Botschaft des Präsidenten

K.R. "Ravi" Ravindran

Präsident 2015/16

Februar 2016

Im Leben sind manchmal die kürzesten Erfahrungen die prägnantesten. Sie sind fast so schnell vorbei, wie sie sich ereignen. Nur ein Augenblick, ein paar Momente, Stunden, vielleicht Tage. Es sind Erfahrungen, die unsere Erinnerungslandschaft beleuchten, und das auch nach vielen Jahren. Es sind Momente, in denen wir plötzlich etwas sehen, was uns bis dahin verborgen geblieben war. Etwas verstehen, das uns zuvor unerklärlich war. Wir stellen eine Verbindung her, die wir nicht erwartet hatten.

Für mich war dieses Rotary Jahr ein Jahr wie kein anderes. Ich bin von Kontinent zu Kontinent durch die Welt gereist und habe Orte besucht, die ich nie zuvor gesehen hatte. Aber ich bin auch an Orte zurückgekehrt, die ich zum ersten Mal durch die „rotarische Linse" gesehen habe.

Wenn Sie im Auftrag von Rotary auf Reisen sind, dann reisen Sie mit einer anderen Perspektive und einem anderen Auftragsbewusstsein. Es wird einem klar, dass man Teil von etwas ist, das größer ist als man selbst. Wenn Sie ein Flugzeug oder einen Zug betreten, wenn Sie morgens in der Dunkelheit von zuhause zum Flughafen aufbrechen, dann reisen Sie vielleicht in unbekannte Länder, doch Sie werden am Bestimmungsort kein Fremder sein. Rotarier werden dort warten und Sie begrüßen. Es wird Arbeit zu erledigen geben, neue Dinge wollen gelernt sein, und vielleicht gibt es auch etwas beizubringen. Es wird neue Verbindungen geben, die gefestigt werden wollen, neue Freundschaften, die aufzubauen sind - und neue Erinnerungen, die das Gedächtnis bereichern werden.

In diesem Jahr war ich der Reisende, der überall auf der Welt von Rotariern begrüßt wurde. Und vom 28. Mai bis zum 1. Juni lade ich Sie ein, diese Erfahrung mit mir zu teilen. Erlauben Sie mir, Sie in Seoul zur 107. International Convention willkommen zu heißen.

Koreaner haben ein Sprichwort: 사람이 나면 서울로 보내라 („Sa-ram-ee na-myon suh-ool-lo bo-neh-ra") - sinngemäß: „Jeder Mensch, der wachsen und lernen will, muss nach Seoul gehen."

Seoul ist eine Stadt der Möglichkeiten, ein wunderbares Reiseziel mit reichen Traditionen, modernem Komfort und einer unvergleichlichen Kultur. Doch ich möchte Sie nicht deswegen nach Seoul einladen, sondern damit Sie diese einzigartige Erfahrung machen können, Ihre Freunde aus aller Welt zu sehen.

Und für einen Moment werden Sie dann Rotary erleben, wie ich es erleben durfte: in all seiner Vielfalt und Wärme, mit all seinem Potential. Sie werden von Menschen, die Sie noch nie gesehen haben, als alte Freunde begrüßt. Sie werden Gedanken austauschen, ohne die Sprache des Anderen sprechen zu müssen. Und Sie werden sich wundern, wenn Sie sehen, was Rotary alles leistet und geleistet hat. Eine Erfahrung, die Sie selbst anspornen und inspirieren wird.

Lassen Sie mich also, bevor dieses Rotary Jahr zu Ende geht, diese Bitte an Sie richten: buchen Sie Ihren Flug, verlassen Sie Ihr Zuhause, steigen Sie ein - und reisen Sie ins Unbekannte, mit offenem Herzen und offenem Geist. Sie können sicher sein, dass Sie von Rotary empfangen werden, wenn die Welt zu Gast in Korea ist.


Januar 2016

Es gibt in meiner Hindu-Tradition eine Geschichte über die zwei Weisen, Shaunaka und Abhipratari. Sie verehrten Prana, den Windgott. Eines Tages, als die beiden gerade beim Mittagessen saßen, klopfte ein armer Student an die Tür uns bat um etwas zu essen.

„Stör uns jetzt nicht zu dieser Stunde, Junge", war die barsche Antwort. Der Student war überrascht, aber auch sehr hungrig. Daher blieb er beharrlich.

