Botschaft des Präsidenten

John F. Germ

Präsident 2016/17

Dezember 2016

Ich trat Rotary mit der Klassifikation Ingenieur bei. Es gibt fast so viele Arten von Ingenieuren wie Klassifikationen von Rotary, doch ich bin nun zufällig ein mechanical engineer, also Maschinenbauingenieur. Als solcher berechnet man die Heizleistung für ein Gebäude, sorgt dafür, dass die Lampen am richtigen Ort sind und überwacht die Rohrverlegung, so dass die Heißwasserleitung nicht in einem Springbrunnen endet.

Wir stechen nicht gerade aus der Menge hervor und erregen nicht viel Aufmerksamkeit mit unserer Tätigkeit. Wahrscheinlich haben Sie nicht viel nachgedacht über diejenigen, die Ihre Gebäude, Ihre Autos und die Verkehrsregelung entwerfen. Doch jedes Mal, wenn Sie einen Fahrstuhl betreten oder den Zündschlüssel umdrehen oder die Straße bei Grün überqueren, vertrauen Sie Ihr Leben einem Ingenieur an, den Sie nie getroffen haben. Sie vertrauen darauf, dass der Fahrstuhl nach oben fährt, das Auto anspringt und dass die anderen Autos Rot haben, wenn Ihre Ampel auf Grün springt. Jeden Tag vertrauen Sie auf Menschen, denen Sie nie begegnen werden. Doch sie sind wichtig für Ihr Leben.

Ich könnte dies auf weitere Berufe ausweiten, die die gleichen Auswirkungen auf die Leben anderer haben. Aber Sie wissen schon, worauf ich mit dieser Parallele abziele. Unsere Berufe erlauben uns auf vielerlei Weise, anderen Menschen zu einem besseren Leben zu verhelfen - genau wie die Arbeit in Rotary. Auch wenn wir vielleicht nie erfahren, wem wir helfen oder geholfen haben.

Durch unsere Berufserfahrung und in unseren Clubs, in unseren Gemeinwesen und auf allen Kontinenten können wir Menschen zu Diensten sein, auch wenn wir diese manchmal nie kennenlernen. Und überall auf der Welt können Menschen jeden Tag dank Rotary ein besseres Leben führen – ob sie nun von uns wissen oder nicht.

Es kann gut sein, dass diejenigen, für die wir etwas tun, noch nie einen Rotarier kennengelernt haben und nicht wissen, was Rotary genau bedeutet. Doch sie haben sauberes Trinkwasser, weil Rotary hier einen Brunnen gebohrt hat. Sie lernen aus Büchern, die Rotary gestiftet hat. Sie sind gesünder und glücklicher, weil wir uns ihr Schicksal zu unserer Sache gemacht haben - denn Rotary hilft Menschen.


November 2016

Wenn wir auf die bedeutsame Rotary Convention von 1917 zurückschauen, erscheinen einem die Worte des damaligen Präsidenten Arch C. Klumph alles andere als strittig: Es erscheint überaus angebracht, dass wir Stiftungsgelder annehmen, um damit Gutes in der Welt zu tun. Und doch war der Beifall für die Idee zunächst durchaus nicht einstimmig. Einige fürchteten, dass eine Stiftung mehr Probleme als positive Ergebnisse schaffen würde. Schließlich erhielt Klumphs Vorhaben die Unterstützung, die es am meisten brauchte, nämlich eine Erstspendeneinlage des Rotary Clubs Kansas City über 26 Dollar und 50 Cents.

Fast einhundert Jahre später sehen wir die Idee von Arch Klumph nicht nur als visionär, sondern als fast revolutionär an, setzte sie doch einen Mechanismus in Gang, der es Rotary möglich machte, zu der großen globalen Kraft zu werden, die wir heute sind. Um in der Tat „Gutes in der Welt zu tun“.

Unsere Rotary Foundation ist auf vielfältige Weise zu der Stiftung von Rotary geworden, wie wir sie kennen. Der besagte Mechanismus für Kooperation und Partnerschaft zwischen Clubs, ebenso wie zwischen Rotary und anderen Organisationen, hat es uns möglich gemacht, immer ehrgeiziger in unseren Arbeitszielen zu werden – und letztlich Ziele von historischen Proportionen, wie die Ausrottung der Kindelähmung, anzugehen. Es ist unmöglich, all die Taten und Projekte zu quantifizieren, die über das letzte Jahrhundert hinweg dank der Rotary Foundation geleistet werden konnten. Eines aber können wir mit Bestimmtheit sagen: Arch Klumph wäre stolz.

