Jack Sim spricht über Toiletten

Jack Sim, founder of the World Toilet Organization, has used humor to draw attention to sanitation issues. The United Nations voted to make World Toilet Day, 19 November, an official UN observance.
Fotorechte Alyce Henson/Rotary International

Im Alter von 40 Jahren war Jack Sim ein erfolgreicher Geschäftsmann, der 16 Unternehmen leitete. Er hatte genügend Geld zurückgelegt, um sich zur Ruhe zu setzen und so sah er sich nach einer neuen Aufgabe um. Einer Aufgabe, die von anderen bisher vernachlässigt wurde.

Er stellte fest, dass man in der Öffentlichkeit nicht gerne über das Thema "Toilette" sprach und so setzte er sich das Ziel, das gemeine "stille Örtchen" in einen Medien-Liebling zu verwandeln. 2001 gründete er die World Toilet Organization und veranstaltete von da an jedes Jahr einen Gedenktag für Hygiene. In diesem Jahr stimmten dank seinem Einsatz die Vereinten Nationen schließlich zu, den 19. November zum offiziellen Welt-Toiletten-Tag zu deklarieren.

Für Unterstützung beim Tabubruch mit dem Thema Toilette bedankt sich Jack Sim auch bei Rotary. Im Oktober nahm seine Organisation Ron Denham, den ehemaligen Vorsitzenden der Water and Sanitation Rotarian Action Group, in ihre Ruhmeshalle auf. Mit der Ehrung soll der Einsatz von Rotary und der Action Group geehrt werden, durch den Hygieneverhältnisse verbessert und Verhaltensweisen geändert wurden.  

“Es ist schön zu sehen, dass Rotary für seinen positiven Einfluss auf Menschen in Entwicklungsländern ausgezeichnet wird", so Denham. "Die Ehrung ist jedoch auch ein Weckruf. Im Hinblick auf die Milleniumsentwicklungsziele [der Vereinten Nationen] zur Verbesserung von Hygieneverhältnissen wurden bisher keine Fortschritte erzielt. Wir als Rotarier müssen unseren Schwerpunkt von Wasser auf Wasser und Hygiene verlagern.”

Wir haben uns mit Herrn Sim, auch bekannt als Mr. Toilet, auf dem World Water Summit der Water and Sanitation Rotarian Action Group in Lissabon im Juni zum Interview getroffen.

The Rotarian: Sie setzen Humor ein, um das Tabu um das Thema Toiletten zu brechen. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Jack Sim: Wenn man Leute zum Lachen bringt, dann hören sie einem zu. Ich habe das bei einer anderen Person beobachtet, die darin sehr gut war: Mr. Condom aus Thailand. Er warb für Kondome, indem er die Menschen zum Lachen brachte, also habe ich das gleiche einfach für Toiletten gemacht.

Jeder hat eine persönliche Toiletten-Horrorgeschichte, ob auf Reisen oder mit Kindern erlebt. Man muss der Konversation einfach seinen freien Lauf lassen und so spricht schließlich jeder über Toiletten. Sobald die Leute das Gefühl haben, dass es ein berechtigtes Thema ist, hören sie sogar gar nicht mehr auf zu reden.

Was können Rotarier tun, um andere dazu anzuregen, über das Thema Hygiene zu sprechen?

Sim: Das allererste Rotary-Projekt vor mehr als 100 Jahren war eine öffentliche Toilette. Jeder Rotarier sollte diese Geschichte kennen. Wenn Rotarier Wasser- und Hygiene-Projekte umsetzen, dann haben mindestens 85% davon ihren Schwerpunkt auf Wasser. Man kann jedoch kein sauberes Wasser haben, wenn die Menschen weiterhin ihre Bedürfnis im Fluss verrichten. Man kann das Leben der Armen nicht verbessern, wenn sie aufgrund mangelnder Hygiene weiter krank werden. Frauen sind nicht sicher wenn sie im Gebüsch auf die Toilette gehen müssen und dort belästigt oder vergewaltigt werden. Man kann Mädchen keine Bildung ermöglichen, wenn sie einmal pro Monat aus Scham für eine Woche nicht in die Schule gehen, weil sie in der Schule keinen Ort haben, um während ihrer Periode ihre Binde zu wechseln. Irgendwann können sie das Versäumte dann nicht mehr nachholen und geben die Schule ganz auf.

Sie und andere sind der Meinung, dass Hygiene durch Verhaltensänderungen erreicht werden muss, indem man Menschen dazu bringt, Toiletten benutzen zu wollen. Was sollten wir bei Rotary anders machen, um Hygiene besser zu bewerben?

Sim: Man muss Toiletten "sexy" machen. Toiletten müssen ein Statussymbol sein, so wie ein Handy. Selbst Kinder in den Slums haben ein Handy - aber keine Toilette. Ob eine Person eine Toilette will sieht man am ehesten daran, wenn sie eine kauft.

Eine Marktlösung ist daher das nachhaltigste Modell. Anstatt eine Toilette aufzustellen und zu hoffen, dass die Menschen sie benutzen, sollte man Geld in ein Training stecken, in dem Menschen lernen Toiletten herzustellen und Frauen vor Ort erfahren, wie sie Toiletten auf Provisionsbasis verkaufen. Dadurch richten Sie Arbeitsplätze ein, fördern Unternehmertum und bieten richtige Hygienelösungen an. Selbst nachdem Ihre Investition aufgebraucht wurde, wächst das Geschäft noch weiter.

 

Aus The Rotarian, November 2013

6-Nov-2013
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