Rotary International hat sechs Clubmitglieder im Alter von bis zu 30 Jahren als „People of Action: Champions of Tomorrow“ ausgezeichnet. Die Preisträger/innen aus Kolumbien, Indien, Italien, den Philippinen, Uganda und den USA haben wegweisende Initiativen von und für junge Menschen ins Leben gerufen. „Durch die Leitung von Projekten, die Bildungsressourcen für Bedürftige bereitstellen, die persönliche Entwicklung fördern, die psychische Gesundheit unterstützen und sich für Konfliktlösung einsetzen, schaffen diese jungen Leute friedlichere und widerstandsfähigere Gemeinwesen“, sagte Francesco Arezzo, Präsident von Rotary International.

Tätigkeitsbereich: Abbau gesellschaftlicher Barrieren für Menschen aus der Gehörlosengemeinschaft
Maria Manuela Córdoba Aguirre gründete „Rotary in Gebärdensprache“ (Rotary en-Señas), um die gesellschaftlichen Barrieren anzugehen, mit denen die Gehörlosengemeinschaft in Kolumbien konfrontiert ist. Ohne barrierefreie Räume und Möglichkeiten zur Übernahme von Führungsaufgaben waren junge Menschen oft nicht in der Lage, uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das Programm bringt junge Menschen aus den Reihen von Rotary und der Gehörlosengemeinschaft zu zweisprachigen Workshops und anderen Aktivitäten zusammen. Die gehörlosen Teilnehmenden fungieren als Lernbegleiter/innen und Leiter/innen, während nicht gehörlose Freiwillige Kompetenzen in inklusiver Kommunikation und Gebärdensprache erwerben.
Córdoba entwickelte das Programm „Rotary in Gebärdensprache“ nach Rücksprache mit Familien, Dolmetschern und anderen Organisationen. Sie entwickelte die zweisprachige Methodik, knüpfte Partnerschaften und sorgte dafür, dass die Beiträge des Gehörlosen-Gemeinwesens im Mittelpunkt standen. Zudem entwickelte sie einen Rahmen für die Überwachung und Bewertung, indem sie Daten und Erfahrungsberichte sammelte, um die Auswirkungen des Projekts zu ermitteln. Das Ergebnis ist ein übertragbares Modell für Inklusion und Selbstermächtigung.
Die Workshops und Aktivitäten von „Rotary in Gebärdensprache“ bieten jungen Menschen Raum zum Lernen, zur Selbstentfaltung und zur Übernahme von Führungsrollen. Das Programm hat das Selbstwertgefühl und die Selbstständigkeit sowohl gehörloser als auch nicht gehörloser Jugendlicher gestärkt und gleichzeitig dauerhafte Verbindungen zwischen den Gemeinwesen geschaffen.

Tätigkeitsbereich: Umgestaltung einer ländlichen Schule
Derrick Kabuye half einer ländlichen Schule in Uganda dabei, zahlreiche Herausforderungen zu meistern und sich zu einer florierenden Bildungseinrichtung zu entwickeln. Die Nyakijumba-Grundschule hatte kaum Klassenzimmer, schlechte sanitäre Verhältnisse und nur begrenzte Unterrichtsmaterialien. Zudem fehlte es an Einrichtungen für die frühkindliche Erziehung. Die Schulabbrecherquoten waren hoch, insbesondere bei Mädchen, die zudem keine Unterstützung im Bereich der Menstruationshygiene erhielten.
Seit 2019 leitet Kabuye den Rotaract Club Kampala South im Rahmen des „Educate a Community“-Projekts, bei dem ein Anbau mit fünf Klassenzimmern errichtet, bestehende Gebäude renoviert und ein Programm zur frühkindlichen Förderung eingerichtet wurden. Ein Brunnen liefert nun sauberes Wasser. Mehr als 545 Mädchen haben eine Aufklärung zum Thema Menstruationshygiene erhalten, und die Mädchen bekommen wiederverwendbare Binden, damit sie weiterhin die Schule besuchen können. Die Schülerzahl der Schule stieg von 60 im Jahr 2016 auf 274 im Jahr 2025.
Kabuye hat lokale und internationale Clubs für das Projekt gewonnen, die Bauarbeiten überwacht und das Projekt im Gemeinwesen bekannt gemacht. Er hat zudem vor Ort gearbeitet, Bäume gepflanzt und Daten für die jährlichen Jahresberichte erhoben.

