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Im Laufe der Jahre lehnte die vielbeschäftigte Ärztin jedes Mal ab, wenn ihr Ehemann, selbst Rotary-Mitglied, ihr vorschlug, Rotary beizutreten. Als sie jedoch von der Gründung eines Rotary Clubs erfuhr, der sich psychischer Gesundheit und Wohlbefinden widmet, schloss sie sich diesem sofort an.
Für die Allgemeinmedizinerin kam dies genau zum richtigen Zeitpunkt. Nach Beginn der Pandemie litten die meisten ihrer Patient/innen unter Angstzuständen sowie Depressionen und sie selbst bekam die zunehmende Überlastung medizinischer Fachkräfte zu spüren. „Dieser Club hat meinem Leben neuen Schwung verliehen, weil ich von Gleichgesinnten umgeben war, die das Richtige tun wollten“, so Khoury-Shaar, Präsidentin des Rotary Clubs Mental Health & Wellness im Distrikt 5280, der Teile des Los Angeles County in Kalifornien umfasst. Der Club trifft sich online und steht Mitgliedern aus aller Welt offen. Die derzeitigen Mitglieder sind Fachkräfte aus dem Bereich der psychischen Gesundheit sowie weitere Personen, denen dieses Thema am Herzen liegt.
Der Club, der im vergangenen Mai während des Mental Health Awareness Month in den USA gegründet wurde, ist einer der ersten Rotary Themenclubs, die sich psychischer Gesundheit und Wohlbefinden widmen. Er geht auf eine Idee von Guity Javid, Governorin des Distrikts 5280 für das Rotary-Jahr 2021/22, zurück. Es handelt sich um einen von immer mehr Themenclubs weltweit.

Der Rotary Club Mental Health & Wellness ist einer von weltweit immer mehr Themenclubs. Mitglieder (obere Reihe, von links): Judith Verduzco und Maribel Khoury-Shaar; sowie (untere Reihe, von links): Guity Javid und Marisol Chianello. Foto: Frank Ishman
Bereits im Jahr vor Javids Amtszeit hatte der Distrikt einen Themenclub gegründet: Distrikts 5280 Rotarians Fighting Human Trafficking. Javid nannte drei weitere Initiativen, die für sie persönlich von besonderer Bedeutung waren und zur Gründung dieser Clubs beitrugen: Mental Health & Wellness, Rotarians for Environmental Action sowie Rotarians in Service for Equality (R.I.S.E.), eine Initiative im Bereich LGBTQ+.
„Ich war positiv überrascht von der Zahl der Rotary-Ehepartner/innen, die Rotary ohne diese Anliegen vielleicht niemals beitreten würden“, so Javid. „Wir haben zudem jüngere Mitglieder gewonnen. Psychische Gesundheit war während der Pandemie ein großes Problem. Menschen waren isoliert, und viele griffen zur Bewältigung zu Alkohol und Drogen.“ Sie fügt hinzu, dass Beseitigung des Stigmas im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit zu den Prioritäten zählt.
Psychische Gesundheit und insbesondere die Themen Depression, Angstzustände und Suizid haben die Aufmerksamkeit von Rotary-Mitgliedern weltweit auf sich gezogen. Neben dem neuen Club gibt es eine Rotary-Aktionsgruppe (Rotary-Aktionsgruppe, RAG) für Initiativen im Bereich psychische Gesundheit sowie eine Partnerschaft zwischen Rotary International in Great Britain and Ireland (RIBI) und der gemeinnützigen Organisation Bipolar UK.
