


Die Rotary International Convention in Taipeh, Taiwan, fand einen fulminanten Abschluss, als die Sängerin Leona Lewis am 17. Juni während der Abschlusszeremonie mit einem mitreißenden Auftritt, zu dem auch die Hymne der Widerstandsfähigkeit „Fire Under My Feet“ gehörte, Tausende von Teilnehmern/innen zum Aufstehen bewegte.
Die herzliche Gastfreundschaft Taipehs kam voll zur Geltung, als Hunderte von Rotary-Freiwilligen vor dem Veranstaltungsort einen Menschenkorridor bildeten und die abreisenden Teilnehmer/innen mit Jubelrufen und feierlichen Gesten verabschiedeten. Viele Menschen hielten an, um Selfies zu machen und sich voneinander zu verabschieden, bevor sie sich auf den Heimweg machten.
Die viertägige Veranstaltung zog mehr als 38.000 Menschen aus 140 Ländern und Regionen an und war damit eine der größten Rotary-Conventions der letzten Jahre.
„In diesem Jahr habe ich oft davon gesprochen, uns für das Gute zusammenzuschließen“, sagte Francesco Arezzo, Präsident von Rotary International und Mitglied des Rotary Clubs Ragusa in Italien. „In den vergangenen Tagen haben wir gesehen, was das bedeutet. Rotary ist ein Ort der Begegnung – an dem Fremde zu Freunden werden, Freundschaft zu Vertrauen wird und Vertrauen zu Taten führt.“
Auf der Convention traten beeindruckende Redner auf, allen voran Malala Yousafzai, die jüngste Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten und eine führende Verfechterin der Bildung für Mädchen.
Yousafzai, deren Vater Rotary-Mitglied war, setzte sich bereits vor Erreichen des Teenageralters für Bildung in Pakistan ein. Im Alter von 15 Jahren überlebte sie einen Angriff der Taliban, mit dem man ihr Engagement zum Schweigen bringen wollte. Nach monatelanger Operation und Rehabilitation im Vereinigten Königreich gründete sie gemeinsam mit anderen den Malala Fund, um sich weiterhin weltweit für die Bildung von Mädchen einzusetzen. Im Jahr 2014, im Alter von 17 Jahren, erhielt sie den Friedensnobelpreis in Anerkennung ihrer Bemühungen um die Förderung von Bildung und Gleichberechtigung. Sie schloss ihr Studium an der Universität Oxford im Jahr 2020 mit einem Abschluss in Philosophie, Politik und Wirtschaftswissenschaften ab.
„Ich habe meinen Einsatz für Bildung bereits im Alter von 11 Jahren begonnen“, sagte Yousafzai während der zweiten Plenarsitzung am 16. Juni. „Anfangs waren es nur mein Vater und ich, die wir uns für das Recht der Mädchen auf Schulbildung einsetzten. Aber es sind die Menschen, die uns zur Seite stehen, und unsere gemeinsame Arbeit, die mir Hoffnung geben.“
Sie würdigte zwar die erzielten Fortschritte, wies jedoch darauf hin, dass weltweit nach wie vor etwa 120 Millionen Mädchen keine Schule besuchen, und forderte die Teilnehmer/innen nachdrücklich auf, Mädchen in Führungsrollen zu unterstützen. „Mädchen verstehen die Probleme am besten, und sie verstehen auch die Lösungen am besten“, sagte Yousafzai.
Außerdem ermutigte sie die Rotary-Mitglieder, dazu beizutragen, dass jedes Mädchen Zugang zu hochwertiger Bildung erhält.
„Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass eine Person allein die Welt nicht verändern kann, dass jede Bewegung in der Geschichte von vielen Händen gemeinsam geschaffen wurde“, sagte Yousafzai. „Wenn Sie nach Hause gehen, halten Sie Ausschau nach Mädchen, bei denen die Gefahr eines Schulabbruchs besteht. Fragen Sie die Lehrkräfte, wie Sie sie bei ihrer Arbeit unterstützen können. Wir brauchen Ihre mutige und ehrgeizige Vision, um eine bessere Zukunft für Mädchen zu gestalten.“
Yousafzai stieß auch auf große Resonanz, als sie über psychische Gesundheit und ihre Genesung nach dem Anschlag sprach.
„Zunächst habe ich mich ausschließlich auf meine körperliche Genesung konzentriert, doch später wurde mir bewusst, wie wichtig die psychische Gesundheit ist“, sagte sie. „Die Therapie hat mir geholfen zu erkennen, dass es ein Zeichen von Stärke und nicht von Schwäche ist, um Hilfe zu bitten. Ich habe mich dafür entschieden, offen über meine Schwierigkeiten zu sprechen, weil junge Menschen auf der ganzen Welt wissen müssen, dass sie nicht allein sind.“
Eine weitere Herausforderung für die Zukunft wurde in der Abschlusssitzung von Salome Agbaroji angesprochen, der Nationalen Jugend-Poet-Laureate-Preiträgerin der Vereinigten Staaten für den Zeitraum 2023–24, die ihr Gedicht „HOPE“ vortrug.
„Wenn wir Hoffnung von einer Einstellung in eine Handlung verwandeln, kommen wir dem Aufbau der Welt, die wir uns wünschen, viel näher“, sagte sie nach dem Vortrag des Gedichts. „Sie, die Rotary-Mitglieder, sind die Wissenschaftler und Ingenieure jener kleinen gesellschaftlichen Revolutionen, die großes und messbares Gutes bewirken.“
Holger Knaack, Trustee Chair der Rotary Foundation, hob die globale Reichweite der humanitären Arbeit von Rotary hervor und stellte den neuesten Empfänger eines „Programs of Scale“-Grants vor: Zusammenarbeit für nachhaltige Wasser- und Sanitärversorgungssysteme in Haiti.
Die von haitianischen Rotariern geleitete Initiative baut auf der Zusammenarbeit mit haitianischen Organisationen und der nationalen Wasserbehörde auf. Das Projekt zielt darauf ab, durch die Stärkung lokaler Kapazitäten sowie durch die Schulung von Vertretern der Gemeinwesen, Wasserwerkbetreibern und Kommunalbeamten durch Wasser übertragene Krankheiten zu reduzieren.
„Es gibt eine Antwort auf die Frage, die für jedes Mitglied in diesem Raum von Bedeutung ist: Können wir an Orten, an denen Veränderungen am schwierigsten sind, dauerhafte Veränderungen bewirken?“ sagte Knaack. „Dieses Programm wird beweisen, dass wir es schaffen können.“
Knaack kündigte zudem eine Ausweitung der „Rotary Healthy Communities Challenge“ auf Papua-Neuguinea an. Im Rahmen des Programms sollen weitere 2.100 ehrenamtliche Helfer in mehr als 1.000 Dörfern geschult werden, mit dem Ziel, die Zahl der Malaria-Todesfälle zu halbieren.
Michael K. McGovern und Valarie Wafer vom International PolioPlus Committee hoben sowohl die Fortschritte als auch die Herausforderungen bei den Bemühungen von Rotary zur Ausrottung der Kinderlähmung hervor. Obwohl Afghanistan und Pakistan nach wie vor die einzigen Länder sind, in denen das Polio-Wildvirus weiterhin übertragen wird, stellen Ausbrüche von Polio-Virusvarianten in Teilen Afrikas, darunter auch in Nigeria, weiterhin eine Herausforderung dar.
Mit jährlicher Unterstützung in Höhe von 50 Millionen US-Dollar durch die Rotary Foundation und 100 Millionen US-Dollar durch die Gates Foundation setzen Rotary und seine Partner die Integration von Polio-Impfkampagnen in umfassendere Gesundheitsinitiativen fort, die die Gesundheitssysteme stärken und das Wohlergehen der Gemeinwesen verbessern.
Das „Haus der Freundschaft“ präsentiert weltweite Gemeinschaft: Hier wurden mehr als 200 Exponate von Rotary- und Rotaract-Clubs, Distrikten und Ausstellern aus aller Welt präsentiert.
Ein Highlight war das „Taipei Village“, das vom Host Organization Committee (Gastgeberausschuss) gesponsert wurde und einen Teil der historischen Altstadt von Taipeh nachbildete. Die Besucher/innen konnten durch chinesische Kalligraphie, Teezeremonien, Traditionen der indigenen Bevölkerung und andere Mitmachangebote in die taiwanesische Kultur eintauchen.
„Es ist aufregend, die Internationalität unserer Organisation an einem Ort zu erleben“, sagt Brenda Waugh, eine Governorin elect aus Schottland, Mitglied des Rotary Clubs Annan, die zum ersten Mal an der Convention teilnimmt. „Ich habe den Spaß und die Fellowship genossen und bin stolz darauf, Teil dieser riesigen internationalen Organisation zu sein.“
Die Eröffnungs- und Abschlusszeremonien der Convention begeisterten das Publikum mit groß angelegten Inszenierungen, die traditionelle taiwanesische Tänze, Trommelmusik und Akrobatik mit zeitgenössischer Bühneninszenierung verbanden. Italienische Sänger und Musiker begeisterten die Teilnehmer/innen zudem mit spektakulären Opernarien und beliebten Klassikern, darunter „Caruso“.
Durch große Werbeplakate von Rotary am Flughafen Taoyuan und in den U-Bahn-Stationen von Taipeh, kurze Fernsehspots in Taxis sowie eine umfassende tägliche Berichterstattung in den Medien gelang es Rotary im Rahmen der Convention, das Bewusstsein für sein globales und lokales Wirken in Taiwan zu schärfen, wo die Mitgliederzahlen exponentiell gestiegen sind.
Die Convention bildete zudem den Rahmen für den jährlichen Führungswechsel bei Rotary. Am 1. Juli wird Olayinka H. Babalola sein Amt als Präsident von Rotary International für das Jahr 2026/27 antreten, während Larry A. Lunsford als Präsident elect fungieren wird.
Gegen Ende seines Amtsjahres betonte Arezzo die Bedeutung der Kontinuität in der Führung von Rotary.
„Mir gefällt das Bild eines Staffellaufs“, sagte er. „Kein Läufer ist der alleinige Herr über das Rennen. Der wichtigste Moment ist nicht das Laufen – es ist das Weitergeben. Rotary International ist ein Staffellauf. Wir übernehmen. Wir machen weiter. Wir geben weiter. Und jede Generation von Rotariern/innen muss die Organisation für die nachfolgende Generation stärker, mitfühlender und hoffnungsvoller hinterlassen.“
– Gundula Miethke hat zu diesem Artikel beigetragen.
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RI Präsident Francesco Arezzo (PDF, ansehen und herunterladen)
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Rotary Foundation Trustee Chair Holger Knaack (PDF, ansehen und herunterladen)