Ein Wasserprojekt im Libanon ist auch ein Friedensprojekt

Ein libanescher Schüler freut sich über sauberes Trinkwasser, dank eines gemeinsamen Wasserprojektes der Rotary Clubs des Landes.

Es war 2011, als sich Rotarier im Norden Libanons zusammentaten, um gemeinsam in ein paar nahe gelegenen Schulen Wassertanks und -filter zu installieren. Die Idee fand schnell Anklang und andere Clubs schlossen sich an. Zwei Jahre später war es dann soweit, dass Jamil Mouawad, Governor des Distriktes 2452, die Idee hatte, dass Projekt zu einem landesweiten Großprojekt zu machen - und damit nicht nur jede der über 1500 Schulen im Land zu erreichen, sondern auch um all 24 Clubs des Landes zusammen zu führen.

Obwohl also die Wassernot vieler Schulen im Vordergrund des Projektes steht, ist der politische Aspekt des Projektes fast ebenso wichtig. Schließlich durchlebte Libanon einen ebenso katastrophalen Bürgerkrieg, wie er derzeit im Nachbarland Syrien tobt, von 1975 bis 1990. In dem Krieg kamen damals 120.000 Menschen ums Leben. Heute hangeln sich Libanons Regierungen von einer unsteten Koalition zur nächsten. Zu sehr sind die Verhältnisse im Land noch von Misstrauen der Sekten, Parteien und Religionen gegenüber geprägt.

Das wirkt sich auch auf das rotarische Leben aus. Lina Shehayeb, Präsidentin des Rotary Club Aley, ist drusischen Glaubens. Sie sagt, dass die Zusammenarbeit mit Katholiken, Griechisch-Orthodoxen, Armenisch-Orthodoxen, Moslems und anderen Glaubensrichtungen ihr Verständnis für die anders Denkenden und Glaubenden vertieft hat. "Wir bauen hier Frieden und Verständigung auf", sagt sie. So etwas gab es noch nie in diesem Land."

Auch die Verteilung der Clubaufgaben geschieht unter diesem Vorzeichen. Die Ausstattung einer Schule kostet ungefähr 2.000 Euro. Jeder Club ist verantwortlich für eine bestimmte Anzahl von Schulen, wovon einige in ihrer Gegend, andere aber weit entfernt sind. "Zum Beispiel ist ein Club aus Jounieh, einem christlichen Badeort nördlich von Beirut, verantwortlich für Schulen in den südlichen Berggegenden an der Grenze zu Israel - einer ärmeren und vornehmlich von Schiiten bewohnten Region", erklärt Governor Mouawad. "Schließlich ist unser Argument humanitär zwingend: wer könnte dagegen sein, dass Schulkinder sauberes Trinkwasser haben?"

Die Initiative könnte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen. Durch das Blutvergießen im Nachbarland Syrien schwillt die Zahl der Flüchtlinge täglich an - viele, die über die Grenze kommen, sind gerade einmal im Schulalter. Durch die Hilfe für die Schulen leisten die Rotarier Friedensarbeit an der Basis - unpolitisch und unbürokratisch. Und sie legen damit Grundsteine für zukünftige Friedenszeiten.

Rotary News

31-Mar-2014
RSS