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Sibongile Mlambos afrikanische Wurzeln inspirieren Verbindung mit Rotary

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Interview: Illustration:

Als ich die drei Staffeln der Thriller-Serie „Siren“ in einem Stück anschaute, war ich fasziniert von Sibongile Mlambos Darstellung als Ryns Schwester Donna, die in dieser fantasievollen Geschichte gefangen genommen und vom Militär für Experimente missbraucht wird. Die in Simbabwe geborene Mlambo ist Schauspielerin, Produzentin, Model, Tänzerin und Philanthropin, bekannt für Rollen wie Netflix' „Lost in Space“, MTVs „Teen Wolf“ und anderen beliebten Serien.

Sie hat auch Verbindungen zu Rotary und besuchte 2022 die Flüchtlingssiedlung Nakivale in Uganda, um mehr über die Arbeit von Rotary vor Ort zu erfahren.

Sibongile Mlambo als Donna in "Siren"

Foto: Freeform TV

Ich freute mich also, als ich erfuhr, dass Mlambo zur offiziellen Botschafterin von Rotary („Rotary Ambassador“) ernannt worden war und zur Rotary International Convention nach Calgary kommen würde. Am Rande des Kongresses konnten wir ein Interview mit ihr vereinbaren. Zwischen zahlreichen anderen Terminen schaute sie freundlicherweise mit einem herzlichen Lächeln im provisorischen Podcast-Studio des Rotary-Magazins vorbei, um über ihr Leben, ihre Karriere und ihre Arbeit bei Rotary zu sprechen.

Erzählen Sie mir ein wenig über Ihre Kindheit in Simbabwe.

Ich wurde 1990 geboren, ein Jahrzehnt nach der Unabhängigkeit Simbabwes, und so kam ich als freier Mensch zur Welt. Das war eine ganz besondere Zeit. Die verschiedenen ethnischen Gruppen vermischten sich endlich und kamen miteinander in Kontakt, und im Land herrschte große Hoffnung.

Leider brach die Wirtschaft zusammen, als ich in den 2000er Jahren auf die High School kam. Es gab sogar eine 100-Billionen-Dollar-Banknote, die jeder die „Zillion-Dollar-Note“ nannte. Die Wirtschaft war zusammengebrochen und es änderte sich alles. Man ging in den Supermarkt und die Regale waren leer, es gab lange Zeiten ohne Strom und ohne fließendes Wasser. Das hat zu meiner Widerstandsfähigkeit geführt, die man meiner Meinung nach als Schauspielerin braucht, weil es keine lineare Karriere ist. Es geht auf und ab. In Simbabwe ist es Teil der Kultur, dass man einen Plan macht. Wenn etwas Schlimmes passiert, findet man eine Lösung. Das Leben geht weiter. Das habe ich mein ganzes Leben lang mit mir getragen.

Nachdem ich meine Schulprüfungen abgeschlossen hatte, nahm ich mir ein Auszeitjahr, um ehrenamtliche Arbeit zu leisten, und das hat dazu geführt, dass ich heute mit Rotary zusammenarbeite. Meine älteste Schwester nahm an einem Rotary-Jugendaustauschprogramm in Belgien teil. An unserer High School gab es Interact, und meine beiden Schwestern waren bei Interact. Das war mein Einstieg bei Rotary.

Was gibt es sonst noch über Simbabwe zu sagen? Es ist einfach meine Heimat. Ich lebe zwar nicht mehr in Simbabwe, aber es ist meine Heimat.

Ich habe gelesen, dass Sie sich in Ihrer Jugend nicht immer vorstellen konnten, Schauspielerin zu werden. Warum haben Sie so so gedacht und was hat sich geändert?

Meinen ersten Schauspielauftrag hatte ich mit 10 Jahren in Simbabwe, und danach kehrte ich zum normalen Alltag zurück, weil ich nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Ich sah fern, sah die Leute in Hollywood und versuchte herauszufinden: „Wie komme ich von hier nach dort?“ Ich wusste nicht, wie das möglich sein sollte und wie das passieren könnte, wenn man aus einem kleinen Land wie Simbabwe kommt.

Es war aber auch so: Wenn man sich selbst nicht auf der Leinwand repräsentiert sieht, fällt es schwer, sich das für sich selbst vorzustellen. Es war ein Wendepunkt in meinem Leben, als ich sah, wie Lupita Nyong’o einen Oscar gewann, jemand mit einem ähnlichen Hintergrund wie ich –, da dachte ich: „Oh mein Gott, ich bin bereit. Hollywood ist jetzt bereit für uns.“ Das hat meine nächsten Schritte beeinflusst, mich nach Los Angeles zu begeben.

