Polio: Fortschritte in Nigeria

Trotz aller Probleme und Rückschläge nähert sich auch Nigeria beständig dem Ziel der Befreiung vom Poliovirus. Wie auch in Afghanistan und Pakistan gelang es besonders im Norden des Landes bisher nicht, die Übertragung des frei vorkommenden Wildvirus zu stoppen. Doch die gute Nachricht sind die aktuellen Zahlen in diesem Jahr: bisher wurden nur drei (3) Infektionsfälle gemeldet, gegenüber 24 Fällen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 

Der nationale Polio-Ausschuss des Landes (Nigeria PolioPlus Committee NPPC) begann im Mai mit Gesundheitscamps, um die Bevölkerung effektiv erfassen zu können. Impfmaßnahmen geschehen dabei heute in konzertierten Aktionen, bei denen auch andere Gesundheitsproblematiken in Betracht gezogen werden. So sind einige Rotary Clubs aktiv, parallel zu den Impfaktionen Trinkwasserbrunnen bereitzustellen, um für sauberes Trinkwasser zu sorgen. Und neben Immunisierungen bieten die Gesundheitscamps auch andere Dienste an, wie Untersuchungen, Apotheken und Beratung. Bei allen Initiativen sind Rotarier führend involviert.

"Rotarier waren maßgeblich daran beteiligt, Menschen in entlegenen Gegenden aufzusuchen, per Auto, Motorrad, per Boot und zu Fuß", betont der Vorsitzende von Rotarys Nigeria PolioPlus Committee, Tunji Funsho.

Im Bundesstaat Katsina trafen NPPC-Vertreter vor kurzem mit lokalen Führungspersönlichkeiten zusammen. Hier hatte es bisher am meisten Widerstände gegen die Initiativen gegeben - hauptsächlich aus religiösen Gründen, aber auch aus Protest gegen die sonstige - meist nicht präsente - allgemeine Gesundheitsversorgung.

Die Überzeugungsarbeit fruchtete, und die Camps erweisen sich als "quick win"-Lösung für Risikoregionen wie Katsina. „Allein die Tatsache, dass kommunale Führungspersönlichkeiten ihre eigenen Kinder öffentlich, in Koranschulen oder anderswo impfen ließen, war Anlass genug, um die Menschen dazu zu bewegen, an den Schluckimpfungen teilzunehmen", freut sich Funsho.

In Gegenden, wo manchmal nicht flächendeckend gearbeitet werden kann, sind Rotary Koordinatoren wesentlich daran beteiligt, Lücken zu schließen. Sie helfen dabei, öffentliche und technische Unterstützung für Maßnahmen sicherzustellen, die letztlich dem Virus jede Verbreitungsmöglichkeit nehmen sollen. Eine dieser Maßnahmen ist sogenanntes 'fire walling', bei denen alle Kinder auf Reisen, etwa zwischen den Bundessaaten Borno und Yobe, eine Impfung erhalten. Eine andere Taktik, erklärt Funsho, sind sogenannte "hit and run" Einsätze, bei denen durch Sicherheitspersonal geschützte Impfhelfer gezielte Aktionen durchführen, die maximal zwei Tage dauern - um sich dann sofort wieder zurückzuziehen.

Auch in weniger feindseligen Gegenden übernimmt die NPPC die Öffentlichkeitsarbeit: mit großen Straßenschildern und Postern, T-Shirts und Caps sowie mit den berühmten Schürzen für Einsatzhelfer wird Aufmerksamkeit geschaffen. Und die Mitglieder gewinnen erfolgreich Prominente wie den Musiker Sani Musa Danja, die öffentlich für die Polioinitiative auftreten.

Bei dem vom nigerianischen Gesundheitsministerium einberufenen Polio-Gipfel im April äußerte man sich optimistisch, dass sie Virusübertragung bis Ende 2014 gestoppt werden kann. Das ist eines der Ziele des Polio Endgame Strategieplans der globalen Polioinitiative. Um das zu erreichen, hat Rotary der GPEI 7 Millionen Dollar speziell für Nigeria zur Verfügung gestellt.

Denn wenn es nicht gelingen sollte das Virus weiter zurückzudrängen, so stellt 2015 ganz andere Herausforderungen bereit: "Die größte Herausforderung werden die Wahlen 2015 sein", sagt Dr. Oyewale Tomori, Vorsitzender des nigerianischen Expertenrates (Expert Review Committee on Polio Eradication). "Seit 2003 war jedes Wahljahr davon betroffen, dass politische Zusagen nicht eingehalten wurden, das nicht ordentlich regiert wurde, und dass als Konsequenz daraus die Zahl von Polioinfektionen wieder rapide anstieg."

 

Rotary News

25-Jul-2014
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