Gemeinsam mit Mercy Ships: Medizinische Hilfe für Guinea

Als ein Rotary-Team aus medizinischen Fachleuten im März das Donka Hopsital in Conakry, Guinea, besucht, fällt den Teammitgliedern als erstes ein Dutzend riesiger, grüner Stoffhaufen auf, die vor dem Krankenhaus auf dem Boden liegen. Für die Besucher aus den USA sehen diese Haufen fast aus wie eine Kunst-Installation, bis sich herausstellt, dass es sich hier um Krankenhausbekleidung und OP-Kittel handelte, die nach der Wäsche zum Trocknen auf der Erde ausgebreitet wurden. Der Umgang mit der Kleidung von Ärzten und Krankenschwestern ist ein gute Beispiel für das Ziel, das sich die Gruppe aus den USA gesetzt hat: die Eindämmung von Infektionskrankheiten aufgrund unsteriler Praktiken.

Das Rotary Foundation Berufstrainingsteam ist das erste Team, das mit Rotarys Partner "Mercy Ships" zusammenarbeitet. Gesponsert wurde das Team von Distrikt 7690 in North Carolina mit einem der neuen Packaged Grant. Die fünf Mitglieder des Teams bieten Fachkollegen an den zwei nationalen Krankenhäusern in Guinea Trainings an.

Das Krankenhausschiff Africa Mercy liegt für eine zehnmonatige medizinische Mission in Conakry vor Anker. Die Besatzung des Schiffs und verschiedene Gast-Experten, wie das oben beschriebene Rotary-Team, widmen sich dabei verschiedenen Aufgaben, u.a. der Einrichtung medizinischer und zahnmedizinischer Kliniken, dem Anbieten von Gesundheits-Checks, der Durchführung von Operationen und der medizinischen Aufklärungsarbeit.

Die Arbeit des Rotary-Teams, das sich aus Ärzten und ehemaligen Mitarbeitern an Gesundheitsbehörden in North Carolina zusammensetzt, beginnt mit einer Tour durch das 100 Jahre alte Ignace Deen Hospital. Gewaschene Verbände hängen auf Zäunen zum Trocknen, der bereits äußerst betagte Untersuchungstisch ist nicht steril abgedeckt und die einzelnen Abteilungen haben so gut wie keine medizinische Ausrüstung. Ärzte und Schwestern bringen ihre Arbeitskleidung, Gummihandschuhe und Mundschutz selbst mit zur Arbeit. Putzmittel sind rar.

Auf den Stationen schlafen Familienmitglieder von Patienten unter den Betten, denn sie übernehmen den größten Teil der Pflege. Essen wird auf dem Boden verwahrt, wo Ungeziefer krabbelt und durch die Gänge schwirren Fliegen und Moskitos, da auf Grund der Hitze die Türen meist offen stehen. 

Im Donka Hospital findet das Team nicht-funktionierende Toiletten vor und Krankenhausmitarbeiter, die sich nach Behandlung eines Patienten nicht die Hände waschen, unverbundene Wunden, Fliegen, Kakerlaken und einen offenen Abwasserkanal direkt vor dem Krankenhaus.

Die Direktorin des Donka Hospital, Hadja Fatou Sikhé Camara, berichtet den Besuchern, dass sie gerne die Infektionsrate in ihrem Krankenhaus senken würde, dass jedoch die Ausrüstung und Mittel fehlen. Mit dem Wenigen, das zur Verfügung steht wird versucht, so gut wie möglich zu helfen. Benötigt werden vor allem Autoklaven, Antibiotika, Impfstoffe, Moskitonetze und Gummihandschuhe. Weiter wünscht sich die Direktorin Computer zur Blutanalsyse und einen Wasserturm, um die Versorgung mit fließend Wasser zu sichern. Von sechs OP-Räumen hat nur die neue Entbindungsstation einen UV-Strahler zur Desinfektion.

Nach Einarbeitung in das Gesundheitssystem und Erlernen des Umgangs mit den ständigen Stromausfällen kann das Rotary-Team einige Ergebnisse verzeichnen - besonders was das hygienische Verhalten betrifft. Die Mitarbeiter vor Ort an den Krankenhäusern nehmen die Tipps der Kollegen aus den USA gut an. Selbst kleine Veränderungen haben laut den Rotary-Teammitgliedern großen Einfluss: "Wenn man die Patienten und deren Familienmitglieder dazu bringen könnten, sich häufiger die Hände zu waschen und wenn die OP-Kleidung aufgehängt anstatt auf dem Boden getrocknet würde, könnte man große Verbesserungen erzielen", so Teamleiterin Jenny Braswell.

Der Mangel an Ausrüstung darf laut Braswell jedoch ebenfalls nicht ignoriert werden. Die Krankenhäuser brauchen sowohl kleine Dinge wie Seife als auch größere wie Desinfektionsgeräte. Als das Rotary-Team nach North Carolina zurückkehrt endet daher ihr Einsatz nicht. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, die richtige Ausrüstung für die Krankenhäuser in Guinea zu beschaffen. "Die Krankenhausmitarbeiter sind in der Lage ihren Job  zu machen", so Braswell. "Aber sie brauchen die nötige Ausrüstung dafür."

Der gesamte Artikel erschien in der November-Ausgabe von The Rotarian

28-Oct-2013
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