„Sagen Sie mir, verehrte Herren, welche Gottheit Sie verehren?"

„Prana, den Windgott", antworteten sie ungeduldig.

„Wissen Sie, dass die Welt mit dem Wind beginnt und endet, und dass der Wind das gesamte Universum durchdringt?"

„Natürlich wissen wir das", erwiderten die beiden Weisen, nun schon sehr verärgert durch ihren aufdringlichen Besucher.

„Nun, also", fuhr der Student fort, „wenn Prana das Universum durchdringt, dann so auch mich, denn ich bin Teil des Universums. Er ist also auch in diesem hungrigen Körper, der vor Ihnen steht und um etwas zu essen bittet. Indem Sie also mir die Speise verweigern, verweigern Sie sie derselben Gottheit, die Sie zu verehren vorgeben."

Die Weisen erkannten, dass der Student die Wahrheit sagte und luden ihn ein, an ihrer Mahlzeit teilzuhaben. Denn in diesem Moment verstanden sie: indem sie ihre Türe jemandem öffneten, der ihre Hilfe brauchte, halfen sie nicht nur dieser einzelnen Person – sie dienten einem viel größeren Ziel.

Unsere Rotary Erfahrung beschränkt sich in den meisten Fällen auf unsere eigenen Gemeinwesen. Wir treffen und jede Woche im Club, am gleichen Ort, wir freuen uns über die gleichen Gesichter. Und während die meisten von uns in irgendeiner Form auch im internationalen Dienst engagiert sind, so fühlt sich Rotary für uns doch als eine sehr lokale Angelegenheit an. Da mag es leicht sein, die Gesamtheit unserer Dienste aus den Augen zu verlieren - das, was unser Dienst wirklich bedeutet.

Jede noch so kleine Wirkung, die Sie als Rotarier/in erzielen, als Einzelperson oder im Clubverbund, multipliziert sich durch unsere Anzahl. Wenn Sie hungrigen Menschen zu essen geben, wenn Sie jemandem Lesen und Schreiben beibringen, wenn Sie ein Kind vor Krankheit bewahren, dann scheint die Wirkung nur gering zu sein. Das Gegenteil ist der Fall. Denn die kollektive Wirkung, die wir uns erwünschen, geschieht durch unsere Anzahl. Doch letztlich basiert unsere Wirkung nur auf der individuellen Aktion jedes Einzelnen, nur durch unsere ganz persönliche Gabe können wir der Welt ein Geschenk sein.


Dezember 2015

Als die kanadische Armee 1945 die Niederlande befreite, fanden die Befreier ein Land kurz vor dem Verhungern vor. Bewegt von dem Leid und besonders den Gesichtern der Kinder entschlossen sich vier in der Nähe von Apeldoorn stationierte kanadische Soldaten, den holländischen Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu bereiten, so gut sie eben konnten.

Sie sammelten unter ihren Kameraden für Geschenke, Schokolade, Kaugummi, Comic-Hefte. In der Freizeit bauten sie aus Holz und Draht Spielzeugautos und Bauklötze. Einer riskierte Ärger mit der Militärpolizei und verkaufte seine Zigarettenration auf dem Schwarzmarkt, um damit Puppen zu kaufen. Sie alle dachten dabei an ihre Lieben zuhause, während sie ihre Energie darauf verwandten, in der Fremde Freude zu bereiten.

Am 1 Dezember waren vier große Säcke fertig, und die Kanadier warteten ungeduldig auf den 25. Dezember, den Weihnachtstag. Zwei Tage später erfuhren sie, dass sie zurück nach Kanada verlegt würden. Mit sehr gemischten Gefühlen entschieden die Soldaten, dass es wohl das Beste wäre, die Säcke einem örtlichen Waisenhaus zu übergeben, damit die Geschenke dort zu Weihnachten ausgehändigt werden könnten..

Am Abend vor ihrer Abreise gingen die vier also los mit ihren Säcken, einer sogar behelfsmäßig als Weihnachtsmann gekleidet. Auf dem Weg waren sie überrascht, alle Häuser erleuchtet zu sehen, die Kirchenglocken läuteten, und Weihnachten war doch noch ein paar Wochen entfernt. Als sie sich durch den Schnee dem Waisenhaus näherten, sahen sie durch die Fenster, dass die Kinder, zwei Dutzend Jungen und Mädchen, beim Abendessen saßen. Einem sehr kärglichen Mahl. Direkt nach dem Krieg waren die Rationen noch dünn, die Kinder blass und schmal.