Obwohl der Club Mental Health & Wellness noch relativ neu ist, haben seine Mitglieder bereits bemerkenswerte Initiativen ins Leben gerufen, darunter die Vergabe von Stipendien in Höhe von jährlich 5.000 US-Dollar an Studierende, die sich im Rahmen ihres Masterstudiums mit dem Thema psychische Gesundheit auseinandersetzen. Des Weiteren haben die Mitglieder Pakete mit Stofftieren, Aufmunterungskarten und weiteren Artikeln an Kinder mit Verbrennungen verteilt. Zudem engagierten sie sich im Rahmen der Initiative „Inspiring Kindness“ – einem Gemeinschaftsprojekt mit anderen Clubs, Schulen und der Alex-Montoya-Foundation – für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern im schulpflichtigen Alter.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung von Veteran/innen, unter anderem durch die Mithilfe bei der Sanierung eines Standorts der American Legion in Glendale, Kalifornien.
Clubmitglied Marisol Chianello, eine Rechtsanwältin aus Glendale, leitete dieses Projekt. Sie sagt, dass sie dem Club beigetreten sei, weil sie selbst mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte und Hilfsangebote für andere schaffen wollte. Ihr Ehemann ist Golfkriegsveteran. Als einer seiner Freunde ihr von den Schwierigkeiten mit dem Standort der American Legion berichtete, wollte sie sofort helfen.
„Die Hälfte der Räumlichkeiten musste vermietet werden, um die notwendigen Einnahmen für den Erhalt des Standorts zu erzielen“, so Chianello. „Die andere Hälfte diente als Lagerraum voller Uniformen, Orden und militärischen Erinnerungsstücken. Mit Unterstützung anderer Clubs aus unserem Distrikt haben wir den Bereich aufgeräumt und wieder geöffnet.“ An diesem Standort gibt es nun einen Ort, an dem Veteran/innen Ruhe und letztlich auch Hilfsangebote zur Verbesserung ihrer psychischen Gesundheit finden. Chianello erläutert, dass die American Legion gemeinsam mit dem Club prüft, wie Rotary zum Erhalt des Standorts beitragen kann.
Auch Clubpräsidentin elect Judith Verduzco, eine Therapeutin aus Glendale, hat die Ausrichtung des Clubs zum Beitritt motiviert. Genau wie bei Khoury-Shaar ist auch der Ehemann von Verduzco Rotary-Mitglied und hat sie dazu ermutigt, selbst Mitglied zu werden.
Verduzco erläutert, dass sie sich neben der Weiterführung bereits laufender Projekte vor allem auf die Suizidprävention sowie auf die Zusammenarbeit mit Organisationen konzentrieren möchte, die Dienstleistungen im Bereich psychischer Gesundheit anbieten und das öffentliche Bewusstsein für dieses Thema schärfen. „Als Therapeutin ermutige ich meine Klient/innen, im Krisenfall die Nummer 988 anzurufen“, erläutert sie und bezieht sich dabei auf die nationale Selbstmord- und Krisen-Hotline, die nach dem Vorbild des 911-Systems gestaltet und im vergangenen Jahr eingeführt wurde.
Nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention stieg die Zahl der Suizide in den Vereinigten Staaten von 2020 bis 2021 um 4 Prozent an, nachdem sie in den Jahren 2019 und 2020 zurückgegangen war. „Ich möchte auf das Ausmaß des Problems aufmerksam machen“, so Verduzco.
Sie interessiert sich für die Erforschung der positiven Auswirkungen von Gemeinschaftsgärten auf die psychische Gesundheit. Sie plant, gemeinsam mit anderen Themenclubs und Städten im Los Angeles County sogenannte „Tranquility Gardens“ (Gärten der Ruhe) anzulegen und benachteiligten Gemeinwesen damit Frieden und Hoffnung zu schenken.
„Wir haben in kurzer Zeit viel erreicht“, so Verduzco. „Wir treffen uns zweimal im Monat virtuell. Ich möchte jedoch auch darüber hinaus Gelegenheiten für Gemeinschaft und gemeinnütziges Engagement schaffen. Psychische Gesundheit geht uns alle an und dieser Club ist eine fantastische Möglichkeit, Freund/innen einzubeziehen, damit wir in Verbindung bleiben und zugleich Gutes tun können.“
Dieser Artikel erschien ursprünglich in der April-Ausgabe 2023 des Rotary Magazin (engl.).