Präsidentenbriefe
Mai 2013
Liebe Rotarierinnen und Rotarier,
vom Moment meiner Nominierung als RI-Präsident an war mir klar, dass ich ein Motto mit einem Friedensbezug wählen würde. Daher plante ich auch drei Friedensforen – um Rotariern einen Anlass zu geben, über Frieden nachzudenken, über Frieden zu sprechen, und um Ideen zu für das Erreichen einer friedlichen Welt zu entwickeln. In diesem Monat findet das letzte der drei Veranstaltungen in Hiroshima statt.
Wir hören das Wort Frieden jeden Tag. Doch die meisten von uns verbringen nicht sehr viel Zeit damit, darüber nachzudenken, was Frieden eigentlich ist. Auf der simpelsten Ebene können wir Frieden als das definieren, was es nicht ist. Es bedeutet die Abwesenheit von Krieg, Gewalt, Angst. Es bedeutet, dass wir nicht in Gefahr sind, Hunger zu leiden, verfolgt zu werden oder in Armut leben zu müssen.
Doch wir können den Begriff Frieden auch als das definieren, was es ist und besser noch, was es sein kann. Frieden, das kann Gedanken- und Redefreiheit bedeuten, die freie Meinungsäußerung und die Freizügigkeit, den Wohnort wählen zu dürfen. Es kann Selbstbestimmung bedeuten ebenso wie Sicherheit und Zukunftsvertrauen. Und ein Leben in einer stabilen Gesellschaft. Und auf abstrakterer Ebene bedeutet es Glück, Heiterkeit und innere Ruhe.
Wie auch immer wir das Wort gebrauchen und verstehen wollen, Rotary hilft uns dabei, Frieden zu realisieren. Wir erfüllen menschliche Grundbedürfnisse, Krankenversorgung, Nahrung, Wasser, sanitäre Anlagen, Ausbildung. Wir wenden uns auch inneren Belangen zu und sorgen für Freundschaften und Verbindungen, für Aufgehobensein. Und wir sorgen für Frieden im traditionellen Sinne, indem wir Konfliktursachen ausschalten. Wir bauen Brücken zwischen Menschen und fördern die Toleranz zwischen Kulturen und Nationen. Wir sorgen dafür, dass wir einander verstehen.
Wie auch immer wir Frieden umreißen, wir können ihn durch unser persönliches Engagement näher bringen. Peace through Service - Frieden durch Einsatz ist daher ein Motto für ein reales – und realistisches – Ziel für Rotary. Frieden ist nicht etwas, das nur durch Verträge, Regierungsakte und heroische Einsätze erwirkt wird. Es ist etwas, das wir jeden Tag, auf ganz einfache Weisen, finden und erreichen können.
Und daher danke ich Ihnen für Ihr Engagement und Ihren Einsatz für den Frieden – und für das rotarische Ziel einer friedlicheren Welt.
April 2013
Liebe rotarische Freundinnen und Freunde,
Rotary ist eine internationale Organisation, und wenn ich für Rotary auf Reisen bin, spreche ich normalerweise Englisch. Doch seit meiner letzten Englischprüfung ist viel Zeit vergangen und wenn ich in Evanston bin, habe ich immer eine Dolmetscherin an meiner Seite. Es ist wichtig, bei einem Treffen jedes Wort zu verstehen, und es ist ebenso wichtig, dass die Mitarbeiter verstehen, was ich sage und meine.
Es war eine ganz neue Erfahrung für mich, in japanischer Sprache zu einer Gruppe zu sprechen, und dann meine Worte in Englisch wiederholt zu hören. Selbst jetzt ist das noch interessant. Ich höre neue Möglichkeiten, mich auf Englisch auszudrücken, und ich habe eine Ahnung, wie es sein muss, nicht Japanisch zu verstehen.
Doch der interessanteste Moment ergab sich bereits früh in meinem Amtsjahr als Präsident elect, als ich mich in einem Meeting mit Rotary Mitarbeitern befand. Um sicherzugehen, dass wir gut kommunizieren würden, war meine Dolmetscherin dabei, um das, was ich auf Japanisch sagte, auf Englisch zu wiederholen. Es war ein angenehmes und produktives Treffen.