"Santa Claus" klopfte an der Tür und das Kindergeplapper verstummte. Ein Priester öffnete die Tür. Sein freundlicher Gesichtsausdruck erstarrte wie im Schock, doch die Kinder sprangen fröhlich auf und umschwärmten den Soldaten mit weißem Bart und roter Mütze. Sie waren genau zur rechten Zeit gekommen, denn in den Niederlanden kommt der Sinterklaas am 5. Dezember.

Eine Stunde lang regierte ein fröhliches Chaos, während Paket geöffnet, Geschenke bejubelt und Süßigkeiten probiert wurden. Die letzten Spielzeuge erhielt ein kleiner Junge, der die ganze Zeit geduldig gewartet hatte. Nachdem er sich für seine Gaben bedankt hatte, drehte er sich zu dem Priester um und sagte mit glücklichem Gesicht etwas auf Holländisch. Der Priester lächelte und nickte. "Was hat er gesagt?" fragte einer der Soldaten. Und der Priester antwortete ihm mit Tränen in den Augen: " Er sagte: wir haben doch gesagt, dass er kommt."

Wenn wir Freude spenden, geht sie uns nicht ab - im Gegenteil: wir multiplizieren sie. Lassen Sie uns in dieser Weihnachtszeit die Geschenke multiplizieren, die uns selbst gegeben wurden - indem wir sie mit anderen teilen. Durch unsere Güte und Großzügigkeit, ob in unseren Clubs oder durch unsere Foundation, machen wir der Welt ein Geschenk.


November 2015

An einem sonnigen Morgen Ende Juni 1991 fuhr ein Lieferwagen durch den Morgenverkehr von Colombo. Schließlich kam er im Norden der Stadt vor dem Verteidigungsministerium an. Als Sicherheitskräfte den Wagen zu eine Inspektion stoppen wollten, detonierten die beiden Insassen eine Sprengladung: Tausende Kilogramm Plastiksprengstoff.

Das Dach des Gebäudes wurde komplett weggefegt. Trümmer flogen mehrere Straßenzüge weit. 21 Menschen wurden getötet, 175 schwer verletzt, darunter viele Schülerinnen der Mädchenschule nebenan. In meinem über einen Kilometer entfernten Haus gab es keine einzige Fensterscheibe mehr. Meine Frau lief sofort dem Ort der Explosion zu - zur Schule unserer Tochter.

Unsere Tochter war zu der Zeit neun Jahre alt. An dem Morgen hatte sie ihre Bleistifte vergessen, und zu dem Zeitpunkt der Detonation kam sie gerade stolz mit einer Handvoll neuer Buntstifte aus dem Laden. Plötzlich war sie durch den Knall fast taub, die Luft war dick mit Staub und Sand, um sie herum schreiende, blutende, rennende Menschen. Jemand zog sie in den Garten der schwer beschädigten Schule, wo sie blieb, bis meine Frau sie abholen konnte. Nach Hause, wo in jedem Raum der Boden voll mit Glasscherben war.

Sri Lanka heute ist friedlich und geschäftig, die Wirtschaft floriert. Zwei Millionen Touristen besuchen das Land jedes Jahr. Unser Krieg ist jetzt eine ferne Erinnerung, und wir schauen als Nation in eine vielversprechende Zukunft. Doch so viele andere Nationen können das nicht. Heute ist die Mehrzahl aller Länder der Erde in kriegerische Konflikte verwickelt! Und es ist ein trauriger Rekord, dass 59,5 Millionen Menschen als Flüchtlinge vor Krieg und Gewalt auf der Flucht sind.

Rotarier sind, all diesem zum Trotz, von der Möglichkeit des Friedens überzeugt - nicht aus Idealismus, sondern aus Erfahrung. Wir haben gesehen, dass selbst die kompliziertesten und unlösbar erscheinende Konflikte beigelegt werden können, wenn Menschen überzeugt werden können, dass sie durch Kämpfen mehr verlieren als wenn sie zur Zusammenarbeit finden. Und wir haben gesehen, was wir positiv bewirken können, wenn wir neue, auch manchmal radikale Wege der Konfliktlösung beschreiten. Rotary Peace Fellows erforschen, wie man solche neuen Wege beschreiten kann. Dank unserer Rotary Foundation werden die Friedensstipendiaten zu Experten für die Umsetzung neuer Friedensmodelle ausgebildet, die nicht nur bestehende Konflikte lösen, sondern auch zukünftige Konflikte verhindern sollen - bevor sie sich zu Kriegen ausweiten.