Ich freue mich sehr darauf, viele von Ihnen beim internationalen Jahreskongress in Atlanta sehen zu können – in der Stadt, in der die Foundation ihre Anfänge nahm. Und ich hoffe darauf, dass eine Rekordzahl von Rotariern sich zu diesem Jubiläum einfindet. In der Zwischenzeit gibt es viele andere Wege, das Jubiläumsjahr unserer Foundation würdig zu begehen: Ideen für Veranstaltungen und Projekte zum Centennial finden Sie auf der Website centennial.rotary.org. Hier erfahren Sie auch mehr über die Geschichte unserer Stiftung.

Eines der wichtigsten Ziele für unser Jubiläumsjahr aber ist das weltweite Spendenziel von 300 Millionen US-Dollar. Mit Ihrem Beitrag an Ihre Foundation sichern Sie am besten auch im zweiten Jahrhundert unseres Bestehens die Fortführung unseres Auftrages: Rotary hilft Menschen.


Oktober 2016

1979 reiste der damalige RI-Präsident James Bomar Jr.als Teil der ersten Projektarbeiten, Kinder gegen das Polio-Virus zu impfen, auf die Philippinen. Nachdem er einem Kleinkind die Schluckimpfung gegeben hatte, fühlte er ein Zupfen am Hosenbein. Er sah ein Kind, den Bruder des Babys, der zu ihm aufschaute und sagte: „Danke, Rotary.”

Bevor sich Rotary den Kampf gegen die Kinderlähmung zur Aufgabe machte, gab es jedes Jahr noch 350.000 Polio-Fälle. Zumeist erkrankten Kinder. Das Kind auf den Philippinen wusste genau, was Kinderlähmung bedeutete - und was Rotary für seinen kleinen Bruder tat. Heute, 31 Jahre nach dem Start von PolioPlus, wachsen die Kinder auf den Philippinen - und in fast allen anderen Ländern der Erde -  ohne die Angst vor der Krankheit auf. Statt 1000 Fällen pro Tag ereignet sich heute im Durchschnitt eine Infektion pro Woche.

Doch im gleichen Maße, in dem die Angst vor Polio verschwindet, schwindet auch das Bewusstsein über die Krankheit. Daher ist es heute mehr denn je von elementarer Bedeutung, Aufklärungsarbeit zu leisten und dafür zu sorgen, dass der globale Kampf gegen die Kinderlähmung in der öffentlichen Diskussion präsent bleibt. Wir müssen dafür sorgen, dass Regierungen weiterhin die Unterstützung der weltweiten Polio-Kampagne auf der politischen Tagesordnung führen. Und wir müssen dafür sorgen, dass die Welt erfährt: die Kampagne gegen die Kinderlähmung ist noch nicht abgeschlossen - aber Rotary wird sie zu Ende führen.

Zum Weltpoliotag werden wir diese Botschaft verbreiten und dafür werben, die Finanzierung zu sichern, die die volle Ausrottung erfordert. Ich bitte Sie alle, daran teilzunehmen, indem Sie eine Veranstaltung in Ihrem Club, in Ihrem Gemeinwesen oder im Internet durchführen. Ideen und Materialien finden Sie bei endpolio.org/worldpolioday. Dort können Sie auch Ihre Veranstaltung anmelden, damit wir auf der Website zeigen können, was weltweit geschieht. Bei der Live-Veranstaltung am 24. Oktober im U.S. Center for Disease Control and Prevention in Atlanta (18 Uhr Ortszeit) können Sie einen Statusbericht über die aktuelle Lage mitverfolgen. Ich werde dabei sein, ebenso CDC-Direktor Tom Frieden sowie weitere Experten, Referenten und Partner. Wir werden einen Einblick in verschiedene Aspekte der Kampagne geben, wissenschaftliche ebenso wie humanitäre.

Es ist eine aufregende Zeit, Rotary anzugehören. Wir nehmen im Endspurt unseres PolioPlus-Programms Fahrt auf. Wir werden die einzigartige Chance einer poliofreien Welt wahr machen, denn Rotary hilft Menschen.


