Ehemaliger Stipendiat heute am Internationalen Gerichtshof in Den Haag tätig
Joseph Derr
Rotary International News -- 16. März 2010
Ryan Carrier in Den Haag
Foto mit freundlicher Genehmigung von Ryan Carrier
Durch Rotary erhielt Ryan Carrier zweimal Gelegenheit, im Ausland neue Kulturen kennenzulernen und wichtige Erfahrungen zu sammeln. Diese Erfahrungen bereiteten ihn schließlich auf seine heutige Karriere als Ankläger für Kriegsverbrechen für die Vereinten Nationen .
Seit 2008 arbeitet Carrier für das UN Kriegsverbrecher-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag. Der Ad-hoc-Strafgerichtshof ist zuständig für die Verfolgung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie von Kriegsverbrechen, die sich nach 1991 in den Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens ereigneten.
Derzeit verhandelt Ryan Carrier den Fall von drei kroatischen Armee-Generälen, die Verbrechen angeklagt sind, die sich während der Operation "Sturm" im August 1995 ereigneten. Mehr als 100.000 Serben waren damals im Zuge der größten ethnischen Säuberung des Balkankrieges, wie Carrier es beschreibt, aus Kroatien vertrieben worden.
"Ethnische Säuberung bedeutet nicht nur, in eine Stadt vorzudringen und jeden darin zu töten; auch Versuche, die Demographie in einer bestimmten Region zu ändern, ein Gebiet also zu "säubern", indem man bestimmte Volksgruppen vertreibt, wird hierzu gezählt", so Carrier, der ursprünglich aus White Rock, British Columbia in Kanada stammt.
Die erste Erfahrung, die Carrier mit Rotary sammeln durfte, begann, als der Rotary Club White Rock ihn 1989 für eine Teilnahme an dem Rotary Youth Exchange-Programm auswählte. Für ein Jahr lebte er daraufhin in Vetlanda, Schweden, wo er auf das örtliche Gymnasium ging, fließend Schwedisch lernte und eine Freundschaft mit seiner schwedischen Gastfamilie begann, die bis heute anhält.
1996 studierte Carrier, dieses Mal gefördert durch den Rotary Club White Rock-Peace Arch, als Rotary Foundation Ambassadorial Scholar an der University of Cape Town in Südafrika Kriminologie. Hier in Südafrika hatte er Gelegenheit, eine Gesellschaft zu beobachten, die sich nach Jahrzehnten der Apartheid in einem raschen Wandel befand.
"Ich arbeitete damals mit vielen ehemaligen Mitgliedern der Partei African National Congress in schwarzen Townships zusammen und beriet mich zu bestimmten Polizeiangelegenheiten mit meinem Professor. Ich lebte also in beiden dieser damals so unterschiedlichen, koexistierenden Welten in Südafrika", sagt Carrier. "Dabei lernte ich, wie wichtig es ist, auch auf die Ansichten anderer Rücksicht zu nehmen und nicht nur das eigene Programm und die eigenen Standpunkte durchdrücken zu wollen."
Seine Erfahrungen mit Rotary trugen mit dazu bei, dass sich Ryan Carrier entschied, eine Rechtskarriere einzuschlagen. Er studierte an der Cambridge University, arbeitete als Ankläger in Toronto und kam schließlich zur UN.
"Auch wenn man schon einmal auf Reisen in einem Land war, ist das einfach nicht das selbe, wie wenn man dort einmal gelebt hat, die Menschen dort kennengelernt, deren Ansichten erfahren und deren Vertrauen gewonnen hat und einfach eine viel tiefere Verbindung aufbauen konnte", erzählt Carrier. "Wenn Rotary mir nicht geholfen hätte - durch das Austauschprogramm und das Ambassadorial Scholarship - hätte ich nie die Möglichkeiten gehabt, die ich heute habe."
Verfasst für Reconnections