Rotary.org: Aktuelles - Alumni der Rotary-Zentren melden sich zu Wort

 Alumni der Rotary-Zentren melden sich zu Wort

  • Drucken
  • Seite E-mailen

 
 

Global Outlook befragte vier Rotary Peace Fellows zur ihrer Friedensvision. Von links im Uhrzeigersinn: Maria Saifuddin Effendi, Godfrey Mukalazi, Arnoldas Pranckevičius und Cecilia Nedziwe.

1999 richtete die Rotary Foundation die Rotary-Zentren für Internationale Studien im Bereich Friedensforschung und Konfliktlösung ein, um durch die Ausbildung einer neuen Generation von Friedensarbeitern einen Beitrag zur Friedensförderung zu leisten.

In Zusammenarbeit mit acht renommierten Universitäten in sechs Ländern erhalten durch das Programm jedes Jahr bis zu 100 Weltfriedensstipendiaten die Möglichkeit, zu studieren. Im vergangenen Jahr nahmen mehr als 400 Personen, darunter auch eine Vielzahl von Alumni der Rotary-Zentren, am zweiten Weltfriedenssymposium teil, das im Vorfeld zum RI Jahreskongress in Birmingham, England, abgehalten wurde. Wir befragten vier Friedensstifter, die mit Hilfe von Rotary ausgebildet wurden, zu ihren Vorstellungen von Frieden.

Maria Saifuddin Effendi (University of Bradford, England, 2006-08) ist Dozentin am Lehrstuhl für Friedens- und Konfliktforschung an der National Defence University, einem Zentrum für militärische Bildung, in Islamabad, Pakistan.

Godfrey Mukalazi (University of Queensland, Australien, 2004-06) ist Mitbegründer des Great Lakes Center for Conflict Resolution, einem Konfliktlösungszentrum in Kampala, Uganda.

Cecilia Nedziwe (University of Queensland, Australien, 2006-08) ist Direktorin am Centre for Peace Initiatives in Africa, einer regionalen Friedensorganisation in Harare, Simbabwe.

Arnoldas Pranckevičius (Sciences Po, Frankreich, 2002-04) ist Leiter des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten im Europaparlament in Brüssel.

Global Outlook: Was lässt Sie hoffen, dass Frieden erreicht werden kann?

Maria Saifuddin Effendi: Auf internationaler Ebene geben mir Einsätze von Wohltätigkeitsorganisationen sowie Sozialfürsorge und Sozialdienst Hoffnung. Frieden wird erreicht, wenn man sich um menschliche Sicherheitsbedürfnisse kümmert, angefangen bei Nahrung und Trinkwasser, über Umweltschutz bis hin zu wirtschaftlichem Wohlstand und kostenlosen Bildungsmöglichkeiten. Wenn man dies erkennt und diese Themen angeht, werden die Menschen als Folge auch weniger kämpfen und es werden sich viele Konflikte in der Welt lösen.

Godfrey Mukalazi: Geschichten zu erfolgreich gelösten Konflikten und Friedensaufbau auf der ganzen Welt geben mir große Hoffnung, dass unsere Bemühungen eines Tages Früchte tragen werden. Auch wenn Frieden nicht in einem bestimmten Zeitraum erreicht werden kann, so werden unsere täglichen kleinen Beiträge eines Tages doch einen Wandel hervorrufen.

Arnoldas Pranckevičius: Mir gibt das Beispiel der Europäischen Union, in der ich lebe und für die ich arbeite, die größte Hoffnung. Der EU ist es gelungen, Frieden, Stabilität und Demokratie auf einem Kontinent zu festigen, der noch vor einem Jahrhundert Schauplatz der beiden zerstörerischsten Kriege und Herrschaftsraum der brutalsten totalitären Regime in der Weltgeschichte war. Das lässt mich hoffen, dass Frieden möglich ist.

GO: Was ist bei ihrer Arbeit das größte Hindernis beim Lösen von Konflikten und dem Erreichen von Frieden?

Cecilia Nedziwe: Hindernisse auf dem Weg zum Frieden gibt es auf verschiedenen Ebenen. In Simbabwe ist beispielsweise viel aufgrund von Fehlinformationen oder Informationsmangel von Seiten polarisierter, gespaltener und politisierter Medien schief gelaufen. Die Reform der dortigen Medien ist ein sehr dringendes Thema.

Mukalazi: Im Bezug auf mein Land ist eines der größten Hindernisse die dortige schlechte Führung. Ungeeignete Politiker haben durch eine Fehlverwaltung der staatlichen Angelegenheiten, den Missbrauch von Staatsgeldern und die Unterdrückung der Opposition Konflikte heraufbeschworen und eskalieren lassen. Sie haben versäumt für ihre Bürger notwendige Sozialleistungen zu schaffen und dadurch Konflikte ausgelöst.