Danach kam ein Mitarbeiterin zu mir und sagte: „Es ist mir aufgefallen, dass Sie oft ein Wort verwenden, das Wort ichiban. Ich wüsste gerne, was es bedeutet.“ Ich antwortete ihr, dass im Japanischen ichiban keine Philosophie oder ein komplexes Gedankengebilde umfasse. Es bedeutet einfach, der oder die oder das Beste zu sein.
Doch es machte mich nachdenklich. Von allen gesprochenen Worten, die sie wieder und wieder gehört hatte, hatte sich ihr dieses Wort eingeprägt. Es war mir nicht klar gewesen, dass ich es so oft verwendet hatte. Und doch bedeutet ichiban essentiell, wie ich meine Arbeit als Rotarier und meine Funktion als Präsident von RI sehe.
Für mich bedeutet der Dienst in Rotary, ihn ichiban, bestmöglich zu vollbringen. Es bedeutet, sein Bestes zu tun, das Beste aus sich herauszuholen. Es bedeutet, so hart wie möglich zu arbeiten, und sich mit allen Kräften einzusetzen – für das Wohl anderer.
Im Wörterbuch steht für ichiban nur lapidar „das Beste“. Doch in Rotary bedeutet „das Beste“ etwas anderes. Es bedeutet Selbstloses Dienen. Es bedeutet, dass dieser Leitspruch all unser Denken bestimmt. Es bedeutet, die eigenen Leistungen selbstkritisch anzusehen, nicht in Bezug auf das, was es uns kostet, sondern in Bezug auf das, was wir damit geben können.
Auf diese Weise werden wir zu immer mehr Engagement inspiriert. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass unser Einsatz in Rotary ichiban ist – und dass wir damit dem Frieden dienen.
März 2013
Liebe rotarische Freundinnen und Freunde,
als ich ein junger Mann war, wollte ich gerne die Welt bereisen. Allerdings konnte ich in jenen Jahren davon nur träumen. Die Welt außerhalb Japans erschien unerreichbar fern. Doch wie alle japanischen Schüler lernt auch ich Englisch in der Schule. Ich erinnere mich noch an mein erstes Englischbuch. Auf der ersten Seite stand: “This is a pen“. Das war vor fast 50 Jahren, und die Welt hat sich seitdem dramatisch verändert. Und als Präsident von Rotary reise ich heute mehr durch die Welt, als ich mir je hätte träumen lassen.
An jedem neuen Ort finde ich eine neue Sprache vor, neue Menschen, neue Gepflogenheiten. Und ich tue mein Besten, von allen zu lernen. Ich glaube, dass man von jeder Person etwas zu lernen hat. Vielleicht verstehe ich darum den Rotary Youth Exchange besser, und was für ein großes Geschenk Rotary jungen Menschen damit macht. Der Jugendaustausch macht aufgeschlossen gegenüber dem Neuen, er baut Selbstvertrauen und Kommunikation auf. Und er führt Jugendliche aus verschiedenen Ländern wirklich zusammen.
Junge Menschen, die an einem Rotary Youth Exchange teilnehmen, lernen viele wichtige Dinge. Vor allem, dass Menschen trotz aller Verschiedenheit gleich sind. Und sie entwickeln nicht nur ein besseres Verständnis für die Welt, sondern auch eine Wertschätzung für das, was uns alle eint. Sie kehren als andere Menschen von dem Austausch zurück.
Sie sind nicht mehr auf eine Sprache und Kultur fixiert, sie haben nun Verbindungen mit dem Gastland, mit ihren Austauschpartnern, ja sie sind sogar Teil der Gastfamilie geworden. Und sie sind damit Teil der Familie von Rotary – der größten und internationalsten Familie der Welt.
Rotarys Jugendaustauschprogramm hat über 40 erfolgreiche Jahre hinter sich, und es gehört nun, gemeinsam mit Interact, Rotaract, Rotary Youth Leadership Awards und vielen anderen Jugendinitiativen, zu unserem fünften Dienstzweig: New Generations – Neue Generationen.
