Mortenson betont wichtige Bedeutung des Aufbaus von Beziehungen
Arnold R. Grahl
Rotary International News – 21. Juni 2010
Oben: Bestseller-Autor Greg Mortenson während der zweiten Plenarsitzung am 21. Juni auf der RI Convention in Montréal.
Unten: Pater Marciano "Rocky" Evangelista, Gründer der Tuloy Foundation Inc., spricht vor Rotariern über die dringend benötigte Hilfe für Straßenkinder.
Fotos: Monika Lozinska-Lee/Rotary Images
Greg Mortenson, Autor des Bestseller Three Cups of Tea und Mitbegründer des Central Asia Institute, bedankte sich am 21. Juni bei Rotary für den Einsatz gegen die Kinderlähmung in Afghanistan und Pakistan und forderte alle Rotarier dazu auf, ihr weltweites Engagement weiter fortzusetzen.
Während seiner Ansprache auf der zweiten Plenarstizung der RI Convention 2010 in Montréal betonte Mortenson die vielen Gemeinsamkeiten, die seine Organisation mit Rotary teile, besonders beim Aufbau von Beziehungen und dem Einbezug lokaler Führungspersönlichkeiten.
"Wir alle hier, ob Rotarier oder Ehrenmitglieder von Rotary, haben uns dazu verpflichtet, anderen zu helfen", so Mortenson. "Worauf es allerdings wirklich ankommt - und das haben die Rotarier erkannt - ist nicht die Hilfe an sich, die wir leisten, sondern die Möglichkeiten, die wir Menschen geben, sich selbst zu helfen. Wenn wir Menschen dazu verhelfen, sich selbst zu helfen, machen wir einen wahren Unterschied in dieser Welt."
Das Central Asia Institute unterstützt Dörfer in Afghanistan und Pakistan durch den Bau von Schulen, insbesondere für Mädchen, denen eine Ausbildung in der Vergangenheit verwehrt blieb. Auf der Convention berichtete Mortenson, dass heute bereits über neun Millionen Kinder, darunter 2,9 Millionen Mädchen, in Schulen in Afghanistan eine Ausbildung erhalten. Im Vergleich dazu hatten vor zehn Jahren erst 800.000 Kinder dort die Chance eine Schule zu besuchen.
"Wir können Bomben abwerfen, wir können Truppen aussenden, wir können Elektrizität einführen, wir können Straßen bauen, wir können Computer anliefern. Doch wenn Mädchen keine Chance auf Bildung erhalten, wird sich die Gesellschaft auch nicht verändern", so Mortenson. "Als Kind lernte ich in Afrika ein Sprichwort, das besagte: "Wenn wir einem Jungen Bildung zuteil werden lassen, bilden wir eine Einzelperson aus. Wenn wir jedoch einem Mädchen Bildung zuteil werden lassen, bilden wir ein Gemeinwesen aus.""
Mortenson berichtete auf der Convention ebenfalls, wie er von einem Ältesten, namens Haji Ali in Korphe, einem Dorf in Pakistan, eine wichtige Lektion lernte, die er auch in seinem Buch Three Cups of Tea beschreibt. Nachdem dieser Mortenson beinahe drei Jahre dabei beobachtet hatte, wie er damit kämpfte Schulen aufzubauen, riet Ali ihm, sich hinzusetzen, still zu sein und die Arbeit den Dorfbewohner zu überlassen. "Er nahm mir meine Lotschnur, meine Belege und Aufzeichnungen ab, schloss sie weg und meinte "So. Alles wird gut", berichtete Mortenson. "Natürlich wurde mir bange, doch raten Sie mal was: sechs Wochen später wurde die Schule in Korphe gebaut."
Auch Pater Marciano "Rocky" Evangelista, Mitglied im Rotary Club Alabang, Metro Manila, Philippinen und Gründer der Tuloy Foundation Inc., sprach am Montag auf der Convention und sprach über die dringend benötigte Hilfe für Straßenkinder.
"Kinder in Not brauchen jetzt Hilfe", so Evangelista. "Für Sie oder mich bedeutet ein Tag hin oder her vielleicht nicht viel, doch für ein Kind, dass unter den erbarmungslosen Realitäten des Straßenlebens zu leiden hat, zählt jede Minute."
Die Tuloy Foundation nimmt Straßenkinder im Alter von 9 bis 18 Jahren auf und bietet ihnen individuell zugeschnittene Berufstrainings an. Aus einer Einrichtung mit nur einem Raum, die 1993 12 Kindern half ist mittlerweile eine Organisation erwachsen, die auf einem Gelände von 4,5 Hektar, 700 Jugendliche betreut.
"Wir können uns jetzt nicht zurücklehnen. Ich kenne die Not umherwandernder Kinder, von den Nächten, in denen ich diese mit Freiwilligen auf den Straßen aufsammele", so Evangelista. "Glauben Sie mir, diese Bilder lassen Sie nicht wieder los und ich kann nicht verdrängen, dass dort draußen immer noch Kinder auf der Straße leben müssen."