GO: Was glauben Sie, können die Rotarier, als Einzelpersonen oder durch Club-Projekte, tun, um den weltweiten Frieden voranzutreiben?

Effendi: Das Programm der Rotary Weltfriedensstipendien ist eine hervorragende Initiative der Rotarier. Profitieren kann man davon jedoch erst, wenn man sich in einem harten internationalen Wettkampf durchgesetzt hat. Ich würde den Rotary-Clubs gerne vorschlagen, zehntägige Friedensworkshops auf regionaler Ebene einzuführen, an denen Studenten und Berufstätige aus dem Konfliktlösungs- und Fr iedensforschungsbereich teilnehmen können und durch die das Thema Frieden in konfliktanfällige Gebiete getragen wird. So können die Menschen aufmerksam gemacht und besser informiert werden.

GO: Die Menschheit war schon immer in Konflikte verwickelt, weshalb manche Leute der Meinung sind, dass Frieden nur möglich ist, wenn sich die menschliche Natur ändert. Warum glauben Sie, dass dies möglich ist?

Nedziwe: Ich bin kein Quäker, aber ich vertrete deren Meinung, dass jeder Mensch und jeder Glaube seine Bedeutung und Daseinsberechtigung hat und dass durch Menschenliebe Gewalt und Ungerechtigkeit bezwungen werden können. Ich glaube, dass Frieden von der Kraft der Liebe vorangetrieben werden sollte und das wird auch die menschliche Natur ändern. Das ist eine herausfordernde und gewaltige Aufgabe. Die Rotary Foundation geht mit gutem Beispiel voran, indem sie sich für die [Ausrottung] von Polio, die Versorgung von Gemeinwesen mit sauberem Wasser und die Stärkung junger Menschen durch Bildungsmöglichkeiten einsetzt. Das sind alles Bemühungen, die sehr lobenswert sind und die fortgesetzt werden sollten.

Effendi: Menschen sind nicht von Natur aus zerstörerisch veranlagt. Wenn Menschen durch soziale Raster fallen und durch andere Menschen unterdrückt werden, dann erheben sie ihre Stimme gegen wirtschaftliche, politische oder soziale Missstände. Wenn sie dann nicht gehört werden, ruft dies Frustration hervor. Unsere Aufgabe ist es, ein Umfeld zu schaffen, das es allen Menschen ermöglicht, sich voll zu entfalten.

GO: Welche kürzlichen Ereignisse empfinden Sie als aufmunternd?

Nedziwe: Im Fall von Simbabwe hat die Schaffung einer Regierung, die Vertreter alle Gruppierungen einschließt, trotz aller Herausforderungen der letzten Jahre, viele erleichtert. Auch wenn die erste Konferenz für alle Interessengruppen durch Aufrührer gestört wurde, bestehen große Hoffnung und der politische Wille unter den Parteien eine von der Bevölkerung mitbestimmte Verfassung zu schaffen. Zudem sind die Initiativen der alle Gruppen umfassenden Regierung zu loben, durch die nationale Aussöhnung und Integration vorangetrieben werden sollen, auch wenn die Aufrichtigkeit der Regierung manchmal in Frage gestellt werden muss.

Pranckevičius: Ich frage mich oft, wie die Welt in 20 bis 50 Jahren aussehen wird. Wird es dann starke internationale Einrichtungen und ein allgemein geltendes internationales Recht geben oder viele verschiedene nationale Interessen und Länder im Alleingang? Wird eine nachhaltige Entwicklung stattfinden und jeder von den Errungenschaften der Globalisierung profitieren können oder wird wirtschaftlicher Protektionismus, wachsende Ungleichheit und steigende Armut, z.B. in Afrika, vorherrschen? Es ist [entscheidend], dass wir eine langfristige Vision für unsere Welt entwerfen und uns darüber bewusst werden, welchen Weg wir in Zukunft einschlagen wollen. Die gemeinsamen Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, die überwältigenden Herausforderungen der weltweiten Wirtschaftskrise und des Klimawandels zu meistern, gibt Anlass zur Hoffnung, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Mukalazi: Die Aussöhnungsbemühungen mit den Aboriginies in Australien, der politische Trend in den Vereinigten Staaten und die Situation in Südafrika sind alles Anzeichen für eine weltweit stattfindende Verständigung.

Download der Gesamtausgabe von Global Outlook -- Fokus Frieden.


Kommentar hinzufügen

* zeigt Feld mit Pflichteingabe an