Unter den Hunderten von Peace Fellows, die bereits ihren Abschluss gemacht haben, sind auch zwei aus Sri Lanka. Sie entstammen den verschiedenen ehemaligen Konfliktparteien, und sie haben zusammen studiert. Zu Beginn ihres Studiums stritten sie leidenschaftlich jeweils für ihre Seite. Doch mit jeder Woche des gemeinsamen Studiums lernten sie, die Perspektive der anderen Seite zu verstehen. Heute sind sie Freunde.


Oktober 2015

Nachdem im letzten Monat bestätigt wurde, dass in Nigeria ein ganzes Jahr lang kein einziger Ansteckungsfall mit dem wilden Polio-Virus vorkam, wurde das Land nun von der Liste polioendemischer Länder gestrichen. Nigeria war das letzte polioendemische Land in Afrika. Heute verbleiben weltweit nur noch zwei Länder, in denen das Virus endemisch vorkommt: Afghanistan und Pakistan. Während die aktuelle Ausgabe von The Rotarian in Druck geht, zählen wir weltweit für 2015 nur noch ein paar Dutzend Krankheitsfälle.

Das Ausmaß dieses Erfolgs kann nicht genug betont werden. Die Kinderlähmung (Polio) ist eine Krankheit, die bereits seit Jahrtausenden existiert und die Menschheit seit Beginn der Zivilisation geißelt. Heute ist dank des Einsatzes von Rotary und seiner Partner ein Ende in Sicht. Es handelt sich nicht mehr um Jahre, sondern nur noch um Monate.

Doch auch wenn unser Erfolg ganz erheblich ist, ist er dennoch fragil. Wir bewegen uns langsam, sicher und unaufhaltsam in die richtige Richtung – dank ungeheuerlicher, nicht nachlassender Anstrengungen. Wir impfen weiter Hunderte von Millionen von Kindern in umfassenden, aufeinander abgestimmten Impfkampagnen und wir verfolgen kontinuierliche Überwachungsmaßnahmen, um erneute Ausbrüche zu verhindern. Das schiere Ausmaß dieser Einsätze – die Koordination, die Kosten und das Engagement – ist überwältigend.

Manch einer mag sich fragen, ob diese Impfungen und Überwachungen im großen Stiel noch nötig sind, um eine Krankheit zu bekämpfen, die es beinahe nicht mehr gibt. Die Antwort darauf ist einfach: Es ist der einzige Weg nach vorne. Wenn wir weniger tun würden – wenn wir dem Virus auch nur den geringsten Raum überlassen würden – wären Jahre unserer Arbeit vertan. Wir wissen nur zu genau, wie leicht die Kinderlähmung sich wieder ausbreiten kann. Wir wissen, wie schnell Jahrzehnte des Fortschritts wieder zunichte gemacht werden können. Und aus diesem Grund sind die kommenden Monate von so enormer Bedeutung. Wir brauchen Ihre Stimme – um zu informieren, Spenden zu sammeln und die Dynamik jetzt aufrecht zu erhalten. Wir brauchen Ihre Stärke, um bis zu einem endgültigen Sieg über die Krankheit weiter machen zu können.

Am 24. Oktober feiern wir den Welt-Polio-Tag. Ich hoffe, dass Sie sich alle an diesem Tag unserem Einsatz gegen die Kinderlähmung anschließen werden. Ich weiß, dass viele von Ihnen planen, für das Event auf Club- oder Distriktebene zu werben. Allen, die noch keine Pläne gemacht haben, sei gesagt, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, um mitzumachen. Ideen, Hilfsmittel, Muster für Pressemeldungen und Spendenmöglichkeiten finden sie auf endpolionow.org. Hier finden Sie auch den Link zu unserem Livestream Event. Wir würden uns freuen, wenn Sie daran teilnehmen und über soziale Medien dafür werben würden.

