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Die Ruanda Connection


 
 

Schüler kommen aus dem ganzen Land, um in der Sonrise School in Ruhengeri, Ruanda, zu lernen. Fotos: Thomas Rippe.

In einem kühlen Keller mitten in Zentralafrika hat der anglikanische Bischof John Rucyahana ein Computerlabor eingerichtet, in dem er in dem populären Computer-Gemeinschaftsprogramm Facebook eine Gruppe mit Namen "Bridge 2 Rwanda", Brücke nach Ruanda, betreibt. An diesem Tag ist er gerade per Online-Computerverbindung in den USA, um dort für Hilfe für eine ganze Generation von Waisen, die Opfer des 1994 in Ruanda stattgefundenen Völkermordes, zu werben. Viele dieser Kinder gehen heute zur Sonrise-Schule, die nur einen kurzen Feldweg von seiner Computerstation entfernt ist.

Bridge 2 Rwanda ist nicht nur eine Online-Gruppe, sondern auch eine gemeinnützige Organisation mit Sitz im amerikanischen Arkansas. Damit koordiniert Rucyahana die Unterstützung für die Sonrise-Einrichtung, die zugleich Waisenhaus und Internat ist. Unterstützt wird das Projekt auch von Mitgliedern der Rotary Clubs Denver Southeast und Westminster 7:10 (Colorado), die das Computerzentrum ausstatteten und Mittel für die Lehrkräfte aufbrachten.

Rucyahana eröffnete seine Schule 2001 für die bedürftigsten der Waisen aus den umliegenden Distrikten, mit dem Ziel, ein Signal für den Rest des Landes zu setzen. Innerhalb von ein paar Jahren mauserte sich die Schule zur besten des Landes. Heute verfügt sie neben der Grundschule auch über eine Sekundarstufe. 

Wohlhabende Familien aus Kigali und anderen Städten bezahlen hohe Schulgebühren für den Besuch ihrer Kinder. Dort sitzen sie dann zusammen in einer Klasse mit Kindern, die ihre Eltern vielleicht durch Krankheiten oder durch die unvorstellbaren Grausamkeiten des Bürgerkrieges verloren haben. Die Sonrise-Schule stellt auf gewisse Weise ein zentrales Stück der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Ruandas dar, indem sie der ruandischen Jugend eine Ausbildung bietet, die sie braucht, um mit westlichen Standards mithalten zu können.

"Als diese Kinder zuerst zu uns kamen, wussten sie gar nichts. Sie wussten nicht einmal, wie sie sich waschen oder anziehen sollten", sagt Joy Ruberwa, die die Schule managt, und lächelt: "Heute sind sie neue Menschen." Fast 600 Grundschul- und 350 Oberschüler besuchen heute die Schule. Sie wohnen in Schlafräumen der Schule, die zudem über eine volle Bibliothek, zwei Cafeterias, und einen gepflegten Campus verfügt und fast an ein Kibbuz erinnert. Der größte Schatz aber ist das von Rotariern ausgestattete Labor mit 180 an das Internet angeschlossenen Computern. Damit setzt die Schule ein Beispiel für das ganze Land.  

Das Erlernen von Computerkenntnissen in jungen Jahren wird einen Riesenunterschied für den weiteren Lebensverlauf dieser ruandischen Kinder ausmachen. Bischof Rucyahana sagt dazu: "Wir bilden keine Jobsucher aus, sondern Anbieter." Und die Anstrengung zahlt sich bereits aus. Im letzten Jahr wählte das Internetunternehmen Google die Länder Ruanda und Kenia als afrikanisches Testgebiet für sein Internet-Anwendungspaket (Gmail, Google Earth, Picasa, etc.). Schon jetzt haben bereits junge Programmierer Firmen gegründet, die Internet-Dienste anbieten und den Ruanda-eigenen Gorilla 1000 Desktop-PC bauen.

Die Betonung des wissenschaftlichen Unterrichts dient aber nicht nur dazu, die richtige wirtschaftliche Nische für das Land zu finden. Es soll auch am Bewusstsein gearbeitet werden und an Einstellungen zur "Wahrheit", die zu Ignoranz, Vertrauensseligkeit und letztlich zur politischen Katastrophe geführt hatten. "Die Schule ist der Kern, um den sich Schüler, Eltern, Lehrer und die Kommune organisieren" sagt dazu National Exam Council Secretary John Rutayisire. "Wenn eine Schule diese Interaktionen nicht bewältigen kann, können Hassideologien in den Köpfen der Schüler Fuß fassen." Bewusstseinsarbeit beginnt im Klassenzimmer und endet in den Schlaf- und Aufenthaltsräumen. Schüler sind Individuen, die zur Schule gehören --- nicht zu einem Distrikt, einem Stamm, einem Dorf.

Der Sozialkundelehrer John Nzayisenga sagt, dass es gleichzeitig eine Last und ein Privileg ist, Geschichte zu unterrichten. "Wir haben viele Kinder hier, die schlimme Erinnerungen an die Geschichte mitbringen. Wir predigen daher eine geteilte Vergangenheit, aber eine gemeinsame Zukunft." Und nach einer Weile fährt er fort: "Die Informatik hilft uns da, weil sie uns eine Gemeinsamkeit ermöglicht, die wir vorher nicht kannten."

Dieser Artikel erschien ursprünglich in The Rotarian


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