Howard Buffett kämpft gegen den Hunger

Howard Buffet steht unter Termindruck. 2006 forderte ihn sein Vater, der US Investor und Philanthrop Warren Buffet, dazu heraus, etwas Großes in der Welt zu erreichen und gab ihm 1 Milliarde US-Dollar. Howard Buffet räumte sich selbst 40 Jahre ein, um jeden Pfennig in die weltweite Beendigung von Hunger zu investieren. Nach einem weiteren Aktiengeschenk 2012 und guten Renditen stehen ihm dafür heute circa 3 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Als Landwirt in Illinois verbringt Buffett das Jahr sowohl auf dem Traktor als auch als Vorsitzender der Howard G. Buffett Foundation. Seine Arbeit nimmt Howard Buffett sehr erns,t und so bereiste er bereits über 100 Länder im Dienste der Sache. Seine Mittel flossen bisher in die Erforschung dürreresistenter Nutzpflanzen, die Kartierung unsicherer Ernährungsgebiete in Amerika und die Hilfe für circa 50.000 Landwirte in Mittelamerika.

The Rotarian: Was verbindet Ihre Erfahrungen als Landwirt mit Ihrer Stiftung? Ich habe gehört, dass auf Ihren Farmen Forschung betrieben wird.

Howard Buffett: Wir arbeiten mit einer Reihe verschiedener Universitäten zusammen, um uns fortzubilden. So versuchen wir zum Beispiel herauszufinden, wie man Reis und Mais mit wesentlich weniger Einsatz von Wasser anbauen kann. Zudem uuntersuchen wir verschiedene Landwirtschaftssysteme im Bezug auf Kohlenstofffreisetzung, Ausbeute, Bodenerosion. Wir haben Äcker in Südafrika, Illinois und Arizona und untersuchen derzeit in einer Studie, welchen Einfluss Aspekte wie politische Einschränkung und Fruchtbarkeit der Erde auf die landwirtschaftliche Produktivität in Afrika haben. Die Studie soll 2014 erscheinen, und sie wird einigen der bisherigen so populären Meinungen widersprechen, dass Afrika die Welt ernähren könne. Wir sehen uns 10 Länder ganz genau an und sprechen darüber, was geschehen muss, damit diese Länder sich zunächst einmal selbst ernähren können. Unser Plan ist es, den Status Quo herauszufordern.

Was war Ihr bisher größter Erfolg?

Wir haben große Erfolge mit dem sogenannten P4P oder Purchase for Progress, das wir zusammen mit dem Welternährungsprogramm (WFP) umsetzen. Damit holen wir beinahe 50.000 Landwirte in vier Ländern Mittelamerikas dauerhaft aus der Armut. Wir bieten diesen Landwirten Trainings in Unternehmensführung und Anbau, und das WFP garantiert im Anschluss, dass es diesen Farmern Produkte für Schulspeisungen und Nothilfeeinsätze abkaufen wird. WFP kauft so Tausende Tonnen an Lebensmitteln ab. Da wir garantieren, dass wir diesen Landwirten ihre Produkte abkaufen, müssen wir uns auch keine Sorgen darum machen, dass sie nach unseren Schulungen nichts verkaufen. Wenn wir das Projekt beenden, werden die meisten dieser Landwirte fest im Markt Fuß gefaßt haben. Circa die Hälfte von ihnen verkauft sogar bereits an andere. Sie brauchen uns gar nicht mehr. Das ist das Schöne an dem Programm.

Rotary strebt ebenfalls in Richtung nachhaltigere Projekte. Wie könnten Rotarier Sie in Ihrer Arbeit unterstützen?

Ich habe bereits darüber nachgedacht, wie großartig Rotary im östlichen Teil der Demokratischen Republik Kongo wäre. Denn was ist das erste, um eine Gesellschaft wieder aufzubauen? Man muss Freundschaft und Vertrauen aufbauen. Man muss ein soziales Gewissen aufbauen. Genau das machen Rotary Clubs.

Sie haben beschlossen, dass Ihre Stiftung in 40 Jahren ihr Geschäft aufgibt - sagen Sie das, um die Dringlichkeit zu unterstreichen?

Wenn man so denkt, handelt man anders. Wir werden unser Geschäft genau 40 Jahre nach 2006 aufgeben. Das steht fest. 

Was hoffen Sie, bis dahin zu erreichen?

Ich hoffe, dass wir bis dahin die Konversation aufgerüttelt haben, Menschen herausgefordert haben und Prozesse angeregt haben. Ich hoffe, wir werden Menschen helfen, über Probleme anders zu denken, ihre Denkweise zu verändern - zum Beispiel, dass es in Ordnung ist, zu scheitern. 

Ihr Vater nennt Sie den Indiana Jones der Philanthropie. Was treibt Sie an, an einigen der gefährlichsten Orte der Welt zu arbeiten?

Ich will das Gesamtbild des Hungers verstehen, und Konflikt ist einer der wesentlichen Gründe für Hunger. Beinahe 60 Prozent des Hungers in Afrika ist zurückzuführen auf Konflikte.

Aber warum ist die Bekämpfung des Hungers so wichtig für Sie, dass Sie sogar Ihr eigenes Leben dafür riskieren, indem Sie in Konfliktzonen reisen?

Menschen leben in diesen Umständen. Das ist ihr Leben. Ich kann am Ende immerhin wieder nach Hause fahren. Wenn man in solch schwierigen Bereichen arbeitet, trifft man auf Menschen, die so engagiert sind, dass man sich sagt: "Wenn die nicht aufgeben, dann kann ich das auch nicht."

Gekürzt aus The Rotarian, April 2014.

8-May-2014
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