Wir werden unseren Kampf – der als Kampf gegen die Kinderlähmung begann und sich zu einem Kampf gegen Hass, Ignoranz und Angst ausweitete – am Ende gewinnen. Und wir werden schon bald gewinnen. Nachdem wir unseren Kampf gewonnen haben, werden wir alle bei Rotary eine wichtige Geschichte erzählen können – unseren Kindern und Enkeln, die nie wieder eine Beinschiene oder eine Eiserne Lunge sehen werden und sich nicht mehr vorstellen können, wie eine Welt mit der Kinderlähmung aussieht.

Egal, ob Sie als Rotarier in Kano oder Peschawar oder Swat leben, oder in Seoul oder Madrid oder Chicago – Sie sind Teil dieser Geschichte. Ihr Teil an der Geschichte kann nur von Ihnen geschrieben werden. Ich bitte Sie alle, Ihren Teil zu tun – damit Sie auf die Geschichte, die Sie eines Tages erzählen werden, stolz sein können.


September 2015

Es war einmal ein starker junger Mann, dem angeboten wurde, als Holzfäller zu arbeiten. Er ging seine neue Aufgabe voller Elan an: In der ersten Woche hackte er 18 Bäume zu Feuerholz. In der zweiten Woche arbeitete er genauso schwer, doch musste er mit Erstaunen feststellen, dass er nur 11 Bäume gefällt hatte. In der dritten Woche waren es nur noch sechs Bäume, obwohl er ununterbrochen von morgens bis nachts schuftete und so ging er verzweifelt zu seinem Vorarbeiter, um zu kündigen. „Meine Kräfte lassen nach. Ich kann nicht mehr so viele Bäume fällen wie früher".

Der Vorarbeiter blickte den jungen Mann an, der komplett gesund zu sein schien. „Hast Du schonmal daran gedacht, Deine Axt zu schleifen?" fragte er.

„Meine Axt zu schleifen? Wer hat schon Zeit dazu, seine Axt zu schleifen?" fragte der junge Mann entrüstet zurück. „Ich hatte zu viel damit zu tun, Holz zu fällen".

Wenn wir nicht die Fortschritte machen, die wir erwarten, dann reagieren wir oft damit, dass wir unsere Anstrengungen verdoppeln. Manchmal ist es jedoch besser, nicht härter, sondern klüger zu arbeiten. Sehen Sie sich die Hilfsmittel an, die Ihnen zur Verfügung stehen. Analysieren Sie Ihre Verfahren. Verteilen Sie Ihre Ressourcen richtig? Oder verwenden Sie Ihre ganze Kraft darauf, Bäume mit einer stumpfen Axt zu fällen?

Seit 20 Jahren rühren wir unablässig die Werbetrommel für eine Mitgliedschaft in Rotary. Wir setzen uns Ziele und starten Kampagnen, die sich vor allem darauf konzentrieren, mehr und mehr Mitglieder zu gewinnen. Und dennoch bleibt unsere Gesamtmitgliederzahl die gleiche.

Es ist an der Zeit, dass wir unser Handwerkszeug schleifen. Statt uns nur die Frage zu stellen „Wie können wir mehr Mitglieder für Rotary gewinnen?" sollten wir uns fragen: „Wie können wir den Wert einer Mitgliedschaft erhöhen, damit mehr Mitglieder dazukommen und weniger austreten?"

Unter anderem machen wir das durch unser neues Rotary Global Rewards Programm, das im Juli eingeführt wurde. Durch dieses innovative Programm erhalten Rotarier Preisnachlässe und Konzessionen von Unternehmen und Dienstleistern in aller Welt. Einzelne Rotarier können auch mit ihrem eigenen Unternehmen mitmachen und sich jenen anschließen, mit denen Rotary bereits Vereinbarungen getroffen hat. Die geeignetsten Angebote werden in die Liste mit aufgenommen. Wir haben Unternehmen zudem die Möglichkeit eingeräumt, einen gewissen Prozentsatz jeder Verkaufstransaktion an unsere Rotary Foundation zu spenden. Eine Option, die von einigen Unternehmen bereits wahrgenommen wird. Die Liste wird jeden Monat aktualisiert und neue Angebote werden hinzugefügt. Ich lege Ihnen allen ans Herz, sich bei Mein Rotary auf Rotary.org einzuloggen und das Programm auszuprobieren. Je mehr Rotarier mitmachen, desto stärker und nützlicher wird das Programm.

