Sakuji Tanaka Rotary Weltpräsident 2012/13
John Rezek
Rotary International News -- 11. Juli 2012
RI Präsident 2012/13 Sakuji Tanaka auf dem Campus der International Christian University mit einer Gruppe Rotary Peace Fellows. Rotary Images/Alyce Henson.
Seit circa einem Jahr sieht man ihn im Zentralbüro von Rotary International überall: im Fahrstuhl, in der Cafeteria, in der Lobby und im Präsidentenbüro in der südöstlichen Ecke des 18. Stockwerks. Einen weißhaarigen Mann mit tadellosen Manieren, der immer lacht und sich stets ehrlich zu freuen scheint über jede Person, die ihn anspricht.
Tanaka während eines Treffens seines Rotary Clubs.
Rotary Images/Alyce Henson
Er grüßt mit einem strahlenden Lächeln, einer leichten Verbeugung und einem freundlichen, fast schüchternen Kichern. Mit seiner persönlichen Dolmetscherin Eiko Terao stets dabei, bewegt er sich mit großer Würde und einer entwaffnenden Freundlichkeit, die vielleicht verbergen mag, was er wirklich denkt. Doch ist es bei letzterem wahrscheinlich, dass es sich um Rotary dreht. Die einzige Zeit, in der er nicht mit Rotary beschäftigt ist, ist nachts, wenn er schläft, oder beim Essen – und das auch nur, wenn er nicht gerade mit Rotariern bei einem Mahl zusammen sitzt.
„Es stimmt, Rotary nimmt meine ganze Zeit in Anspruch”, gibt er fröhlich zu.
Seine Frau, fährt Tanaka fort, bezeichne ihn als “Rotary-verrückt”. Und ein Blick auf seinen Lebenslauf scheint das auch zu bestätigen. Seit 37 Jahren gehört er dem japanischen Rotary Club Yashio an, und er hat alle möglichen Ämter absolviert, als Governor, Training Leader, Regional Rotary Foundation Coordinator, Mitglied der Polio Eradication Advocacy Task Force sowie des Future Vision Committee, Chair des Birmingham Convention Committee 2009 und des Permanent Fund Committee for Japan, RI Director, Rotary Foundation Trustee. Seine Frau Kyoko begleitet Sakuji seit 49 Jahren, auch auf der rotarischen Reise. Beide Ehepartner sind Paul Harris Fellows, Gönner und Großspender. Auch wenn Frau Tanaka kein Englisch spricht, so ist sie laut ihrem Mann eine äußerst kommunikative und heitere Person, die sich durch Gesten und mit Körpersprache zu verständigen weiß.
Und sie übernimmt gerne seinen Platz, wenn sie ihn bei Geschäftstreffen vertreten muss – was in Tanakas Großhandels-Laufbahn oft der Fall war. Wenn sie sich an verschiedenen Orten aufhalten, telefonieren sie täglich.
Das Ehepaar Tanaka hat drei erwachsene Kinder. Ein Sohn und eine Tochter leben in Japan, eine weitere Tochter in Malaysia. Die Familie samt sechs Enkeln (und einem auf dem Weg) trifft sich jedes Jahr zum Neujahr zuhause in Yashio.
Rücksicht und Geduld, meint Präsident Tanaka, sei das Geheimnis für eine erfolgreiche Ehe und beeilt sich, hinzuzufügen: „Ich bin glücklich, dass ich eine Frau habe, die so geduldig mit mir ist.“
Über die japanische Gesellschaft sagt er, dass dort immer noch vorherrscht, dass Männer mehr Freiheiten haben, Ärger oder Frustration auszudrücken als Frauen. Ein Grund mehr für ihn, sich immer im Umgang mit Menschen um Geduld zu bemühen.
Diese Geduld kombiniert Sakuji Tanaka mit erstaunlicher Effizienz. Als ehemaliger Präsident der National Household Papers Distribution Association of Japan schätzt er einen aufgeräumten Schreibtisch. Er nutzt E-Mail intensiv, hält aber auch hier seine Inbox sauber – nur die nötigsten Sendungen werden gespeichert. „Es ist mein Naturell, immer in Eile zu sein“, meint er dazu. „Ich lasse nichts liegen. Ich erledige es und gehe zum nächsten Punkt über.”
Nur in seinem Büro zuhause stehen Tagebücher und Dokumente in einem langen Regal. Ab und zu wird aussortiert, Obsoletes wird entsorgt, in einigen Fällen gehen Rotary-Spezifika an seinen Club.
