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Illustration von Louisa Bertram

Am 1. Juli 2001 trat ich als erste Frau die Clubpräsidentschaft des Rotary Clubs New York an. Der Club wollte sein 92. Jubiläum feiern. Und das sollte es auch schon an Historischem für dieses Jahr sein. Doch es kam anders.

Am Morgen des 11. September war ich in meinem Apartment in Brooklyn dabei, mich für ein Clubtreffen fertig zu machen, als meine Tochter mich anrief und sagte, ich sollte den Fernseher anschalten. Ich sah, wie das zweite Flugzeug in den Turm raste und es wurde mir klar, dass ich mich auf einer Insel befand. Meine Familie war nicht da, mein Mann war in unserem Haus in der Vorstadt, meine Kinder waren überall verstreut. Ich fürchtete, dass sich einige der Mitglieder meines Clubs im World Trade Center befanden, was sich später bestätigte - ich fühlte mich völlig allein.

Dann schaltete ich den Computer ein. Aus aller Welt trafen Nachrichten von Rotariern ein, Libanon, England, Israel, Frankreich. Clubpräsidenten fragten an: wie können wir helfen? Ich verbachte die nächsten Tage am Computer, fast ohne Schlaf. Gelder trafen ein. Wir eröffneten ein Sonderkonto. Dann berief ich den Club zu einem Notfalltreffen ein.

Wir hatten zu der Zeit 185 Mitglieder. Wie durch ein Wunder verloren wir niemanden in dem Attentat. Sie kamen alle, und ich hatte das Gefühl, sie aufrichten zu müssen.

Bei jedem Meeting sangen wir patriotische Lieder. Ich lud Feuerwehrmänner zu Meetings ein, Menschen, die verwundet worden waren, Menschen, die Angehörige verloren hatten. Ich wollte diese Menschen ebenso unterstützen, wie ich die Mitglieder motivieren wollte.

Wir verteilten die Aufgaben. Ein Internet-Team verbreitete Informationen. Andere stellten am Ground Zero ihre Fähigkeiten zur Verfügung: ein Gerichtsmediziner identifizierte Opfer anhand der Gebisse, eine anderer war Lungenspezialist und half, die Luftqualität vor Ort zu testen. Andere brachten einfach Wasser und Essen für die Helfer vorbei.

Und wir beriefen einen Ausschuss ein, der Menschen ausmachte, welche Sofortnothilfe brauchten. Teammitglieder gingen Kirchen, Synagogen, Feuer- und Polizeiwachen ab. Alles lief wie am Schnürchen und im direkten menschlichen Kontakt. Die Menschen, die wir fanden und denen wir mit Geld helfen konnten, hatten zum Teil Erschütterndes hinter sich. Manche hatten ihre erwachsenen Kinder verloren und mussten unvermittelt ihre Enkel betreuen. Andere hatten die einzigen Familienversorger verloren und wussten nicht, wie sie die Miete bezahlen sollten. Gemeinsam mit Clubs aus Michigan halfen wir auch Kindern, die einen oder beide Elternteile verloren hatten. Der Ausschuss organisierte zudem Wochenendausflüge für Helfer an der Unglücksstelle und für Feuerwehrleute und Polizeibeamte.

Mir wird oft gesagt, dass es schlimm gewesen sein muss, am 11. September Präsidentin des Rotary Clubs New York gewesen sein zu müssen. Das Gegenteil ist der Fall. Ich danke Gott, dass ich in der Position war, wo ich helfen konnte. Wo ich anderen ein Beispiel sein konnte. Und wo ich wie eine echte Rotarierin handeln konnte.


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