Rotary Global Rewards ist wesentlich mehr als ein Treueprogramm, es ist ein weiterer Vorteil für eine Mitgliedschaft in Rotary und die Zugehörigkeit zum rotarischen Netzwerk. Es ist eine neue Möglichkeit, Geschäftliches und den rotarischen Dienst zu verbinden. Und es ist eine neue Möglichkeit, der Mitgliedschaft in Rotary einen zusätzlichen Wert zu verleihen.Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere potenziellen Mitglieder sich fragen „Was bringt mir eine Mitgliedschaft?" Wir müssen den Wert von Rotary unterstreichen, indem wir ihnen zeigen, dass es ihr Leben genauso bereichern wird, wie es unseres bereichert hat.


August 2015

In den 30-er Jahren hing an der Wand des dänischen Zimmermanns Ole Kirk Christiansen, eine Holztafel mit der Inschrift: Det bedste er ikke for godt: Nur das Beste ist gut genug. Heute erinnern wir uns an Christiansen als den Erfinder von Lego, den bunten Plastikbausteinen, die von Kindern in aller Welt geliebt werden. In den frühen Tagen von Lego war das Hauptprodukt eine Holzente – nach höchsten Standards gefertigt, aus alter Buche, mit drei Lackierungen. In der Firmengeschichte wird berichtet, wie Christiansen seinem Sohn Godtfred Kirk anhand der Enten eine Qualitätslektion erteilen wollte:

Eines Abends kam ich ins Büro und sagte zu meinem Vater: Das war ein guter Tag, wir haben wieder etwas dazu verdient." „Ach", sagte mein Vater. "Was meinst du denn?" „Nun2, antwortete ich, „ich was grad bei der Station mit zwei Kartons unserer Spielzeugenten für die dänische Kooperative. Normalerweise lackieren wir ja dreimal, aber da die Enten für die Ko-Op sind, habe ich nur zweimal lackiert. Also habe ich uns etwas Geld gespart." Er sah mich ganz bestürzt an: "Godtfred, geh sofort und hol diese Kartons zurück. Pack sie aus, und lackiere sie noch einmal! Und du gehst nicht eher ins Bett, als bis du das fertig hast - nur du allein." Da gab es kein Diskutieren. Und ich lernte eine wichtige Lektion darüber, was Qualität bedeutet.

Heutzutage sind die Qualitätsstandards von Lego legendär, die Produkte die populärsten Spielzeuge der Welt - und es gibt 86-mal mehr Legosteine als Menschen auf der Welt!

Wir sehen, dass dieser Erfolg sich direkt auf die Geschäftsphilosophie und -praxis von Lego stützt: Die Verpflichtung zu Qualität, Effizienz und Innovation. Und ich vergleiche das mit unseren Anstrengungen für Rotary, Verantwortlichkeit und Rechenschaft in unserer rotarischen Führung zu erreichen - und dabei wird mir klar, dass wir manchmal hinter unseren eigenen Erwartungen zurückfallen.

Die Führungsämter auf allen Ebenen, sei es auf der RI-Ebene, der Zone, im Distrikt oder im Club, müssen mit den höchsten Standards an Verantwortungsbewusstsein ausgeführt werden. Präsident und Directors müssen ihrer Mitgliedschaft auf sinnvolle Weise dienen, die Amtsträger auf Zonenebene müssen in ihrer Amtsführung den in sie investierten Rotary Mitteln gerecht werden, und Distriktleitungen müssen dynamische Anführer sein und für Transparenz in allen Buchhaltungsangelegenheiten sorgen. Clubleitungen schließlich müssen ihre Berichtspflichten sorgfältig erfüllen und für eine Annahme von Rotary Club Central sorgen.

Genau wie es für Christiansen nicht in Frage kam, ein nicht absolut perfektes Produkt an seine Kunden zu liefern, ebenso sollten auch wir es nicht zulassen, dass wir weniger als unser Bestes zu tun. Wir müssen immer das Beste von uns fordern, in unserem professionellen Leben, aber ebenso in unserem Tun für Rotary.

Dann was ist denn unser „Produkt" in Rotary? Sicher keine Holzenten oder Legosteine, sondern Ausbildungsprogramme, Wassersysteme, Friedensinitiativen. Wir stellen Hoffnung und bessere Lebensbedingungen her. Und dafür ist nur unser Bestes gerade genug. Das bitte ich Sie, zu bedenken; wenn Sie der Welt ein Geschenk sind.