Rotary.org: Aktuelles - Getting to know John Hewko

John Hewko im Gespräch

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John Hewko, der am 1. Juli ins Amt kommende neue Generalsekretär von RI, auf der International Assembly 2011. Rotary Images/Alyce Henson

Rotary International benannte den Anwalt und ehemaligen leitenden US-Regierungsbeamten John Hewko als Nachfolger im Amt des Generalsekretärs von RI. Hewko wird das Amt am 1. Juli übernehmen. RI News sprach mit ihm über den neuen Aufgabenbereich.

WenigeTage, nachdem Ihre Berufung bekannt wurde, trafen Sie mit Rotariern in der Ukraine zusammen und hielten danach eine Rede bei der International Assembly in San Diego. Was haben Sie den Rotariern gesagt?

Ich brachte meine Freude zum Ausdruck, und was für eine Ehre es für mich darstellt, als der nächste Generalsekretär von Rotary ausgewählt worden zu sein.  Ich stellte auch mein Interesse an dem Amt dar und meine Motivation, warum ich es ausführen möchte. Und ich versicherte ihnen, dass ich es als meine Hauptaufgabe sehen werde, dass das Sekretariat den Clubs bei der Ausführung ihres Auftrages auch weiterhin als effektiver Dienstleister zur Seite steht. Es war besonders berührend für mich, dass ich nach der Bekanntgabe zuerst mit Rotariern in der Ukraine sprach, wo ich in den frühen 90er Jahren Mitglied des Rotary Clubs in Kiew gewesen war.

Wann hörten Sie zuerst über Rotary?

Mein Vater war fast 30 Jahre lang aktives Mitglied von Rotary in Clarkston im US-Bundesstaat Michigan, einem kleinen Ort nördlich von Detroit. Ich erlebte die Begeisterung meines Vaters für Rotary und die Wirkung, die die Gemeindienstprojekte des Clubs lokal zeigten, und lernte so das Wunderbare an Rotary zu schätzen. Einfache Menschen, die sich zusammentaten, um in ihren Gemeinwesen Gutes zu tun. Wenn ich meine Eltern besuchte, als ich im Ausland arbeitete, lud mein Vater mich manchmal ein, in seinem Club einen kleinen Vortrag zu halten. Ich war immer beeindruckt von dem Kaliber der Mitglieder und ihrem leidenschaftlichen Engagement für die Organisation und deren Prinzipien.  

Erzählen Sie uns von Ihren Rotary-Erfahrungen in Kiew.

Als ich in den frühen 90er Jahren in der Ukraine arbeitete, war der Club meines Vaters einer der Patenclubs für den ersten Rotary Club in Kiew. Mein Vater kam nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Ukraine in die Vereinigten Staaten, und er hatte ein großes Interesse daran, dass sich Rotary in seiner alten Heimat etablieren könnte. Durch sein Engagement beim Aufbau des Kiewer Clubs wurde auch mein Interesse daran geweckt, und ich hatte das Glück, ein Charter-Mitglied des Clubs werden zu dürfen.

Warum waren Sie an dem Job des RI-Generalsekretärs interessiert?

Wie ich in meiner Ansprache bei der International Assembly bereits erwähnte, sind es zu allererst die Prinzipien des Selbstlosen Dienens, des guten Dienstes in der Welt, der Vier-Fragen-Probe, der Integrität und der Friedensförderung durch Freundschaft - diese Ideen und Konzepte, an die ich glaube und für die ich mich einsetze. Für mich wird dies weniger ein Job als mehr eine Leidenschaft sein. Zweitens gibt es meines Achtens keine Organisation auf diesem Planeten, die besser zur Ausführung ihres Auftrages geeignet ist. Selbstverständlich hat auch das Engagement meines Vaters wesentlichen Anteil an meinem Interesse für Rotary. Und natürlich ist es auch ein aufregender und interessanter Zeitpunkt, Teil der Rotary-Familie zu werden, ein Zeitpunkt, an dem die Organisation sich selbst neu erfindet und fortentwickelt durch die Einführung des RI-Strategieplans und des Future Vision Plans der Rotary Foundation. Und schließlich passt die Tatsache, dass Rotary eine wirklich internationale Organisation ist, sehr gut mit meinem persönlichen und professionellen Werdegang zusammen.

Welche Berufserfahrungen haben Ihnen bei der Vorbereitung auf die neue Rolle geholfen?

