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 Ein Rotarier erzählt seine Geschichte

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I ch trat Rotary im Alter von 40 Jahren bei. Es war ein guter Zeitpunkt für mich, denn ich war in der Softwareentwicklung tätig, wo ich nur vor dem Bildschirm saß und kaum Kontakt zu Menschen hatte.

Ich lebte in Hongkong und entwickelte ein aufwändiges Datenbanksystem, das Prognosen erstellen konnte --- für Pferderennen. Das Unternehmen war völlig legal und auch sehr einträglich, nur eben sehr arbeits- und datenintensiv. Unser Firmenanwalt hatte mich ein paarmal in den Rotary Club Kowloon North eingeladen, doch ich war scheu und hatte wohl Berührungsängste. Doch schließlich willigte ich ein, den Club kennenzulernen. Ich fühlte mich sehr geehrt, als mir die Mitgliedschaft angetragen wurde, da ich meinen Job nicht unbedingt im rotarischen Sinne als sinn- oder wertvoll betrachtete.

In meinem ersten Clubjahr lernte ich mehr von Hongkong kennen als in der gesamten Aufenthaltszeit zuvor. Meine Begabung für den Umgang mit Zahlen wurde schließlich nützlich für Serviceprojekte des Clubs, und ich entdeckte auch, dass ich mich sehr für Dinge, an die ich glaubte, engagieren konnte. Als Beauftragter des Clubs für den Internationalen Dienst war es auch meine Aufgabe, auf andere Clubs zuzugehen.

Bruce Stinson, Past Präsident des Kowloon North Clubs, hatte bereits freundschaftliche Bande zu Sai-Hong Choi, PP des Rotary Clubs Macau, geknüpft, und er hatte die Gegend um Du’an im Südosten der Volksrepublik China besucht. Die dortige Armut hatte ihn erschüttert, und vor allem der Zusand der dortigen Landschulen hatten ihn bewegt, aktiv zu werden.

Ich meinte zu wissen, dass es riskant sein würde, mit der chinesischen Regionalbürokratie umzugehen, und dass wir sehr aufpassen müssten, dass unsere Spendengelder ihrem Zweck zukämen und nicht irgendwo versickerten. Doch ich war mein Leben lang ein -erfolgreicher- Spieler gewesen, und so setzte ich auf Risiko. Und es ging auf: die Menschen, die ich in den Behörden kennenlernte, waren aufrichtig und dankbar für unsere Hilfe, und ich fasste Vertrauen zu ihnen.

Die Regierung willigte schließlich ein, die Hälfte des Projektetats - 60.000 US-Dollar für den Komplettaufbau jeder Schule - mitzutragen. Dank meiner Gewinne und Einkünfte war ich in der Lage, persönlich wesentlich zum Projektetat besteuern zu können.

Der Kowloon North Club und der Club aus Macau taten sich zusammen, um den Aufbau der ersten drei Schulen in Angriff zu nehmen, und seitdem haben wir zahlreiche mehr gebaut. Unsere Investition manifestierte sich stets in etwas Bleibendem, in realen Gebäuden aus Stein, und das Geld ging nicht in Rauch auf. Das war meine Spielwette.

Auch war es für mich sehr lohnend, wie sich durch die Projekte meine Einstellungen änderten. Ich hatte mir Volkschina immer als tyrannisch und brutal vorgestellt. In einer Mittelschule in Long’an, die sich von einer Ruine zu einer funktionierenden Institution gewandelt hatte, fragte ich den Rektor, ob Schüler auch durch Schläge diszipliniert würden. Er war zutiefst geschockt. "Kinder schlagen?" Undenkbar. Ob wir das in unserem Land tun würden? --- Jetzt, 11 Jahre, nachdem der erste Schulbau begann, blüht die Region auf. Noch zu Beginn schauten die Kinder verdutzt oder verängstigt, wenn wir Fotos machten. Doch bei unserem Besuch 2008 machten sie selbst Fotos - mit ihren Handys ...

Hätte ich jemals mit meinen Computerprogrammen voraussagen können, welche Abenteuer ich bei Rotary erlebte? Oder dass ich meine Frau Vivian, die ich schließlich im Alter von 53 Jahren heiratete, bei Rotary kennenlernen würde? Oder dass ich an die Foundation spende, weil ich an deren Auftrag glaube? Ich hätte nicht darauf gewettet. Aber Computerprogramme haben eben ihre Grenzen.

Aus der Ausgabe November 2011 von The Rotarian


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