Im Gespräch mit RI Präsident elect Dong Kurn Lee
Rotary International News – 8. Februar 2008
RI-Präsident Dong Kurn Lee gab in einem Gespräch mit Vince Aversano, dem Chefredakteur der Zeitschrift The Rotarian, Auskunft darüber, wie er sein Amtsjahr als erster koreanischer Präsident von Rotary International gestalten möchte. Hier erhalten Sie einen kurzen Eindruck von diesem Interview – den ausführlichen Beitrag finden Sie dann in der März-Ausgabe von The Rotarian.
[F] Präsident elect Lee, welche Ziele haben Sie sich für Ihr Amtsjahr als RI-Präsident gesetzt?
Zunächst einmal liegen mir messbare Fortschritte im Polio-Bereich am Herzen – sowohl bei der Mittelbeschaffung zur Ergänzung des Gates [Foundation] Challenge Grant als auch bei der Minderung der Anzahl Polio-endemischer Länder. Auch die Kindersterblichkeit –aufgrund verhütbarer Krankheiten - sollte ins Bewusstsein jedes Rotariers gerückt werden. Jeden Tag sterben 30.000 Kinder unter fünf Jahren - die meisten von ihnen aufgrund verhütbarer Krankheiten wie Masern, Malaria und Lungenentzündung. Die Leute sollten erkennen, dass sich Tag für Tag eine Tragödie dieses Ausmaßes ereignet. Andererseits sollten wir natürlich auch das bereits Geleistete und unsere Fortschritte anerkennen. Die Pocken sind ein Ding der Vergangenheit, was auch bald auf Polio zutreffen wird. Mit dem Challenge Grant der Gates Foundation haben wir eine reelle Chance, in den kommenden Jahren die Kinderlähmung vollständig auszumerzen. Für mich ist dies ein zentrales Anliegen innerhalb meines Schwerpunkts Kindersterblichkeit.
Zahlreiche Projekte, an denen sich Rotarier in den Schwerpunktbereichen Wasserwirtschaft, Gesundheitsfürsorge und Hungerbekämpfung sowie Bildung beteiligen, retten bereits Jahr für Jahr das Leben unzähliger Kinder. Wenn wir unsere Anstrengungen auf die Senkung der Kindersterblichkeit in diesen drei Schwerpunktbereichen richten, sind wir in der Lage, die Anzahl der Kinder, die das Erwachsenenalter erreichen, erheblich zu steigern.
[F] Welches Bild von Rotary sollte der Öffentlichkeit heutzutage vermittelt werden? Sollte der Schwerpunkt auf den Networking-Möglichkeiten oder auf humanitären Projekten liegen?
Ich glaube nicht, dass zwischen beidem unterschieden werden sollte. Rotary wurde als Networking-Forum gegründet - der Hilfsdienstaspekt kam erst später hinzu. Hilfsdienst ist heute unser primäres Anliegen, was jedoch nicht bedeutet, dass Rotarys Rolle im Unternehmensbereich minimiert werden sollte. Rotarier sollten aus altrustischen Gründen Rotary angehören, doch wir dürfen und sollten wir auch den vielen Vorteilen einer Mitgliedschaft in Rotary Rechnung tragen.
[F] Warum halten Sie den Rotary-Jugendaustausch für ein so wichtiges Programm?
Der Rotary Jugendaustausch vermittelt jungen Leuten ein besseres Verständnis dieser Welt. Junge Menschen machen dabei, besonders wenn sie in Gastfamilien untergebracht sind, eine einzigartige Erfahrung des totalen Eintauchens in eine andere Kultur, welche ihnen ein Leben lang zugute kommen wird.
Als junger Mann verbrachte ich zwei Jahre in Kalifornien. Ich studierte und arbeite auch als Hilfskraft im Hafenviertel Fisherman`s Wharf in San Francisco. Das Leben in meinem Heimatort in Korea war das komplette Gegenteil dessen, was ich dort erlebte. Alles war anders - das Essen, die Leute, die Sprache. Diese Erfahrung führte zu einer völligen Veränderung meines Weltverständnisses und beeinflusste meine Persönlichkeitsentwicklung auf entscheidende Weise. Ich glaube, ohne diese Erfahrung wäre ich trotzdem Rotary beigetreten, aber ich hätte es bei weitem nicht so gut verstanden.
[F] Was inspirierte Sie zur Wahl des Leitthemas Macht Träume Wahr für Ihr Amtsjahr?
Teil der Anziehungskraft von Rotary für mich ist unser kollektives Potenzial, d.h. die Tatsache, dass wir gemeinsam mehr erreichen können als im Alleingang. Als Club können wir mehr erreichen als Einzelne, als Distrikt wiederum mehr als Einzelclubs, und durch international veranstaltete Initiativen können wir scheinbar Unerreichbares erzielen und Träume wahr machen. Keine Person für sich, nicht einmal eine Regierung, egal wie mächtig, hätte das erreichen können, was wir bei unseren Bemühungen um die Ausrottung der Kinderlähmung bewirkt haben. In diesem Jahr ist es mein Traum und mein Hauptanliegen, das Leben unzähliger Kinder zu retten. Das ist mein eigener und sehr persönlicher Traum - die Gewissheit, dass Kinder überleben, gesund aufwachsen, bessere Chancen im Leben erhalten und ihre eigenen Träume verwirklichen können.