Eine Bücherei im eigenen Vorgarten

Die Einrichtung der Mini-Bücherei wurde unterstützt vom Rotary Club Keyser, West Virginia, USA, und der Nonprofit-Organisation Wishful Thinking.
Fotorechte Fotot: Little Free Library
David McKinley (links) und seine Frau Jennifer (zweite von links) bauten diese Little Free Library für Davids Schwester Hilary Gray (rechts) und ihre Familie.
Fotorechte Foto: Little Free Library
Diese Mini-Bücherei wurde gebaut von einer Schulbibliothekarin im Ruhestand. Die Dachziegel sind Kronkorken aus Deutschland von einem befreundeten Studenten aus Berlin.
Fotorechte Foto: Little Free Library
Pfadfinderinnen vor einer Little Free Library in Pewaukee, Wisconsin, USA, um die sich die Mädchen kümmern.
Fotorechte Foto: Little Free Library
Eine Familie in Milwaukee, Wisconsin, USA, zeigt die Bücher, die sie aus der Little Free Library haben.
Eine Little Free Library in Daegu, Korea.

Als die Herausgeber von Reader's Digest für die Ausgabe vom Juli 2013 eine Liste der "50 überraschenden Gründe warum wir Amerika lieben" zusammenstellten führten sie unter anderem auf Platz 50 Bruce Springsteen und Jon Bon Jovi auf. Bill Gates schaffte es auf Platz 25 und auf Platz 11, zwischen geschnittenem Brot und Steppenrollern, kam die Little Free Library: ein mittlerweile internationales Phänomen, das sich Rotarier Todd Bol ausdachte.

Seit Bol 2009 die erste Little Free Library im Angedenken an seine Mutter baute, wurden 16.000 der kostenlosen Mini-Büchereien, die circa die Größe eines Puppenhauses haben, in 55 Ländern angebracht. Mitmachen ist einfach: Man stellt ganz einfach eine Holzbox (häufig in Form eines kleinen Schulhauses) auf einen Pfosten vor dem eigenen Haus, dem Arbeitsplatz oder einer Schule auf und füllt diese mit Büchern. Danach können Nachbarn oder Spaziergänger darin stöbern, sich ein Buch nehmen oder selbst eines hineinlegen.

Leseratten sind nicht die einzigen, die bereit sind ihren Vorgarten mit einem der Kästen zu bereichern. Bol, der in Hudson in Wisconsin lebt, weiß, dass die Little Free Library von vielen Gruppen aufgegriffen wird. Von Künstlern in New York, die einen Design-Wettbewerb zu den Kästen veranstalten, über Gefängnisinsassen in Wisconsin, die diese als Teil von Berufstrainings und Sozialdienst bauen, hin zu Unternehmen, die diese während Projekttagen basteln, um etwas an ihr Gemeinwesen zurückzugeben. Auch Rotary und Rotaract Clubs von den USA bis Kanada, von Mauritius bis Ghana installieren die Bücherkästen. 

Circa drei Viertel der Personen die mitmachen, bauen ihre eigene kleine Bücherei. Die Baupläne sind auf der Website www.littlefreelibrary.org erhältlich. Man kann eine Little Free Library aber auch kaufen, ab 175 USD, je nach Modell. Die Erlöse fließen kommen der mittlerweile gegründeten Non-Profit Organisation und deren Bildungsinitiativen und Programmen zu Gute.

Circa zur gleichen Zeit, als er seine Idee entwickelte, freundete sich Todd Bol mit Rick Brooks, einem Experten für kommunale Entwicklung, an. "Wir wussten, dass hier ein echtes Interesse bestand", so Brooks, Mitbegründer von Little Free Library. Nach kurzer Zeit schaffte Bol es bereits nicht mehr, die Bücherkästen alleine zu bauen und beauftragte einen amischen Zimmerer.

Bald tauchten die Mini-Büchereien überall auf. Bol und Brooks setzten sich das Ziel, 2.510 Büchereien einzurichten - genau eine mehr als seinerzeit der Philanthrop Andrew Carnegie, der sein Vermögen in die weltweite Gründung von Bibliotheken steckte. Im August 2012 war es soweit, der Meilenstein war erreicht. Heute arbeiten Bol und Brooks daran, ihre Idee in eine Bewegung zu verwandeln, die über einzelne Vorgärten hinausgeht: "Wie können wir die Begeisterung nutzen, um bessere Beziehungen unter den Menschen und Bildung zu fördern [...]?", so Bol.

Unterstützt wird die Little Free Library vielfach auch von Rotariern. "Ich und meine Schaufel können nicht alles alleine schaffen. Ich kann mir niemanden besseres vorstellen, als Rotarier. Ihr könntet jeden zweiten Monat eine kleine Bücherei irgendwo einrichten", so Todd Bol.

Im November war Bol mit der Little Free Library unter den Gewinnern des National Book Foundation's 2013 Innovations in Reading Prize. "Ich freue mich sehr über all dies. Ich komme mir vor, als hätte ich den Zinnmann aus dem Film "Der Zauberer von Oz" entdeckt und ihn etwas geölt, so dass er zu tanzen anfing. Und es bereitet mir das allergrößte Vergnüngen, dass ich die Person war, die ihn geölt hat."

Gekürzt aus The Rotarian, März 2014

24-Mar-2014
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