Sie haben eine Zeit lang in Dallas gelebt, um dort zu studieren, und Sie haben auch in Spanien gelebt. Wie hat das Leben an diesen verschiedenen Orten Ihre Sicht auf die Welt geprägt?

Der Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen war ein echtes Geschenk. Einmal arbeitete ich in einem Restaurant in Dallas, und alle in der Küche sprachen Spanisch. Mir wurde klar: Wenn ich in Texas lebe, sollte ich Spanisch sprechen. Also habe ich an der Universität Französisch und Spanisch studiert. Das Spanischstudium führte dazu, dass ich eine Zeit in Spanien lebte. Sprachen sind eine meiner Leidenschaften, weil sie eine großartige Möglichkeit sind, mit Menschen aus anderen Kulturen in Kontakt zu treten. Selbst wenn man nur ein einziges Wort in der Sprache des anderen sagen kann, bricht das das Eis. Die Leute freuen sich riesig, wenn man ihre Sprache spricht.

Menschen nutzen Unterschiede, um sich voneinander abzugrenzen, aber diese Unterschiede sind eigentlich eine großartige Möglichkeit, einander näherzukommen. An der Universität war ich Vorsitzende des internationalen Clubs, und das war ein toller Ort, weil dort Menschen aus Ländern waren, von denen ich noch nie gehört hatte. Wir erkundeten gemeinsam Dallas, und mit einigen aus dieser Gruppe bin ich bis heute befreundet. Ich hatte mit jemandem aus der Mongolei zum Beispiel viel mehr gemeinsam als die oberflächlichen Dinge, die uns unterschieden. Es verband uns, dass wir alle internationale Studierende in Amerika waren.

Wie waren Ihre Erfahrungen als Rotary-Botschafterin bisher?

Rotary hat sich vor einigen Jahren bei mir gemeldet, um mich zu fragen, ob ich dabei helfen könnte, auf ihre Arbeit zur Ausrottung der Kinderlähmung in Afrika aufmerksam zu machen. Das schien mir genau meinen Vorstellungen und Wünschen zu entsprechen. Ich setze mich sehr leidenschaftlich für meine Heimat und die Geschehnisse auf dem afrikanischen Kontinent ein, besonders wenn es zum Wohle unserer Menschen ist und die Dinge voranbringt.

Ein paar Jahre später trafen wir uns zu einem Interview mit einer Frau in Kenia, die dort Mitglied eines Rotary Clubs war. Sie hatte eine Initiative ins Leben gerufen, bei der sie Mädchen in abgelegenen Gebieten mit Hygieneartikeln versorgte, und auch das Thema Frauen und Mädchen liegt mir sehr am Herzen. Es gibt ein Sprichwort, das dem Dichter Rumi zugeschrieben wird: „Was du suchst, sucht dich.“ Und so haben Rotary und ich uns auf ganz natürliche Weise gefunden.

Sibongile Mlambo besucht die World Refugee Film Academy im Flüchtlingslager Nakivale in Uganda, um dort einen Workshop zu leiten.

Foto: Esther Ruth Mbabazi

Gibt es jemanden, mit dem Sie zusammengearbeitet haben und der Ihre berufliche Laufbahn geprägt hat?

Charlize Theron. Sie stammt aus Südafrika, und ich habe früher in Südafrika gelebt und dort als Model, Schauspielerin und Tänzerin gearbeitet. Als ich als Model tätig war, habe ich mir Charlizes Karriere angesehen und festgestellt, dass sie vom Modeln zur Schauspielerei gewechselt war – das war also gewissermaßen mein Weg. Ich habe sogar einen Film mit ihr gedreht, als ich noch in Südafrika lebte: „The Last Face“ unter der Regie von Sean Penn. Für mich schloss sich damit der Kreis.

Wenn Sie nicht vor der Kamera stehen, arbeiten Sie auch als Synchronsprecherin. Wie kam es dazu?

Ich hatte schon einige Podcast-Serien gemacht, und am Anfang war diese Arbeit etwas einschüchternd. Ich hatte das Gefühl, mir fehlten die nötigen Ausdrucksmittel. Jetzt, wo ich mehr Erfahrung habe, bin ich natürlich viel besser darin. Aber wenn man vor der Kamera spielt, wird so viel gesagt, ohne dass man überhaupt etwas ausspricht. Man hat seine Körpersprache und seine Mimik. Man kommuniziert die ganze Zeit über visuell.