Tätigkeitsbereich: Reform eines Programms zur Streitbeilegung im Gemeinwesen
Raymond „Arky“ Manning gelang es, das Justizsystem seines Gemeinwesens reaktionsfähiger, vertrauenswürdiger und effektiver zu gestalten. Er leitete ein Projekt zur Reform des Gemeinwesen-Mediationssystems in San Isidro, einem Distrikt der philippinischen Stadt Taytay.
Das Projekt gestaltete das Konfliktmediationssystem durch standardisierte Verfahren, digitale Fallbearbeitung, frühzeitige Interventionen und Fortbildungen für Mediatoren neu. Neben der Ausbildung von 30 erwachsenen Mediatoren und 20 jugendlichen Peer-Mediatoren unterstützten die Projektleiter die Jugendlichen vor Ort dabei, Kampagnen zur Gewaltprävention und zur Sensibilisierung für psychische Gesundheit zu entwickeln sowie Räume für Gruppenmediation zu organisieren. Durch das Projekt konnten die Bearbeitungszeiten für Fälle um 70 % verkürzt, das Vertrauen der Gemeinwesen um 85 % gesteigert sowie den Familien schätzungsweise 2 Millionen Pesos (34.000 US-Dollar) und der Regierung schätzungsweise 5,5 Millionen Pesos (93.000 US-Dollar) eingespart werden. Heute weist das Projekt eine Konfliktbeilegungsquote von 99,5 % und eine Einhaltungsquote von 90 % bis 95 % auf.
Manning, Jurastudent und gewählter Amtsträger in der Provinz Rizal, baute Partnerschaften mit Schulen, Glaubensgemeinschaften, Nichtregierungsorganisationen und Regierungsbehörden auf, um das Projekt voranzutreiben. Es bietet ein innovatives Modell für Justiz im Gemeinwesen, das landesweit nachgeahmt werden kann.

Tätigkeitsbereich: Abbau von Stigmatisierung im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen und Förderung der Suizidprävention
Olivia Raley hat sich im Rahmen des „Nelson County Yellow Tulip Projektes“ dafür eingesetzt, die Stigmatisierung im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen in ländlichen Gemeinwesen abzubauen. Die von Jugendlichen geleitete Initiative sensibilisiert für Themen der psychischen Gesundheit und fördert die Suizidprävention durch Aufklärungskampagnen und sichtbare Symbole der Hoffnung.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen 22 „Hope Gardens“ an Schulen, in Parks, Haftanstalten, Notunterkünften und Polizeidienststellen im gesamten Landkreis. Neben der Bepflanzung und Pflege der farbenfrohen Gärten erstellen mehr als 100 junge Freiwillige Lehrmaterialien und leiten Workshops zum Thema psychische Gesundheit.
Raley, die erste Sozialarbeiterin, die bei der Polizei von Bardstown angestellt wurde, war Koordinatorin und förderte das Projekt. Sie sicherte die Finanzierung, betreute die Teilnehmenden, leitete Workshops und schuf einen Rahmen für die Erfassung und Messung der Ergebnisse. Die Wirkung des Projekts zeigte sich bereits im ersten Jahr: Umfragen ergaben, dass junge Menschen sich um 35 % bis 42 % wohler dabei fühlten, über psychische Gesundheitsprobleme zu sprechen, und dass ihr Bewusstsein für entsprechende Hilfsangebote um 42 % gestiegen war. Partnerschaften mit Schulen, Strafverfolgungsbehörden und Gesundheitsdienstleistern führten zu einem Anstieg der Zahl der Jugendlichen, die Beratungsangebote in Anspruch nahmen, um 20 %.