Wenn wir uns der Jugend zuwenden, denken wir zugleich an die Zukunft von Rotary und an unsere Arbeit für eine friedlichere Welt von morgen. Der Jugenddienst bedeutet für Rotary einen lebenswichtigen Kontakt zur Nachfolgegeneration. Und wenn wir dieser Generation unser Eintreten für Völkerverständigung und den Nächstendienst und unsere Grundwerte vermitteln können, dann leisten wir Zukunftsfriedensarbeit.
Youth Exchange spielt eine essentielle Rolle in der globalen Friedensmission von Rotary, und wir arbeiten dieser Mission effektiv zu – Austausch für Austausch.
Februar 2013
Sehr geehrte Rotarierinnen und Rotarier,
im Dezember hatte ich die Gelegenheit, auf dem ersten von drei geplanten Rotary Global Peace Forums zu sprechen. Das Motto des ersten Forums war „Peace Without Borders“ und fand in Berlin statt. In Berlin befindet sich auch die Berliner Friedensuhr, ein drei Meter hohes und zwei Tonnen schweres Kunstwerk, auf dem die Worte Zeit sprengt alle Mauern eingetragen ist.
Diese Uhr wurde am 9, November 1989 enthüllt. Das war auch ausgerechnet der Tag, an dem endlich die Berliner Mauer fiel. Das war ein wunderbarer und zugleich bezeichnender Zusammenfall. In dem Moment, in dem sich die Zeiger zu bewegen begannen, erging der Befehl zur Öffnung der Grenzübergänge. Die Inschrift bewahrheitete sich auf ungeahnte Weise, und die Uhr wurde Zeitzeugin ihres eigenen Anliegens.
Bei Rotary unterscheiden wir unsere Arbeit nicht nach Nationen, Kulturen, Sprachen. Es spielt keine Rolle, was in unseren Reisepass gedruckt ist. Was zählt, ist die Tatsache, dass wir alle an den Leitspruch des Selbstlosen Dienens glauben. Und doch: selbst in Rotary kann man leicht darin verfallen, in Länder- oder Gemeinbegriffen zu denken. Dieses Projekt mag jemandem Zuhause helfen, jenes jemandem in Deutschland, oder Kenia, oder Südafrika. Und manchmal denken wir in anderen Abgrenzungen: Jugend, Ältere, Hungernde, Kranke, Behinderte.
Selbstloses Dienen kennt keine Grenzen. Wenn wir unserem Nächsten dienen, beschränkt sich unser Einsatz nicht nur auf unser Gemeinwesen, oder das Gemeinwesen, dem wir helfen. Und wir helfen nicht nur den Jungen. Oder den Alten, oder den Kranken, oder dieser Schule oder jenem Waisenhaus. Wenn wir dienen, dienen wir der Menschheit. Und die Wirkung unseres Tuns wirkt nach.
Mit dem Selbstlosen Dienen treffen wir eine Wahl. Wir entscheiden uns, dass uns die Nöte anderer Menschen wichtiger sind als unsere eigenen Belange. Wir sagen bewusst: Deine Probleme sind jetzt auch meine Probleme, und ich will dir damit helfen.
Rotary bringt Frieden, indem wir uns den Nöten annehmen, die Konflikte verursachen: der verzweifelten Suche nach Trinkwasser, nach Nahrung, nach einer Versorgung von Wunden und Krankheiten. Wenn wir diese Missstände abstellen, schaffen wir Möglichkeiten. Und damit Hoffnung. Und Hoffnung kennt ebenfalls keine Grenzen. Hoffnung bereitet den Boden in einem Garten, in dem Frieden gedeihen kann.
Frieden durch Einsatz - unser persönliches Engagement bringt das Beste aus uns heraus. Es zeigt uns die Grenzen auf, die wir uns in unseren Köpfen gebaut haben, und es hilft, diese Mauern einzureißen.