Nimmt man das weg, bleibt nur noch die Stimme, also muss man auf eine ganz andere Art und Weise agieren und sie wirklich ausreizen. Besonders bei meiner Figur im Videospiel „Rainbow Six Siege“, wo ich Sturzschreie und Todesschreie machen musste. Stell dir vor, du bist gerade von einem Gebäude gefallen – wie klingt dieser Schrei? Es hat Spaß gemacht, aber danach hat man keine Stimme mehr.

Vom Filmemachen über Synchronsprechen bis hin zu Modeln und Tanzen – Sie sind eine besonders engagierte Person, vor allem jetzt, wo Sie bei Rotary mitarbeiten. Wie tanken Sie neue Energie?

Wenn es mal nicht so gut läuft, versuche ich, mich an meine Familie und meine Freunde zu halten – eben die Menschen, die mir wirklich wichtig sind. Diese emotionale Unterstützung ist besonders wichtig, wenn es um meine Familie geht, denn wenn ich bei ihnen bin, bin ich einfach nur die kleine Schwester. Das gibt mir so viel Halt.

Auch die Natur ist mir sehr wichtig. Mein Sternzeichen ist Krebs, daher finde ich, dass ich am Wasser wirklich neue Energie tanke. Ich lebe in Kalifornien, also gehe ich natürlich an den Strand, und wenn ich in Südafrika bin, bin ich in Kapstadt. Außerdem gehe ich wandern und bin in Wäldern, umgeben von viel Grün. Die Natur ist so heilsam.

Sie haben dazu beigetragen, afrikanische Erzählungen in anderen Teilen der Welt in den Mittelpunkt zu rücken. Warum ist dies eine persönliche Mission für Sie, und wie hat sich die Rezeption afrikanischer Erzählungen seit Beginn Ihrer Karriere verändert?

Ich glaube, Hollywood ist offener geworden. Früher hieß es oft: „Okay, wir suchen jemanden mit afrikanischem Akzent.“ Heute wird es genauer: „Wir suchen jemanden mit ostafrikanischem Akzent“ oder „Wir suchen jemanden mit kenianischem Akzent.“ Gleichzeitig gibt es aber noch einen langen Weg vor uns.

Und warum das für mich wichtig ist, hängt wieder mit der Repräsentation zusammen. Es macht einen riesigen Unterschied, wenn man sich selbst auf der Leinwand wiedererkennt. Als ich in Kanada für „Siren“ drehte, kam eine Mitarbeiterin auf mich zu und fragte: „Kommst du aus Simbabwe?“ Sie stammte selbst aus Simbabwe, sah meinen Namen und erkannte, dass ich auch von dort kam. Das war ein ganz besonderer Moment.

Es hat etwas Besonderes, Menschen zu inspirieren, die aus einem Land kommen, das gerade eine schwere Zeit durchmacht. Wenn ich etwas sehe, mit dem ich mich identifizieren kann, gibt mir das Hoffnung. Das ist auch die Kraft des Geschichtenerzählens – Menschen in eine andere Welt zu entführen. Etwas anderes als die eigene Realität erleben zu dürfen.

Auf welche Projekte von Ihnen dürfen wir uns freuen?

Ich habe kürzlich eine Podcast-Reihe für Audible mit dem Titel „Sacrilege: Curse of the Mbirwi“ produziert, in der es um eine afroamerikanische Familie geht, die nach Simbabwe reist. Diese Geschichte liegt mir natürlich sehr am Herzen, auch wenn sie sich an ein breites Publikum richtet.

Außerdem arbeite ich derzeit begeistert an einem Videospiel, das in ein paar Jahren erscheinen wird. Und an einem Kurzfilm über einen Einwanderer in Kalifornien, der Teil einer Trilogie ist, aus der ein abendfüllender Spielfilm entstehen soll.

Und natürlich werde ich mich weiterhin mit Begeisterung dafür einsetzen, die Botschaft von Rotary zu verbreiten. 

Aus: Rotary März 2026

Die Botschafter von Rotary sind prominente Menschen, die sich für humanitäre Zwecke engagieren und unsere Arbeit in allen unseren Schwerpunktbereichen unterstützen, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken.