
Anfang 2024 reiste eine Autorin von Rotary Magazine nach Afrika, um über eine groß angelegte Initiative zu berichten, die darauf abzielt, die hohe Müttersterblichkeitsrate in diesem Land zu senken. Die Organisation „Together for Healthy Families in Nigeria (Gemeinsam für gesunde Familien in Nigeria)“ erhielt einen „Programs of Scale“-Grant in Höhe von 2 Millionen US-Dollar, um die Verfügbarkeit hochwertiger Gesundheitsdienste für Schwangere zu verbessern und deren Inanspruchnahme zu fördern. Das Programm wurde in drei nigerianischen Bundesstaaten sowie im Bundeshauptstadtterritorium umgesetzt, in der Hoffnung, es künftig ausweiten zu können.
Nun liegen die Daten für die ersten beiden Jahre des auf drei Jahre angelegten Programms vor. Bis Ende 2024 hatte die Organisation „Together for Healthy Families in Nigeria (Gemeinsam für gesunde Familien in Nigeria)“ 1.146 Gesundheitsfachkräfte in den Bereichen geburtshilfliche und neonatologische Notfallversorgung, respektvolle Geburtshilfe, Datenerfassung und Öffentlichkeitsarbeit geschult. Die lokalen Gesundheitshelferinnen in den Gemeinwesen führten fast 26.000 Hausbesuche durch und leiteten Gemeindegespräche, an denen mehr als 36.000 Menschen teilnahmen. Zudem stiegen die Geburtenzahlen in den vom Programm unterstützten Gesundheitseinrichtungen um bis zu 35 %.
Im Folgenden gibt unsere Autorin einen detaillierten Einblick in dieses bemerkenswerte Programm.
Am Stadtrand von Abuja, unter der sengenden Novembersonne, schlurft eine schwangere Frau, gestützt auf den Arm ihrer Freundin, über einen Innenhof und verschwindet in einem Backsteinschuppen. Wenige Augenblicke später sind aus dem Schuppen Rufe zu hören: „Jetzt pressen - drücken Sie!“ Es vergehen noch ein paar Minuten, dann tauchen die beiden wieder auf, doch diesmal sitzt die Frau in einem Rollstuhl, der von der Freundin geschoben wird. Eine weitere Frau geht neben ihnen her und trägt ein Neugeborenes im Arm.
Die Frau im Rollstuhl ist in Not. Von der anderen Seite des Innenhofs rennt eine Krankenschwester auf sie zu. „Warum sind Sie nicht zur Entbindung in die Gesundheitseinrichtung gekommen?“, fragt die Krankenschwester besorgt, während sie den Blutdruck der Frau misst. Andere Mitarbeiter des Gesundheitswesens versammeln sich um sie. „Sie hat viel Blut verloren“, ruft die Krankenschwester. „Wir wollen nicht, dass sie hier stirbt.“
Ihre Bemühungen sind vergeblich. Die Frau sackt im Rollstuhl zusammen. Die Krankenschwester blickt auf und erteilt eine verspätete Ermahnung. „Am sichersten ist es, im Krankenhaus zu entbinden“, sagt sie. „Sehen Sie, was mit dieser Frau geschehen ist? Wir haben sie verloren. Wir haben sie verloren!“
Eine Sekunde trauriger Stille vergeht, und dann erhebt sich aus allen Ecken des Hofes – von den Dutzenden Menschen, die unter blauen Planen sitzen, bis hin zu den etwa einem Dutzend, die sich im Schatten eines einsamen Baumes versammelt haben – eine große Welle des Beifalls. Die Aufführung war ein großer Erfolg.
Genau das war diese Szene im Innenhof des Kuchingoro Primary Health Care Centre: eine Aufführung, die für die fast 200 Menschen inszeniert wurde, die sich heute Vormittag vor Nigerias Hauptstadt Abuja versammelt hatten. Bei der Krankenschwester handelt es sich nicht um eine Schauspielerin, sondern um Victoria Okwute, die Pflegedienstleiterin des Gesundheitszentrums, und Anlass ist ein vom Rotary Club unterstützter Workshop, der organisiert wurde, um die erschreckend hohe Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Geburten in Nigeria anzugehen.
In keinem anderen Land gibt es mehr Fälle von Müttersterblichkeit als in Nigeria. Im Jahr 2020 starben dort 82.000 Schwangere und junge Mütter – fast viermal so viele wie in Indien, wo die zweithöchste Zahl an Todesfällen zu verzeichnen ist.
Ein mitwirkender Faktor? Sechzig Prozent der Geburten in Nigeria finden außerhalb einer Gesundheitseinrichtung oder eines Krankenhauses statt, was bedeutet, dass Mütter und Schwangere im Falle von Komplikationen weitaus stärker gefährdet sind. Und das tun sie so oft: Zu den häufigsten Ursachen für Müttersterblichkeit zählen postpartale Blutungen, Geburtsstillstand und Eklampsie, bei der es aufgrund einer Komplikation, die zu Bluthochdruck und Organschäden führen kann, zu Krampfanfällen kommt. „Die meisten Menschen betrachten [die Todesfälle] als Strafe der Götter oder als eine Art Hexerei“, sagt die Hebamme Ashezi David Alu. „Aber es handelt sich lediglich um einen Fall von grober Fahrlässigkeit aufgrund einer mangelhaften Bewältigung dieser Komplikationen.“

Rechts: Bei dem von Rotary unterstützten Workshop erläutern Gesundheitsfachkräfte die Anzeichen für eine Notlage bei Schwangeren. Links: Victoria Okwute (links) tritt in einem Sketch über die Bedeutung der Entbindung in einer medizinischen Einrichtung auf.
Nun wird dieses Problem durch einen „Programs of Scale“-Grant in Höhe von 2 Millionen US-Dollar der Rotary Foundation direkt angegangen. Ziel ist es, die Mütter- und Neugeborenensterblichkeit in den Zielgebieten bis zum Ende des dreijährigen Programms um 25 Prozent zu senken. Die Initiative, die in Nigeria unter dem Namen „Together for Healthy Families in Nigeria (Gemeinsam für gesunde Familien in Nigeria)“ bekannt ist, wird vom Rotary-Distrikt 1860 (Deutschland) in Zusammenarbeit mit den Distrikten 9110, 9125, 9141 und 9142 (Nigeria) sowie der Rotary Action Group for Reproductive, Maternal, and Child Health gefördert.
Die Initiative wird in ausgewählten Gebieten in drei nigerianischen Bundesstaaten sowie im Bundeshauptstadtterritorium durchgeführt und knüpft an frühere Aktivitäten von Rotary-Mitgliedern in diesem Land an. Man hofft, dass das Programm, sobald es seine Wirksamkeit unter Beweis gestellt hat, in ganz Nigeria und auch anderswo umgesetzt wird. Entscheidend ist, dass die Rotary-Mitglieder bei der Umsetzung des Programms mit Bundes- und Landesbehörden zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Maßnahme und ihre positiven Auswirkungen weit über die dreijährige Laufzeit des Förderzeitraums hinaus Bestand haben. „Dieses Projekt wird weitere Projekte hervorbringen“, betont Programmleiter Toyosi Adebambo.
Adebambo war zuvor 16 Jahre lang bei USAID und als deren Umsetzungspartner in verschiedenen Funktionen tätig, die von Überwachung und Evaluierung über Verwaltung und Personalwesen bis hin zum Projektmanagement reichten. Er trat 2004 Rotaract bei, als er an der Universität Statistik studierte, und wurde später Mitglied des Rotary E-Clubs „One Nigeria“. Als er von dem „Programs of Scale“-Grant erfuhr, bewarb er sich um eine Mitarbeit an dieser Initiative. „Wenn man sich überlegt, wie die Situation in 10 oder 20 Jahren aussehen wird, möchte man dabei sein, um sicherzustellen, dass alles auch wirklich klappt“, sagt er. „Niemand wird das besser hinbekommen als ein Mitglied von Rotary.“

Faith Gideon und Judith Anyah besuchen die schwangere Theresa Andrew.
Später am selben Tag, nach dem Theaterstück im Innenhof, verlässt die Gesundheitshelferin Faith Gideon das Gesundheitszentrum von Kuchingoro – sie trägt eine blaue Schürze mit der Aufschrift „Together for Healthy Families“ – und begibt sich über eine Reihe roter Feldwege zum Haus von Theresa Andrew.
Gideon sitzt Theresa Andrew gegenüber, die im fünften Monat mit ihrem ersten Kind schwanger ist, und ermutigt die werdende Mutter, bei den ersten Anzeichen von Komplikationen die Klinik aufzusuchen. „Falls Sie irgendwelche Probleme haben“, sagt sie, „falls Sie etwas nicht verstehen, falls das Baby nicht strampelt – ganz egal, was es ist.“
Gideon spricht anschließend über die Gefahren von Malaria für Schwangere und gibt Andrew ein Moskitonetz. Außerdem überreicht sie ihr ein Entbindungsset, das eine Bettdecke, Seife, ein Nabelschnurband, Latexhandschuhe, eine Rasierklinge und Mullbinden enthält. Einer der Gründe, den Frauen dafür angeben, nicht in einer Klinik zu entbinden, ist die Annahme, dass dies teurer sei – unter anderem, weil sie oft ihre eigenen Hilfsmittel mitbringen müssen.
Gideon legt diesen Weg über die roten Feldwege des Gemeinwesens dreimal pro Woche zurück, um schwangere Frauen und junge Mütter zu besuchen. Sie ist eine von 84 lokalen Gesundheitshelferinnen, die im vergangenen Juli an zwei Tagen im Rahmen der von Rotary unterstützten Initiative geschult wurden. Die besten Teilnehmerinnen dieser Schulungen werden selbst zu Ausbilderinnen und tragen so zum weiteren Ausbau des Programms bei.
Die Gesundheitsfachkräfte wurden unter anderem in den Themen grundlegende Schwangerschafts- und Wochenbettbetreuung, Schwangerschaftskomplikationen, Überweisungen an Kliniken, Risiken bei Hausgeburten sowie moderne Methoden der Familienplanung geschult. Sie lernten, wie man werdende und junge Mütter zu Themen wie Ernährung während der Schwangerschaft, Stillen, Impfungen im Kindesalter und dem richtigen Zeitpunkt für die Einführung fester Nahrung aufklärt.

Rechts: Die Gesundheitsfachkraft Melvina Tanze (rechts) sieht bei einem Hausbesuch in Nasarawa, Nigeria, nach Nafisa Abubakar und ihrem Kind Halima Ode. Links: Die im Rahmen des Programms durchgeführten Hausbesuche sollen Familien dazu ermutigen, Gesundheitseinrichtungen aufzusuchen.
Die Organisatoren des Programms hatten ursprünglich vorgesehen, diese Besuche vor Ort dreimal pro Quartal durchzuführen; als sie jedoch deren Wirksamkeit erkannten, änderten sie ihren Kurs umgehend. Mittlerweile führen die Gesundheitsfachkräfte dreimal pro Woche ihre Rundgänge durch – was bedeutet, dass die Initiative bereits in den ersten drei Monaten ihr für drei Jahre angestrebtes Ziel hinsichtlich der Anzahl der Besuche übertroffen hat. „Wenn wir die Menschen zu Hause besuchen, bauen wir eine Beziehung zu ihnen auf und unterhalten uns mit ihnen“, sagt Gideon. „Dadurch fühlen sie sich wohl und werden dazu ermutigt, das Gesundheitszentrum aufzusuchen.“
Und all dies geht auf eine zufällige Begegnung in einem kalifornischen Hotel vor 30 Jahren zurück.
Im März 1994 kamen die Governors elect Emmanuel Adedolapo Lufadeju und Robert Zinser ins Gespräch, als sie sich anlässlich der jährlichen Internationalen Assembly von Rotary in Kalifornien aufhielten. Lufadeju, mittlerweile Mitglied des Rotary Clubs Ibadan-Jericho Metro in Nigeria, berichtete von einem Besuch, den er kürzlich auf der Entbindungsstation eines Krankenhauses in Nigeria absolviert hatte; Zinser, Mitglied des Rotary Clubs Ludwigshafen-Rheinschanze in Deutschland, hörte aufmerksam zu. Dieses Gespräch war der Ausgangspunkt für eine 30-jährige Partnerschaft zwischen nigerianischen und deutschen Rotary-Mitgliedern, die sich für die Verbesserung der Gesundheit von Mutter und Kind einsetzten und die „Rotary Action Group for Reproductive, Maternal and Child Health“ ins Leben riefen, was schließlich in dem kürzlich gewährten „Programs of Scale“-Grant in Höhe von 2 Millionen US-Dollar gipfelte.
Im Laufe der Zeit begannen die Rotary-Mitglieder, sich auf die Erhebung von Daten zu Müttersterblichkeit zu konzentrieren, um Probleme bei der Versorgungsqualität aufzudecken und festzustellen, welche Maßnahmen am sinnvollsten waren. Ihre Arbeit zur Gesundheitsüberwachung wurde in das nigerianische Gesundheitssystem integriert. Rotary-Mitglieder unterstützten zudem Regierungsvertreter bei der Einbringung eines Gesetzentwurfs, der 2021 vom nigerianischen Parlament verabschiedet wurde und die genaue Erfassung von Müttersterblichkeitsfällen vorschreibt. Da die Mehrheit der Frauen im Land außerhalb medizinischer Einrichtungen entbindet, wurden bislang keine Aufzeichnungen über die Todesursachen geführt.
Die Initiative „Together for Healthy Families in Nigeria (Gemeinsam für gesunde Familien in Nigeria)“ untersucht die Erfüllungsquoten bei dieser Meldepflicht und konzentriert sich dabei auf Einrichtungen in drei Bundesstaaten sowie im Bundeshauptstadtterritorium, wo das Programm ins Leben gerufen wurde. Im ersten Quartal 2023 haben nur 8 Prozent der Einrichtungen ihre Daten ordnungsgemäß gemeldet. Das Team führte eine Reihe von Besprechungen und Telefonaten mit Regierungsvertretern durch, und bis zum Ende des vierten Quartals war es gelungen, diese Quote auf 90 Prozent zu steigern. „Der nächste Schritt besteht darin, diese Daten mit der Versorgungsqualität in Verbindung zu bringen und mit den Gesundheitsministern verschiedener Regionen darüber zu sprechen, welche Erkenntnisse wir gewonnen haben und welche Maßnahmen sie ergreifen werden, um etwaige Probleme zu beheben“, sagt Lufadeju. „Zum Glück haben wir ein gutes Verhältnis zueinander.“

Emmanuel Adedolapo Lufadeju begann 1994, gemeinsam mit deutschen Rotary-Mitgliedern an Projekten zur Gesundheit von Müttern zu arbeiten.
Lufadeju, seit 1980 Rotary-Mitglied, wurde im August 2023 zum Vorsitzenden eines Unterausschusses für sichere Mutterschaft innerhalb der nigerianischen Gesundheitsbehörde ernannt. Sein Einsatz trug dazu bei, dass Rotary-Mitglieder nun neue Möglichkeiten haben, sich für zusätzliche Ressourcen einzusetzen. „Wenn ich um ein Treffen [mit Vertretern der Bundesgesundheitsbehörden] bitte, lehnen sie das nicht ab“, sagt Lufadeju. „Sie können mir nicht sagen, dass sie keine Zeit haben, denn ich bin ein wichtiger Akteur. Ich bin ein fester Bestandteil ihres Systems.“
Bei der Nationalen Agentur für die Entwicklung der primären Gesundheitsversorgung in Abuja begrüßt Lufadeju Chris Elemuwa, den Leiter der Abteilung für soziale Mobilisierung und Entwicklung der Gemeinwesen der Agentur, herzlich. Lufadeju ist hier, um bei der Behörde zu beantragen, die Verantwortung für die Dialoge im Gemeinwesen und die Daten zu Mütter- und Kindersterblichkeit zu übernehmen. Ein Teil der Strategie des Rotary-Programmteams besteht nicht nur darin, die Maßnahmen in den nächsten drei Jahren umzusetzen, sondern die Regierung davon zu überzeugen, diese langfristig zu übernehmen.
Lufadeju hatte jahrelang versucht, bei der Behörde Fuß zu fassen, die lokale/r Gesundheitshelfer/in im gesamten Land unterstützt. Als sich schließlich der „Programs of Scale“-Grant-Erfolg abzeichnete, schickte er Elemuwa eine E-Mail und bat um ein Treffen. „Wir haben eine echte Brüderlichkeit aufgebaut“, sagt Lufadeju. „Ohne ihn wäre all das, was wir tun, nicht möglich.“
Zwei Tage nach dem Treffen zwischen Lufadeju und Elemuwa unternimmt das Programmteam einen weiteren Besuch zur Lobbyarbeit, diesmal beim Gesundheitsministerium in Nasarawa, einem überwiegend landwirtschaftlich geprägten Bundesstaat südöstlich von Abuja. An einer Seite eines langen Konferenztisches sitzen sechs Direktoren des Ministeriums, die für alle Bereiche zuständig sind – von der Medizin über die reproduktive Gesundheit bis hin zu – und das ist entscheidend – Finanzen und Planung. Auf der anderen Seite des Tisches sitzt das Rotary-Programmteam.
Nach einigen Scherzen und einem Austausch von Höflichkeitsreden kommen die beiden Teams zur Sache. Der Staat hat damit begonnen, einen Teil seines Personals einzusetzen, um die Hausbesuche im Rahmen des Programms zu ergänzen, und Regierungsvertreter sind an einer Zwischenbewertung interessiert, um festzustellen, welche Maßnahmen durch Daten gestützt werden. Außerdem möchten sie wissen, was sie derzeit in Gemeinwesen außerhalb der Programmstandorte anders machen sollten. Der Finanzdirektor sorgt bereits dafür, dass alle Voraussetzungen erfüllt sind, sobald das Rotary-Programm abgeschlossen ist. „Wir möchten, dass sie die Verantwortung dafür übernehmen, und das können sie nur, wenn sie das Projekt in das staatliche Programm integrieren und entsprechende Mittel dafür im Haushalt vorsehen“, erklärt Lufadeju.

Die Rotary-Mitglieder (von links) Toyosi Adebambo und Emmanuel Adedolapo Lufadeju im Palast eines traditionellen Oberhaupts im Bundesstaat Ekiti.
Das Rotary-Programmteam leistet auf Ebene des Gemeinwesens ähnliche Lobbyarbeit, indem es mit lokalen Vertretern aus den Bereichen Religion, Tradition, Jugend und Wirtschaft zusammenarbeitet und diese fragt, welche Wünsche sie haben. „Oberhäupter jedes Ortes haben begonnen, darüber zu sprechen, wie sie uns helfen können“, erinnert sich Adebambo, der Programmleiter. „Es stellt sich eigentlich gar nicht mehr die Frage, ob sie uns helfen werden.“
Ein Rundgang durch das Wamba Road Primary Health Centre in Akwanga im Bundesstaat Nasarawa zeigt, wie das Großprogramm „Program of Scale“ in der Praxis umgesetzt wird. Im Rahmen des Programms wurden schwangere Frauen je nach ihrem Entbindungstermin Kohorten zugeordnet, und die Mitglieder dieser Gruppen kommen zu jedem ihrer sieben Schwangerschaftstermine gemeinsam in die Klinik.
Die Forschung bestätigt den Nutzen dieses gruppenbasierten Ansatzes in der Schwangerschaftsvorsorge. Dies schafft ein Gefühl der sozialen Verbundenheit unter den Frauen und unterstreicht damit noch einmal, wie wichtig es ist, dass sie ihre Vorsorgeuntersuchungen weiterhin wahrnehmen. Überraschenderweise sinkt die Arbeitsbelastung des Klinikpersonals insgesamt, obwohl die Zahl der Frauen, die die Klinik aufsuchen, steigt.
Zu Beginn des Programms verzeichnete diese Einrichtung etwa 75 Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen pro Monat. In den ersten sechs Monaten seit Einführung des Programms stieg diese Zahl auf etwa 185. Der Teil des Programms, der sich an das Gemeinwesen richtete, begann im Juni, und danach stieg die Zahl der Besuche sprunghaft auf etwa 570 pro Monat an. Nicht alle Frauen, die die Schwangerschaftsvorsorgepraxen aufsuchen, bringen ihr Kind auch dort zur Welt, doch die entsprechenden Zahlen steigen dennoch an: Innerhalb von drei Monaten ist der Anteil der Frauen, die ihr Kind dort zur Welt bringen, von 18 Prozent der Teilnehmerinnen der Schwangerschaftsvorsorgepraxen auf 66 Prozent gestiegen. Die postnatale Versorgung, einschließlich Impfungen, stieg von 2 Prozent der Teilnehmerinnen auf 70 Prozent. „Die Auswirkungen sind enorm“, sagt Adebambo. „Das ist das Schöne daran.“

Charity James (links) und Ashezi David Alu begutachten die im Rahmen des Programms bereitgestellten Hilfsgüter.
Charity James und Sabina Gyado, zwei Krankenschwestern, die in der Klinik mitarbeiten, holen Ordner hervor, die den Lehrplan für jeden der sieben Termine enthalten, mit Themen wie Familienplanung, Blutungen, Frühgeburten und Säuglingspflege. Es gibt Leitfäden für die Lernbegleiterinnen sowie einfache Illustrationen, die dazu beitragen, bestimmte Punkte für die teilnehmenden Frauen hervorzuheben. Eine Abbildung zeigt das Bild eines Babys mit einer gereizten Nabelschnur. „Wir möchten betonen: Wenn Sie eine noch warme, rote Nabelschnur sehen, kommen Sie bitte ins Krankenhaus“, sagt James. „Wenn es Ihr Nachbar ist, bringen Sie ihn dorthin.“
Im Kreißsaal der Klinik ragt eine Glühbirne aus der Wand über einer Ablage in der Nähe eines der Krankenhausbetten hervor. Das Gerät, das im Rahmen des Programms „Together for Healthy Families in Nigeria (Gemeinsam für gesunde Familien in Nigeria)“ bereitgestellt wird, hält Babys – ähnlich wie ein Inkubator – warm, während sie gewaschen werden und sich ihre Mütter erholen. „So etwas sieht man in anderen medizinischen Grundversorgungszentren im Bundesstaat Nasarawa nicht“, sagt Ashezi David Alu, der für das Rotary-Programm als leitende Hebamme des Bundesstaates tätig ist. Neben der Theke befindet sich ein Schrank mit medizinischen Hilfsmitteln – wie Vitamin A, Augensalbe, Vitamin K und anderen wichtigen Artikeln –, der im Rahmen des Programms bestückt wurde.
Die nigerianische Regierung hat den Gesundheitssektor seit jeher unterfinanziert, was zu einer schlechten Infrastruktur sowie einem Mangel an qualifiziertem Personal und medizinischen Hilfsmitteln geführt hat. Untersuchungen haben ergeben, dass weltweit nicht der mangelnde Zugang zu einer Gesundheitseinrichtung, sondern eine schlechte Versorgungsqualität am stärksten zu Mütter- und Neugeborenensterblichkeit beiträgt. Um diese Lücke zu schließen, bietet die vom Großprogramm „Program of Scale“ unterstützte Initiative Schulungen für Gesundheitsfachkräfte in den Bereichen geburtshilfliche Notfallversorgung und Neugeborenenpflege an. Die Organisatoren des Programms haben seitdem Berichte darüber gehört, dass medizinisches Personal seine neu erworbenen Fähigkeiten einsetzt, um Säuglinge mit Asphyxie – also Sauerstoffmangel – bei der Geburt wiederzubeleben. Allein im dritten Quartal 2023 nahmen 210 Gesundheitsfachkräfte in den drei Bundesstaaten und dem Hauptstadtterritorium, die von der Initiative abgedeckt werden, an dieser Schulung teil.