Januar 2013
Liebe rotarische Freundinnen und Freunde,
Ich bin ein japanischer Geschäftsmann, und ich trage fast jeden Tag einen Geschäftsanzug. Und die Rotary Nadel ist stets am Revers, denn ich bin stolz darauf, Rotarier zu sein. Überall wohin ich gehe, können die Menschen anhand der Nadel sehen, wer ich bin. Andere Rotarier erkennen mich daran als Freund, aber auch andere Menschen nehmen mein Abzeichen wahr. Und ich will sicher gehen, dass sie alle die Bedeutung dieser Nadel erkennen.
In diesem Sinne möchte ich auch Sie bitten, immer Ihre Nadel zu tragen und immer bereit zu der Erklärung sein, wofür sie steht. Ich bin überzeugt, dass diese Nadel am Revers verändert. Man denkt nach, bevor man das Wort ergreift und handelt. Man wird stets erinnert an seine rotarische Identität – und dass man als Rotarier hilft.
Wir alle sollten bereit sein, über Rotary zu reden, für uns zu werben. Wenn Sie auf die Anstecknadel angesprochen werden, antworten Sie gerne. Was ist Rotary? Was tut Rotary? Seien Sie darauf vorbereitet, diese und andere Fragen zu beantworten.
Wir können nicht einfach auf prospektive Mitglieder zugehen, und Sie zum Beitritt einzuladen, nur weil wir über mehr Mitglieder verfügen wollen. Wir müssen zeigen können, was für eine wunderbare Organisation Rotary ist, und dass die richtigen Menschen hier glücklicher würden, wenn sie einem Rotary Club angehörten.
Wenn wir schließlich Menschen eine Mitgliedschaft antragen, so tun wir das auch, um ihnen zu helfen. Ich bin sicher, wir alle sind derjenigen Person dankbar, die uns in Rotary einführte. Ich weiß ganz bestimmt, dass mein Leben glücklicher und produktiver ist – durch Rotary. Mir ist klar, dass ich an dem Tag, an dem ich dem Rotary Club Yashio beitrat, einen gänzlich anderen Lebenspfad beschritt: einen Pfad zu mehr Verbundenheit, größerer Befriedigung und einem tieferen Sinn der Selbsterfüllung und des inneren Friedens.
Und diese Gefühle möchte ich mit anderen teilen. Und ein Weg, dies zu tun, ist durch neue Mitglieder. Doch zugleich sind wir in der Pflicht, mehr über Rotary und unser Werk aufzuklären, indem wir uns auf unser öffentliches Image konzentrieren – und indem wir täglich stolz unsere Rotary Nadel tragen.
Dezember 2012
Liebe rotarische Freundinnen und Freunde,
das Jahr 2012 ist fast vorüber und wir haben die Mitte unseres Rotary-Jahres erreicht. Es ist an der Zeit, Bilanz zu ziehen zu den Zielen, die wir uns gesetzt haben und den Fortschritten, die wir bisher machen konnten. Befinden wir uns auf dem richtigen Weg, das zu erreichen, was wir uns vorgenommen haben?
Ich glaube ganz fest an das Setzen von Zielen, die zwar hoch, aber dennoch realistisch sind. Ein lohnendes Ziel sollte erreichbar sein, einem jedoch auch etwas abverlangen. Durch das Öffnen gegenüber einer neuen Herausforderung erfahren Sie, was Sie wirklich schaffen können – und das kann manchmal mehr sein, als Sie denken.
Am 1. Juli gehen wir die neuste Herausforderung für unsere Organisation an: die weltweite Einführung des Future Vision Plans, dem neuen Grant-Modell unserer Rotary Foundation. Wir haben uns bei Rotary ein einfaches und wichtiges Ziel gesetzt: so viel Gutes zu tun, wie es uns mit den Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, möglich ist. Um dies zu erreichen, versuchen wir Kosten zu senken, die Übernahme von Verantwortung, Transparenz und lokaler Kontrolle zu verbessern und uns intensiver auf die Bereiche zu konzentrieren, in denen wir die meisten Ergebnisse erzielen können.