Auf Reisen vermisst Tanaka am meisten die Küche seiner Frau. Sie ist für ihn ohne Zweifel die beste Köchin der Welt. Natürlich bevorzugt er japanisches Essen, und das, was international als japanisch bezeichnet wird, kann sich da seiner Meinung nach erst recht nicht messen. Die Nudeln schmecken anders, und es ist schwer, ein zufriedenstellendes sukiyaki zu bekommen. Als Ersatz bietet sich da der besondere Geschmack eines koreanischen Barbecue an, das er sehr mag. Und seine Dolmetscherin, Frau Terao, beeilt sich, hinzuzufügen, dass man ihn immer mit einem Teller Spaghetti ablenken kann – solange er mit Tomatensoße daherkommt. Sonst isst er die Nudeln ohne alles, denn alles, „was zu viel Käse drin hat“, findet bei Präsident Tanaka keinen Anklang. Er bemerkt sehr wohl, welchen Aufschwung Sushi-Restaurants international genommen haben, doch schreibt er dies eher einem erhöhten Gesundheitsbewusstsein der Menschen zu als einer speziellen Liebe zur japanischen Küche.
Selbstverständlich ist Herr Tanaka nicht immer im Dienst. Doch selbst bei der Entspannung gibt er stets sein Bestes. So stellte er bei einem Karaoke-Abend seinen eigenen Rekord auf, indem er 54 Lieder hintereinander sang – ohne Pause. Es ist ihm fast peinlich, so stolz auf seine dreistündige Vorstellung zu sein, und er betont im gleichen Atemzug, dass er dafür heute gar nicht mehr die Energie hätte. Das mag bescheiden sein, aber seine Freunde glauben ihm das nicht so ganz.
Sie könnten sich zum Beispiel daran erinnern, wie Sakuji Tanaka und ein befreundeter Rotarier vor nicht allzu langer Zeit begannen, die Straßen in ihrem Stadtviertel zu säubern. Man sah sie, wie sie Unrat aufsammelten, Unkraut jäteten, Müll und Dreck – und sogar den gelegentlichen Tierkadaver- fortschafften. „Zuerst gab es ein paar sehr schmutzige Großstadtecken“, erzählt Tanaka. „Doch dann sahen die Leute, wie wir in ihren Nachbarschaften für Sauberkeit sorgten, und jeden Tag kamen Helfer dazu, mehr und mehr machten mit, und jetzt halten sie ihre Straßen selbst sauber.“ Der 2-Mann-Einsatz wurde zu einem monatlichen Rotary-Clubprojekt und expandierte schließlich in eine Bürgerinitiative, der mittlerweile 59 Gruppen in Yashio angehören, und die zweimal im Jahr Großaktionen für eine saubere Stadt auf die Beine stellen. Selbst der Bürgermeister der Stadt macht mit.
Sakuji Tanaka hat seine eigene Friedensphilosophie. In seinem Clubs, sagt er, hätte er gelernt, dass die Hilfe für andere der absolut einfachste Weg sei, Frieden zu stiften. „Frieden“, sagt er, „ist - bei allen verschiedenen Auffassungsweisen davon- ein reales und realistisches Ziel für Rotary.” So verwundert es nicht, dass er eine permanente Rotary Peace Fellowship gestiftet hat, und dass sein Jahresmotto Peace Through Service - Frieden durch Einsatz heißt. Frieden durch persönlichen Einsatz, möchte man ergänzen. “Frieden ist nicht etwas, dass durch Verträge, Regierungen oder große heroische Feldzüge erreicht wird“, erklärt er seine Sichtweise. „Es ist etwas, das im persönlichen Tun und Engagement, im täglichen persönlichen Einsatz geschieht, und das wir auf vielfache, ganz einfache Weise, täglich erwirken können.”
Frieden und Konfliktlösung fangen dabei für ihn zuhause an. Die Familie sei der Ausgangspunkt, ein friedvoller Umgang miteinander dort die Voraussetzung, seine Einstellung weiter zu tragen.
Auch die japanische Tradition, das Wohl der Allgemeinheit über die Belange des Einzelnen zu stellen, kommt zur Sprache. Es ist für Präsident Tanaka die direkte Parallele zum rotarischen Leitspruch des Selbstlosen Dienens, und es wurde eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als Erdbeben und Tsunami samt anschließender Reaktorkatastrophe das Land verwüsteten.
Es war genau diese Einstellung, die dem japanischen Volk half, sich wieder aufzurichten. Dass die dort so eindrucksvoll zum Einsatz kommende Kooperation auch eine positive Lektion für die Welt sein kann, davon ist Präsident Tanaka überzeugt. „Ich glaube, dass Rotary auch zu diesem Lernen beiträgt, indem wir die junge Generation ausbilden und auf zukünftige Aufgaben vorbereiten – besonders durch unsere Rotary Peace Centers. Die jungen Menschen werden einst die persönliche Verantwortung tragen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.”