Die Gesundheitsfachkräfte wurden zudem in respektvoller Geburtsbetreuung geschult, bei der die Rechte von Frauen, Kindern und ihren Familien im Vordergrund stehen, sodass Frauen ihre persönlichen und kulturellen Wünsche bezüglich der Geburt verwirklichen können und gleichzeitig eine hochwertige Versorgung erhalten. Darüber hinaus wurden die Mitarbeiter im Gesundheitswesen darin geschult, wie sie in emotional aufgeladenen Situationen reagieren sollten. „Das Gesundheitspersonal steht dabei stets an vorderster Front“, sagt Adebambo. „Wir schulen sie darin, wie sie auf Menschen reagieren und mit ihnen umgehen sollen.“

Ashezi David Alu spricht am Gesundheitszentrum von Gwanje.
Vor dem nahegelegenen Gwanje Primary Health Centre bietet sich ein ganz anderes Bild: Dort haben sich mehrere hundert Menschen versammelt, die sich im Schatten aufhalten: Jugendliche, werdende Mütter und Frauen mit ihren Kindern unter gestreiften Zelten in der Mitte; Männer unter einem Mangobaum links von den Frauen; und einige Jungen, die rechts von ihnen unter der Stütze eines Wasserspeichers herumhängen. Hinter den Betonmauern des Geländes wogen Maisfelder.
Die Notwendigkeit, sowohl Frauen als auch Männer einzubeziehen, wird deutlich, sobald das Thema Familienplanung zur Sprache kommt. Die Menge lacht, als ein Gesundheitshelfer ein hölzernes Penismodell aus einem Eimer mit der Aufschrift „Demonstration“ hervorholt. Die Jungen, die bis zu diesem Zeitpunkt herumgelegen hatten, richten sich mit weit aufgerissenen Augen auf, während sie ihr dabei zusehen, wie sie die Verwendung eines Kondoms für Männer vorführt. Später, während einer Frage-&-Antwort-Runde, erklärt eine Frau mit sechs Kindern, sie würde gerne Familienplanung betreiben, doch ihr Ehemann weigere sich, ihr dies zu gestatten. „Ist er hier?“, fragt die Lernbegleiterin. „Ja, er ist hier“, sagt sie und zeigt darauf. Erneut bricht das Publikum in Gelächter aus. Die Lernbegleiterin gibt keine eindeutige Antwort und erklärt, dies sei ein Thema, das auf familiärer Ebene besprochen werden müsse.
Forscher haben vier Faktoren identifiziert, die zu einem erhöhten Risiko für Müttersterblichkeit führen: zu häufige Schwangerschaften oder Schwangerschaften in zu jungem oder zu hohem Alter sowie Schwangerschaften, die zu kurz nach der letzten Schwangerschaft folgen. Die Empfängnisverhütung berücksichtigt alle vier Aspekte. „Was wir im Bereich der Familienplanung tun, ist, der Frau etwas Freiraum zu geben, damit sie wieder zu Kräften kommen kann, und dafür zu sorgen, dass die Kinder zu Hause gut versorgt werden“, sagt Alu, „damit nachfolgende Schwangerschaften für sie sicher verlaufen.“
Das nationale Ziel Nigerias ist es, dass 27 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter des Landes moderne Verhütungsmethoden anwenden, doch derzeit tun dies nur 14 Prozent der Frauen. „Wir klären die Menschen darüber auf, welchen Unterschied es gibt zwischen der Familienplanung und dem Verzicht auf Kinder“, sagt Alu.
Als der Dialog des Gemeinwesens der Klinik zu Ende geht, erfüllt der Klang von Trommeln und schrillen Trompeten die Luft. Tänzer, die Fußkettchen aus Samenkapseln tragen, stampfen und schwingen im Takt. Die Zuschauer rücken näher heran, um zuzusehen und mitzumachen, und während sie dies tun, wird der Reigen der Tänzer immer größer und pulsiert vor Energie. Lufadeju kann der Versuchung nicht widerstehen, legt seine professorenhafte Haltung ab und mischt sich unter die Menge – als ein weiteres Mitglied von Rotary, das zu diesem lebendigen Emblem des Kreislaufs des Lebens beiträgt.
Erfahren Sie mehr darüber, wie Rotary sich weltweit für Mütter und Kinder einsetzt.
Dies ist eine gekürzte Fassung eines Artikels, der ursprünglich in der Aprilausgabe 2024 von Rotary Magazine erschienen ist.