Mit Future Vision werden wir eine vereinfachte Grant-Struktur implementieren, die Rotarier dazu anregt, in unseren sechs Schwerpunktbereichen zu dienen: Frieden und Konfliktvermeidung/-lösung, Krankheitsvorsorge und –behandlung, Wasser und Hygiene, Gesundheit von Mutter und Kind, Elementarbildung/ Lesen und Schreiben sowie Wirtschafts- und Kommunalentwicklung. Dies sind die Bereiche, in denen sich Rotarier und Rotarierinnen weltweit bereits seit Jahren engagieren und in denen wir Erfahrungen haben und Projekt-Nachhaltigkeit schaffen konnten.
Nachhaltigkeit ist einer der Hauptschwerpunkte unter Future Vision. Wir werden uns mehr auf langfristige Projekte mit nachhaltigen Ergebnissen konzentrieren. Ganz einfach gesprochen ist ein nachhaltiges Projekt ein Projekt, von dem die Welt auch dann noch profitiert, wenn die Mittel von Rotary aufgebraucht sind. Das beste Beispiel hierfür ist natürlich die Ausrottung der Kinderlähmung: das Gute, das wir vollbracht haben werden, nachdem die Kinderlähmung beseitigt ist, wird für immer anhalten – auch noch Jahrhunderte nachdem die letzte Polio-Impfung verabreicht wurde. Dazu kommt, dass das, was wir durch PolioPlus lernen konnten, allgemeine Gültigkeit besitzt. Für ein nachhaltiges Projekt muss der Schwerpunkt auf der Planung und Kooperation liegen, auf einer langfristigen Perspektive und dem Einbezug der Mitglieder eines Gemeinwesens, die unsere Partner sein müssen, nicht passive Empfänger.
Die Annahme von Future Vision bedeutet auch Rotary ehrgeiziger zu betrachten und uns vorzunehmen große Herausforderungen anzugehen und diese dauerhaft zu lösen. Es ist eine neue Art, unseren Dienst zu sehen und eine Herangehensweise durch die meiner Meinung nach unsere Foundation stärker denn je zuvor in der Lage sein wird, Gutes in der Welt zu tun.
November 2012
Liebe Rotarierinnen und Rotarier,
unsere Rotary Foundation kann auf viele verschiedene Weisen beschrieben werden. Wenn ich jedoch an unsere Foundation denke, dann denke ich im wahrsten Sinne des Wortes an sie als das Fundament von Rotary als Ganzem.
Wir denken nicht sehr oft über den Boden unter unseren Füßen nach. Wir denken nicht sehr oft über die Wände, die unser Haus tragen nach. Wir nehmen sie für selbstverständlich. Wir fangen erst dann an über sie nachzudenken, wenn sie fehlen.
Vor nicht allzu langer Zeit wurde den Menschen in Japan der Boden unter den Füßen weggezogen. Am Freitag, den 11. März 2011 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9 Japan bis ins Mark. Über 15.000 Menschen kamen ums Leben, beinahe 6.000 wurden verwundet und weitere 4.000 bleiben weiter vermisst. Der Gesamtverlust der Katastrophe wird auf über 300 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Innerhalb weniger Stunden verloren eine halbe Millionen Menschen in einem der reichsten und am meisten entwickelten Länder der Erde alles. Sie wurden aus einem Leben in Komfort und Sicherheit herausgerissen und standen plötzlich vor einer unsicheren Zukunft in Schulturnhallen, Zelten und zerstörten Gebäuden.
In Japan sind wir Erdbeben gewöhnt. Wir dachten, wir seien auf alles vorbereitet. Niemand hätte jemals so etwas kommen sehen.
Was an diesem Tag geschah veränderte Japan und das Leben eines jeden der dort lebt. Es machte uns bewusst, wie zerbrechlich unser Leben ist. Und es hat mir gezeigt, wie wenig mich von den Menschen unterscheidet, denen ich durch Rotary helfe.
Zu oft betrachten wir die Menschen, denen wir durch unsere Foundation helfen, als anders. Sie leben weit entfernt. Ihre Sprachen und Kulturen sind uns fremd. Wir wissen nicht wie es ist, kein fließend Wasser, keine Sanitäreinrichtungen, keine Gesundheitsversorgung, keine Bildung zu haben. Wir sehen uns Bilder an und wir lesen Artikel in den Nachrichten über Armut, Kriege und Katastrophen. Wir sehen die Menschen, die diese Dinge durchleben müssen aus weiter Ferne. Wie es wirklich ist, an ihrer Stelle zu sein, ist jedoch schwer nachzuvollziehen.
