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 Statt Besserungsanstalt - Läuterung auf andere Art


 
 

Oben: Akeem Stephenson, Absolvent des PACT LifePlan Beratungsprogramms, spricht zu anderen Jugendlichen über seine Vergangenheit. Unten: PACT-Gründer Rot. Dan Cornacchia und David Lockett. Rotary Images/Alyce Henson.

Für jugendliche Gewalttäter in Toronto gibt es eine Alternative zum Jugendgefängnis: Zusammentreffen mit den Opfern.

Das PACT Urban Peace Program, das von den beiden Rotariern Dan Cornacchia und David Lockett im Jahre 2000 gegründet wurde, bringt Straftäter im Teenager-Alter mit den Opfern von deren Straftaten und mit Bürgern zusammen, um die Vergehen zu besprechen und Wiedergutmachungen zu vereinbaren. Damit folgt das Programm dem Modell der Konfliktlösung, wie sie in Gemeinden australischer Aborigines üblich ist. “Gewalt ist ein erlerntes Verhalten", sagt Gründer Dan Cornacchia. “Indem wir heute jungen Menschen helfen, können wir den Gewaltkreislauf von morgen durchbrechen.”

Als Gründungmitglieder des Rotary Clubs Parkdale-High Park eröffneten Cornacchia und Lockett 1993 das Redwood-Haus, in dem Frauen und Kinder, die Opfer von Gewalt und Missbrauch wurden, Hilfe und Aufnahme finden. Im Zuge dieser Tätigkeit kamen sie dazu, sich mit dem Problem der urbanen Gewalt zu befassen.

PACT steht für Participation, Acknowledgement, Commitment und Transformation (Beteiligung, Eingeständnis, Verpflichtung und Wandlung) und hilft mittlerweile 500 Teens im Jahr, wieder auf den rechten Pfad zu finden. Zusammen mit der Vermittlungstätigkeit des Mediationsprogramms wird straffälligen Jugendlichen, die unter das kanadische Jugendstrafgesetz (Youth Criminal Justice Act) fallen, ebenso wie gefährdeten und obdachlosen jungen Menschen eine Rehabilitierung, Berufstraining und Lebenshilfeberatung angeboten.

Learning by doing

PACT, von Freiwilligen betrieben und von 15 Rotary Clubs finanziert, hat neben der sozialen Wirkung auch einen wirtschaftlichen Effekt: "15 Prozent aller Jugendstraftäter kosten die Gesellschaft in ihrem Leben je 3 Millionen Dollar", betont David Lockett dazu.

Demgegenüber wurden bisher durch die Organisation über 2.000 Zusammentreffen von Tätern und Opfern arrangiert. Die Wiedergutmachungspläne, die bei diesen Treffen vereinbart werden, beinhalten oft Schadensersatz an die Geschädigten, aber auch Entschuldigungsbriefe und sozialen Dienst. 

Die Jugendlichen können ihre Dienstauflagen, die ihnen entweder von einem Jugendrichter aufgetragen oder bei einem Meeting empfohlen wurden, durch acht LifeSkills Programme von PACT absolvieren. Dazu gehören unter anderem Filmproduktion, Wiederaufforstungsprogramme und Arbeiten auf dem Bau. High Schools in Toronto übernehmen auch das Grow to Learn (Wachse, um zu lernen) Programm, einen Ableger des LifeSkills-Programms urban agriculture (etwa: Landwirtschaft in der Stadt). Dabei bepflanzen und hegen die Schüler einen Gemüsegarten und stiften die Erzeugnisse an örtliche Lebensmittelhilfen.

Viele jugendliche Straftäter haben jegliches Interesse an einem traditionellen Schulbesuch verloren, sagt Lockett, doch PACT bringt den jungen Leuten praktische Fähigkeiten bei, die ihnen nutzen können. Learning by doing heißt hier die Devise. Lokale Geschäfte und Bürger unterstützen das LifeSkills Programm - und einige der Betreiber sind selbst ehemals Gestrauchelte, wie Paul Davis, der Leiter des Filmprogramms.

Viele der PACT-Absolventen haben Anstellungen gefunden und führen später Studien in entsprechenden Bereichen weiter. Der Erfolg wird nach Auskunft von Terance Brouse, dem Communications Director von PACT, so definiert: "Der Erfolg bemisst sich jeweils an der Erreichung der Ziele, die jeder junge Mensch selbst festgelegt hat".

Clubs helfen mit

Daneben bietet PACT auch eine praktische Lebensberatung, in der Jugendliche individuell beraten und bei der Planung ihres weiteren Lebensweges angeleitet werden. Einer dieser Jugendlichen ist Akeem Stephenson, ein ehemaliger Jugendkrimineller, der in Obdachlosenasylen ein und aus ging. Ein Richter verwies ihn schließlich an PACT. Mentor Craig Trowhill erinnert Stephenson bei einem Beratungsgespräch, warum er erfolgreich in dem Programm war: "Der Prozess war nur ein Mittel zum Zweck, aber alles hing von Dir ab, und davon, welche Entscheidungen Du für Dein Leben getroffen hast.” Heute kann Akeem Stephenson seinen Lebensunterhalt als Musikproduzent und Rap-Musiker selbst bestreiten. "Das PACT-Beratungsprogramm bot mir eine Menge von Optionen, um zu sehen, was ich falsch gemacht habe und was ich hätte tun können, um bestimmte Situationen zu ändern", sagt er heute. "Ich habe jetzt eine fundierte Lebensperspektive und das Selbstvertrauen, die hohen Ziele zu erreichen, die ich mir gesetzt habe. Und die können ruhig himmelhoch sein.”

Über das Engagement von Rotary Clubs in dem Rehabilitationsprogramm freut sich David Lockett besonders. Wenn er bei Club-Meetings referiert, um für PACT zu werben, betont er jedes Mal: “Es ist wie ein Tauziehen, bei dem es um Zentimeter geht. Doch aus Zentimetern werden auch Kilometer. Die Lebensreise dieser Teenager beginnt in dem Moment, in dem sie sich entscheiden, mitzumachen und Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen.”


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