September 2016

Im Sommer 1917, nur ein paar Monate nach dem Kriegseintritt der USA in den Ersten Weltkrieg, hielt Rotary seinen achten Jahreskongress in Atlanta ab. Obwohl viele Rotarier der Meinung waren, dass die Convention aufgrund des Zeitpunkts abgesagt werden sollte, stimmte der Zentralvorstand schließlich doch mit Paul Harris überein, dass die Veranstaltung wie geplant stattfinden sollte. Angesichts der allgemeinen Verunsicherung und Angst schrieb Harris eine Begrüßung, die zu einer der am meisten in Rotary zitierten Passagen wurde:

Individuelle Anstrengungen unter guter Leitung können viel erreichen, doch das größte Gut erfordert die vereinten Anstrengungen vieler. Individuelle Anstrengungen können individuelle Bedürfnisse erfüllen, doch gemeinsame Anstrengungen sollten dem Dienst am Mitmenschen gewidmet sein. Die Kraft gemeinsamer Anstrengungen kennt keine Grenzen.

Ganz passend war es auch die Convention, auf der der amtierende Präsident Arch C. Klumph eine Rotary Stiftung vorschlug, die „Gutes in der Welt tun sollte“. Zu der Kraft gemeinsamer Anstrengung kam nun also eine neue Komponente: die gemeinsamer Ressourcen. Diese Kombination sollte sich als unaufhaltbar erweisen und unterstützte in der Folge einen wesentlichen Teil der Arbeit von Rotary über die letzten 100 Jahre hinweg. Es ist heute schwer, sich Rotary ohne seine Stiftung, die Rotary Foundation, vorzustellen. Es war diese gemeinsame Stiftung aller Rotarier, die Rotary von einer lockeren Organisation lokaler Clubs zu einer internationalen humanitären Kraft galvanisierte, die heute weltweit tatkräftig agieren und die Welt verändern kann.

In diesem Rotary Jahr begehen wir in Atlanta, der Stadt, in der das alles begann, das 100. Jubiläum unserer Rotary Foundation. Unsere 108. Rotary International Convention verspricht eine der aufregendsten in unserer Geschichte zu werden, mit inspirierenden Rednern und Referenten, einem weiten Spektrum von Diskussionsthemen, die für unseren Rotary Dienst relevant sind - und natürlich hervorragender Unterhaltung. Kurz, wir werden das Centennial gebührend feiern.

Ganz gleich, ob Sie regelmäßig Jahreskongresse besuchen, oder noch nie auf einem solchen Rotary Ereignis waren, diese Convention 2017 sollten Sie nicht verpassen! Da ist natürlich zum einen Atlanta als Veranstaltungsort, der mit netten Menschen und wunderbaren Attraktionen lockt. Doch der wirkliche Grund, warum der Besuch ein Muss sein sollte, ist die Versammlung selbst: es ist die Begegnung, sind die Menschen, Ideen und Inspirationen aus allen Teilen der Welt von Rotary, die hier zusammenkommen und eindrucksvoll den Kosmos rotarischer Freundschaft vorführen. Wenn Sie noch nicht überzeugt sind und weitere Informationen brauchen, etwa, wie Sie sich günstig anmelden können, dann finden Sie diese Infos bei www.riconvention.org.

Ich freue mich darauf, Sie in Atlanta zu sehen!


August 2016

Vor vierzig Jahren lud mich George Campbell, the Inhaber des Unternehmens in dem ich damals arbeitete, zur Mitgliedschaft in Rotary ein. Zur damaligen Zeit war dies übliche Praxis in den USA. Der Chef lud einen zu Rotary ein, da er der Meinung war, dass dies gut für das Geschäft und gut für das Gemeinwesen ist und man sagte natürlich zu. Kein Wunder, dass unsere Mitgliedschaft während dieser Zeit so stark wuchs.

George warnte mich zwar, Rotary nicht als Ausrede zu nutzen, um auf der Arbeit zu faulenzen, doch ich hatte nie ein Problem damit, an den Lunch-Meetings teilzunehmen und in Ausschüssen zu dienen. Ich musste mir nie Sorgen machen, dass ein längeres Mittagessen einmal pro Woche meiner Karriere schaden könnte oder dass die gelegentlichen Rotary-Telefonate auf der Arbeit ihn stören könnten.

Heute sind die Dinge etwas anders. Unternehmen sind nicht mehr so großzügig bei der Arbeitszeit, und nicht jeder Manager unterstützt den Dienst im Gemeinwesen. Es ist schwierig, ein Rotary-Meeting zu genießen, wenn man auf seinem Mobiltelefon sieht, wie sich die E-Mails türmen. Es ist so schwer wie nie zuvor, die Arbeit mit Rotary zu kombinieren – und das Modell, das uns vor ein paar Jahrzehnten noch ein solches Wachstum bescherte, hält heute das Wachstum zurück.

