Wasser - klipp und klar
Fotos von Allison Kwesell
Aus: The Rotarian, November 2011
Handpumpen, für viele die einzige Wasserquelle. Foto: Allison Kwesell
F luor ist gut, weiß der Zahnarzt. Zuviel Fluor im Wasser ist jedoch katastrophal für diejenigen, die darauf als Trinkwasser angewiesen sind. Für die Bewohner von Patari, einem Dorf im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, ist dies traurige Realität. Wie Millionen andere Menschen leiden sie an der sogenannten Fluorose, einer irreversiblen Erkrankung, die durch erhöhte Konzentrationen von Fluor im Trinkwasser verursacht wird.
Amit Mishra vom Rotary Club Unnao händigt Mangal Prasad ein Fluorfilter aus
Foto: Allison Kwesell
Zu den Symptomen der Fluorose gehören zunehmender Zahnverfall und Auflösung des Zahnschmelzes, im weiteren Verlauf auch Deformationen des Skeletts, Gelenkverkalkung/-arthrose und Osteosklerose.
"Die Fluorkonzentration in Patari ist so stark, dass sie Zähne verfaulen lässt und Knochen zerstört. Viele Menschen laufen gekrümmt herum”, sagt Maurice Halliday, Past Governor des schottischen Distriktes 1020, welcher gemeinsam mit dem indischen Distrikt 3110 mittels eines Global Grant Projektes für 60 Familien in Patari Fluorfilter installierte.
Nach WHO-Richtlinien liegt die Fluor-Obergrenze bei 1,5 mg/Liter. Nach einer Messung 2001 betrug das Level in Patari 3,45 Milligramm. Da Fluor zu 90 Prozent über Trinkwasser aufgenommen wird, ist das Risiko noch höher für Menschen, die in heißen Klimazonen schwere körperliche Arbeit verrichten und daher auf höheren Wasserkonsum angewiesen sind.
Dabei kommt Fluor überall auf der Welt natürlich im Wasser vor. Einige “Gürtel” mit höheren natürlichen Konzentrationen erstrecken sich von Eritrea nach Malawi, ein anderer von der Türkei über den Irak, Iran, Afghanistan, Indien, Nordthailand und China. In China ist die Fluorose massenhaft verbreitet, in Indien sind 25 Millionen Menschen betroffen.
Die Fotografin und Rotary World Peace Stipendiatin Allison Kwesell reiste nach Patari und in andere Dörfer der Region, um die Folgen der Fluorose – besonders die Anfänge bei Kindern – zu dokumentieren. Sie fotografierte aber auch die indischen Rotarier, die die Spezialfilter installierten. Das Grant-Projekt über 40.000 USD sorgte auch für Toiletten, Trinkwasseraufbereitung, und Hygienetraining in acht Schulen mit 2300 Schülern in Uttar Pradesh.
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass fast ein Zehntel aller globalen Krankheitsbelastungen durch die Verbesserung der Wasserversorgung und ein adäquates Management von Trinkwasserressourcen und Hygiene verhindert werden könnte. Das Beispiel der indischen Dörfer zeigt, dass Lösungen gezielt angesetzt und durch Bedarfsanalysen abgesichert sein müssen. Der Distrikt 1020 plant nach Angaben von PDG Halliday die Ausweitung des Filterprogramms auf 400 weitere Haushalte der Region.
Im ersten Jahr des Future Vision Pilotprogramms 2010 vergab die Rotary Foundation 208 Global Grants über fast 12 Mio. USD für Projekte in 46 Ländern. Die Grants erfüllen dabei Sonderzwecke in einem der sechs Schwerpunktbereiche von Rotary. Die Pilotclubs können entweder ihre eigenen Ideen für umfassende und nachhaltige Projekte umsetzen oder sich an vorkonzipierten Packaged Grants beteiligen, die zum Beispiel derzeit mit der Organisation Oikocredit International , mit der Aga Khan University sowie der Hilfsorganisation Mercy Ships umgesetzt werden.
Mehr zur Pilotphase des FVP