Da gab es mehrere. Ich war internationaler Partner bei  Baker & McKenzie (B&M), der größten Anwaltsfirma der Welt mit über 3.000 Rechtsanwälten in über 60 Büros in aller Welt. B&M ist eine sehr vielfältige und internationale Organisation, in der die meisten Anwälte nicht Amerikaner sind. Genau wie Rotary muss auch dort eine ausgewogene Balance gefunden werden zwischen der Beibehaltung globaler Standards und Verfahrensweisen auf der einen Seite und genügend lokaler Autonomie auf der anderen. Ich verbrachte meine Zeit bei  B&M fast ausschließlich außerhalb der USA – in Russland, der Ukraine und der Tschechischen Republik. Das war für mich ein hervorragendes Training –  zu sehen, wie große, multinationale und multikulturelle Organisationen funktionieren, und mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind.

Der andere Erfahrungsbereich stammt aus meiner Zeit bei der Millennium Challenge Corporation (MCC), einer 2004 unter Präsident George W. Bush eingerichteten US-Regierungsstelle, deren Aufgabe es ist, in den ärmsten Ländern der Welt besondere Entwicklungshilfe zu leisten. Ich beaufsichtigte während meiner Dienstzeit die größte Abteilung bei MCC und dort die Verhandlung und den Abschluss von Hilfsabkommen mit 18 Ländern über insgesamt 6,3 Milliarden Dollar. Diese Abkommen dienten dem Aufbau von Transport- und Sanitärwesen, der Agrarentwicklung, Mikrokreditsystemen und anderen Entwicklungsprojekten im Gesundheits- und Bildungsbereich. Daneben verbrachte ich auch einige Zeit in Denkfabriken, und habe Veröffentlichungen zu internationalen Entwicklungsfragen publiziert. All diese Erfahrungen geben mir, glaube ich, eine Weltperspektive, die es mir ermöglichen wird, Rotary, dem rotarischen Auftrag, aber ganz besonders seiner vielfältigen Mitgliedschaft zu dienen.

Wo fügt sich die Arbeit von Rotary Ihrer Meinung nach in die Welt der internationalen Entwicklung ein?

Zur Zeit ist in der Entwicklungshilfe eine globale Debatte in Gang, wie den Ärmsten der Welt am besten zu helfen sei. Ich würde gerne, dass auch Rotary bei dieser Diskussion dabei ist und sogar eine führende Rolle einnimmt. Ich würde gern sehen, dass Rotary noch effektiver Partnerschaften mit anderen Stiftungen und strategischen Partnern anstrebt, um unsere Ressourcen besser einsetzen zu können. Meiner Meinung nach sollte es ein wesentliches Ziel aller Entwicklungshilfebestrebungen, sowohl des Regierungs- als auch des Nichtergierungslagers, sein, für ein nachhaltiges und vom privaten Sektor angeführtes Wirtschaftswachstum zu sorgen. Wenn Sie die gesamte staatlich-offizielle Entwicklungshilfe weltweit zusammen nehmen, so verblasst diese Größe angesichts der im privaten Sektor verfügbaren Ressourcen. Und genau hier kann Rotary, mit seinem enormen Netzwerk von Führungskräften des privaten Sektors, eine überaus wichtige Rolle spielen.

Was ist die größte Lektion, die Sie im internationalen Entwicklungsdienst gelernt haben, welche auch auf Rotary International angewandt werden kann?

Die größte Herausforderung ist die Nachhaltigkeit. Die Welt ist übersät mit humanitären Projekten und Entwicklungshilfeansätzen, die letztlich scheiterten, weil sie nicht nachhaltig waren. Durch die Einrichtung einer Wasserpumpe in einem Dorf ist erst die Hälfte gewonnen. Es ist genauso wichtig, das Dorf mit der Ausbildung und den finanziellen Mitteln auszustatten, damit die Pumpe betrieben, gewartet und gegebenenfalls repariert werden kann, auch wenn die Spender schon lange gegangen sind. Wenn ein Projekt nicht nachhaltig ist, kann es sich nicht selber tragen und nicht ohne technische und finanzielle Hilfe von außerhalb überleben. Dann muss das Design überdacht werden. Ich empfehle Rotariern, ein potentielles Projekt von zwei Seiten zu betrachten: wird es zu wirtschaftlichem Wachstum führen? Und ist es nachhaltig?

Was sind die größten Stärken von Rotary?

Ich denke, die größte Stärke dieser Organisation ist ihre Mitgliedschaft. Sie haben 1,2 Millionen Professionals in aller Welt, alle mit ihrem eigenen Einflussbereich, mit ihren Verbindungen, und alle mit einer tief verankerten lokalen Präsenz. Es gibt nur sehr wenige Nichtregierungsorganisationen auf der Welt, die über eine solche globale Reichweite und Präsenz verfügen.


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