Aus diesem Grund nahm der Gesetzgebende Rat einige innovative Maßnahmen an, die es Clubs ermöglichen sollen, Meeting-Zeiten anzupassen und den Kreis möglicher Mitgliedschaftskandidaten auszuweiten. Clubs haben jetzt mehr Flexibilität dabei, auf die Bedürfnisse ihrer Mitglieder einzugehen und Barrieren für eine Mitgliedschaft aus dem Weg zu räumen. Es gibt jedoch eine Barriere, die nur Sie beseitigen können. Jedes potenzielle neue Mitglied benötigt eine Einladung, um Rotarier zu werden. Und diese Einladung zur Mitgliedschaft muss von Ihnen kommen.

Jedes Mal, wenn ich einer Gruppe von Rotariern sage, dass wir mehr helfende Hände, mehr offene Herzen und mehr kluge Köpfe brauchen, dann erhalte ich Applaus. Doch diese Hände, Herzen und Köpfe tauchen nicht wie durch ein Wunder in unseren Clubs auf. Wir müssen Sie ansprechen und fragen, ob sie Mitglied werden wollen. Und das können nur Sie. Eine solche Einladung ist wie ein Geschenk. Man sagt mit ihr: „Ich glaube, dass Du die Kenntnisse, Fähigkeiten und den Charakter dazu hast, unser Gemeinwesen zu verbessern und ich möchte, dass Du Dich mir dabei anschließt“.

Ich bin der Präsident von Rotary International, doch der einzige Club, in den ich jemanden einladen kann, ist der Rotary Club Chattanooga, Tennessee. Ich kann Ihren Club oder Ihr Gemeinwesen nicht stärker machen. Das können nur Sie selbst – indem Sie qualifizierte Leute einladen, unser Jahresmotto umzusetzen: Rotary hilft Menschen.


Juli 2016

Wir schauen heute voraus auf ein Rotary Jahr, das vielleicht einmal als das größte unserer Geschichte bekannt werden könnte: nämlich das Jahr, in dem wir den letzten Fall von Polio sehen! Das Wildvirus konnte 2015 nur noch 74 Infektionen verursachen --- alle Fälle in Afghanistan und Pakistan. Wir arbeiten mit Folgeimpfungen weiterhin unermüdlich auf unser Ziel einer gänzlichen Ausrottung hin, um dem Virus keine Chance zur Wiederausbreitung zu lassen. Und dennoch müssen auch bereits über dieses Ziel hinausschauen: wir müssen uns aufstellen, wie wir unsere Erfolge für noch größere Erfolge in der Zukunft einsetzen können.

Es ist ungeheuer wichtig für uns als Organisation, dass unsere Rolle bei der Ausrottung der Kinderlähmung anerkennt wird. Je mehr wir dafür bekannt sind, was wir geleistet haben, desto leichter wird es uns auch in der Zukunft fallen, Partner, Gelder und - am allerwichtigsten - Mitglieder zu mobilisieren. Wir setzen uns in Evanston sehr dafür ein, dass wir die uns gebührende Anerkennung erhalten. Und das nicht in prahlerischer Absicht oder weil wir Lorbeeren zum Ausruhen brauchen. Sondern weil Rotary es für sein Werk braucht.

Doch natürlich können wir von Evanston aus nur so viel erreichen. Rotary lebt in den Clubs - und wir brauchen Sie, um uns vor Ort zu repräsentieren. Zeigen Sie daher im Gemeinwesen, was Rotary ist und bewegt. Und bereiten Sie Ihren Club auf den Moment vor, wenn es soweit ist, dass wir endlich den Sieg über eine Geißel der Menschheit publik machen können.

Wenn wir in den kommenden Jahren noch besser Menschen helfen wollen, dann brauchen wir stets mehr helfende Hände, offene Herzen und kluge Köpfe, um unsere Arbeit voranzubringen. Wir brauchen flexible Clubs, die gleichwohl attraktiv für junge wie für ältere Generationen sind. Wir brauchen neue Partnerschaften und müssen uns für neue Kooperationen mit anderen Organisationen öffnen.

Der Blick nach vorn zeigt auch, dass wir Kontinuität in der Organisationsführung zur Priorität machen müssen. In Rotary spielen wir alle für dasselbe Team, engagieren uns für die gleichen Ziele. Wenn wir diese Ziele gemeinsam erreichen wollen, dann müssen wir in die gleiche Richtung gehen - gemeinsam.

In Rotary haben Sie jeden Tag die Chance, etwas zu bewegen. Jede Aktion ist wichtig und kann ein Leben verändern. Jede kleine gute Tat macht die Welt ein Stückchen besser - für uns alle. Wir alle haben diese neue Chance, denn Rotary hilft Menschen.