angeboten“, sagt Siebe Stellingwerff Beintema, Mitglied des Rotary Clubs Voorhout. Die Bio-Zwiebeln machten ein Fünftel der Bestellungen für 2025 aus, und die Spendenaktion brachte rund 175.000 US-Dollar ein.
(Mitglieder) mfG Mark Anderson; (Zug) Getty Images
Marks Tipp
Verlieren Sie nicht die Hoffnung, wenn die Behörden Nein sagen. „Wir haben nun die Genehmigung des Nahverkehrssystems von New South Wales erhalten, an den Bahnhöfen Spenden zu sammeln. Bislang hatten sie Spendenaktionen an Bahnhöfen oder in Zügen untersagt. Doch in diesem Jahr hat ihre Medienabteilung begonnen, für die Veranstaltung zu werben.“
Bis zum Ende der (Ziel-)Linie
Australien
Bei jedem großen Vorhaben heißt es oft, dass die letzte Etappe die schwerste ist. Mark Anderson weiß das nur zu gut – im wahrsten Sinne des Wortes. Er kann Ihnen zum Beispiel sagen, wie lange es dauert, alle rund 190 Haltestellen des öffentlichen Schienennetzes in Sydney mit dem Zug abzufahren: mehr als 18 Stunden. Anderson und sein Sohn Dave starten um 4:30 Uhr morgens und fahren bis kurz vor Mitternacht – so durchqueren sie an jedem Welt-Polio-Tag das gesamte Netz. Das machen sie schon seit 2018. Mitglieder von Clubs aus der Region, darunter Andersons Rotary Club Beecroft, schließen sich für einen Teil oder die gesamte Strecke an. Die Teilnehmenden sammeln Spendenzusagen für jede Station, die sie anfahren, und haben so im Jahr 2025 etwa 70.000 US-Dollar und seit Beginn der Spendenaktion insgesamt 572.000 US-Dollar eingenommen. Für Anderson ist diese Aktion eine Herzensangelegenheit, da sein Vater an Polio litt und als Kind Beinstützen tragen musste. Die Marathonfahrten sind bei den Medien äußerst beliebt, und Anderson hat sich daran gewöhnt, den ganzen Tag über Live-Radiointerviews zu geben. Einmal fand er sich sogar dabei wieder, live im nationalen Fernsehen zu sprechen, während er im Zug dahinrollte. „Sie riefen an und sagten: ‚ABC National News möchte darüber berichten. Haben Sie Zoom auf Ihrem Handy?‘“, erzählt Anderson, der als regionaler Major Gifts Officer für die Rotary Foundation dient. „Dann rief der Produzent von ABC an und sagte: ‚In drei Minuten gehen wir live auf Sendung.‘ Das hat mich total umgehauen.“
Mfg Nancy Barbee
Nancys Tipp
Erstellen Sie eine Spendenaktion über die Online-Plattform „Raise for Rotary“ und teilen Sie Ihre Fortschritte mit. „Wenn Sie die Plattform nutzen, weisen Sie die Leute darauf hin, dass sie nicht über die Plattform spenden müssen. Sie können auch offline spenden und Ihnen dies mitteilen – diese Spenden werden trotzdem auf die Gesamtsumme angerechnet.“
Fackel der Hoffnung
USA
Als sie hörten, dass indische Rotarierinnen und Rotarier eine Fackel im olympischen Stil durch das Land trugen, um den Status des Landes als poliofrei zu feiern, waren die „End Polio Now“-Koordinatorinnen des Distrikts, Nancy Barbee und Colleen Bonadonna, fasziniert von der Idee. Was wäre, wenn sie die Fackel auf einer ähnlichen Reise durch Nordamerika tragen würden, die ihren Abschluss bei der Rotary International Convention 2025 in Calgary finden würde? Als sie die mittlerweile weit gereiste Fackel in ihren Besitz gebracht hatten, machten sich Barbee und Bonadonna auf eine Reise quer durch die Mitte der USA. Von Tennessee über Illinois und Minnesota bis nach South Dakota und darüber hinaus besuchten sie Rotary Clubs und hielten Vorträge an Schulen und in Rathäusern. An jedem Halt fungierten lokale Clubs als ihre Vorausteams. „An jedem Ort, den wir besuchten, versuchten wir, eine große öffentliche Imageveranstaltung zu organisieren“, sagt Barbee, Mitglied des Rotary Clubs Jones County in North Carolina. „Unsere Aufgabe war es, über Polio aufzuklären und zu vermitteln, warum wir (mit dem Kampf) weitermachen müssen. Ihre Aufgabe war es, die Presse vor Ort zu bringen und anschließend die Nachbereitung zu übernehmen.“ Mit ihrer Odyssee sammelten die beiden 600.000 Dollar für die Ausrottung der Kinderlähmung über das Crowdfunding-Portal „Raise for Rotary“.
Aus: Rotary Mai 2026