Tätigkeitsbereich: Erste-Hilfe-Schulungen an Schulen
Maria Grazia Rava trug dazu bei, den gravierenden Mangel an Erste-Hilfe-Ausbildung in ihrer Provinz Ravenna in Italien zu beheben. Die örtlichen Schulen boten keine regelmäßigen Kurse in Erster Hilfe an, sodass die Schüler/innen auf Notfälle wie Herzstillstand, Ersticken oder andere Verletzungen nicht vorbereitet waren. Rava hat das Programm „How to Save a Life“ ins Leben gerufen, ein Schulungsprogramm, das von Rotary Clubs und Rotaract Clubs in der gesamten Region unterstützt wird.
Im Rahmen von „How to Save a Life“ werden jungen Leuten im Alter von 14 bis 19 Jahren an 40 Schulen Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) und damit verbundene Techniken vermittelt. Die Schüler/innen gaben an, dass sie durch den Unterricht neues Wissen erworben und an Selbstvertrauen gewonnen hätten, während die Lehrer bei den Notfallübungen ein gesteigertes Verantwortungsbewusstsein und mehr Gelassenheit beobachteten. Eltern und Schulleiter lobten die Veranstaltung „How to Save a Life“ und äußerten den Wunsch, dass diese jährlich wiederholt wird. Das Projekt unterstützt derzeit mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler.
Mithilfe ihrer im Medizinstudium erworbenen Kenntnisse stellte Rava sicher, dass die Ergebnisse des Programms genau gemessen und dokumentiert wurden. Sie entwarf Fragebögen für die Teilnehmer, war Koordinatorin bei der Datenerhebung und sammelte qualitatives Feedback, um den Schulungsansatz zu optimieren. Unter ihrer Führung gelang es, das ursprüngliche Testprogramm in ein skalierbares, bezirksweites Modell umzugestalten.

Tätigkeitsbereich: Verbesserung des Zugangs von Kindern zu einer Schulbildung
Vansh Saini leitet ein umfassendes Bildungs- und Förderprogramm für Kinder in Delhi, Indien. Nachdem sie festgestellt hatten, dass viele Kinder aus der Region nicht regelmäßig zur Schule gingen und es ihnen an grundlegenden Lebenskompetenzen mangelte, gründeten Mitglieder der Interact Clubs und Rotaract Clubs die Empowerment Academy. Sie bietet Kurse für Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren zu den Themen Bildung, Lebenskompetenzen, Hygiene, berufliche Entwicklung und Erste Hilfe an.
Die Empowerment Academy hat seit 2022 mehr als 150 Kinder unterrichtet und Schülern, die sich diese nicht leisten konnten, Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt. Vierzig Freiwillige haben insgesamt 1.000 Stunden in das Programm investiert. Die Schulkinder haben ihre Lese- und Schreibfähigkeiten, ihr Selbstvertrauen und ihre Berufsreife verbessert, und die Familien berichten von weniger Stress. Auch die Freiwilligen profitieren davon und erwerben Fähigkeiten in den Bereichen Führung und Projektmanagement.
Saini hat ein Projekt zur Vermittlung grundlegender Lebenskompetenzen in ein umfassendes Bildungsprogramm umgewandelt. Er mobilisierte Freiwillige, führte strukturierte Lehrpraktika ein und schuf ein solides Überwachungssystem. Durch die Erfassung von Anwesenheitsdaten, dem Engagement der Freiwilligen, den schulischen Fortschritten und der Verteilung von Ressourcen ermöglichte es Saini, die Ergebnisse des Programms zu überprüfen und die Rechenschaftspflicht sicherzustellen.