Ich versichere Ihnen jedoch heute, dass uns von diesen Menschen rein gar nichts unterscheidet. Wir sind alle gleich. Nur die Umstände in denen wir leben sind anders.
Durch unsere Foundation haben wir die Möglichkeit, das Motto unserer Foundation zu leben: Gutes tun in der Welt. Durch diese unsere Stiftung können wir so viel mehr Gutes tun, als wir es jemals alleine könnten. Und dies bedeutet so viel – so viel für Menschen, die genauso sind wie wir.
Oktober 2012
Liebe rotarischen Freundinnen und Freunde,
jeder Rotarier und jede Rotarierin ist anders, und jedes unserer Mitglieder trat Rotary aus einem persönlichen Grund bei. Viele erinnern sich noch genau an ihren ersten “Rotary Moment” – dem Moment, als sie aus vollem Herzen Rotarier wurden.
Ich freue mich immer, wenn ich diese Geschichten höre. Für die einen war es ein rotarisches Amt, für die anderen ein bestimmtes Projekt oder ein Jahreskongress. In meinem Fall war es ein Vortrag während eines ganz normalen wöchentlichen Treffens des Rotary Clubs Yashio, circa zwei Jahre, nachdem ich beigetreten war.
Ich bin Gründungsmitglied meines Clubs und wurde damals vom Gründungspräsidenten zum Beitritt eingeladen. Von Rotary hatte zuvor noch nie etwas gehört - und auch was der Begiff des “Dienens” bedeutete, war mir nicht geläufig. Ich war jedoch gerade erst von Tokio nach Yashio gezogen und kannte noch nicht sehr viele Leute. Also dachte ich mir, dies wäre eine gute Gelegenheit, um Freunde kennenzulernen und um mein Geschäft voranzubringen. Zudem hielt ich große Stücke auf die Person, die mich eingeladen hatte. Also trat ich bei.
Um jedoch ganz ehrlich zu sein, unternahmen wir in den ersten zwei Jahren nicht sehr viel. Jede Woche ging ich zu meinem Treffen, aß zu Mittag und hörte mir die Präsentationen an. Ich bezahlte meine Beiträge und spendete an die Rotary Foundation, doch war ich nicht involviert in irgendwelche Dienstaktivitäten. Was Rotary Service genau bedeutete, war mir nicht bewusst.
Das änderte sich, als während eines Treffens ein Sprecher vor unserem Club einen Vortrag über den Berufsdienst hielt. Dies war eine völlig neue Idee für mich. Bis dahin hatte ich nicht viel über den Sinn meines Lebens nachgedacht, geschweige denn darüber, warum ich Unternehmer war. Ich war zu sehr damit beschäftigt, zu arbeiten. Ich konzentrierte mich ausschließlich auf mein Geschäft und wie ich es vergrößern und verbessern könnte. Nach einem tieferen Sinn meiner Arbeit hatte ich mich nie gefragt.
Als ich jedoch begann, die Idee des Berufsdienstes zu begreifen, änderte das meine Einstellung gegenüber meiner Arbeit und dem Sinn meines Lebens völlig. Mir wurde klar, dass es im Geschäftsleben nicht nur darum geht, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern darum, einen Beitrag im Gemeinwesen zu leisten, um es zu stärken und das Leben anderer zu verbessern. Als ich das und das Konzept von „Service Above Self“ (dem Selbstlosen Dienen) verstanden hatte, veränderte das mein Leben – und mein Leben im Dienst von Rotary begann. Das ist mein Rotary Moment.
September 2012
Liebe Freundinnen und Freunde in Rotary,
wie Sie wissen, haben wir bei Rotary fünf Dienstzweige. Der fünfte und neueste ist der Dienstzweig Neue Generationen. Es gibt vielfältige Wege, sich in diesem Dienstzweig zu engagieren, und wir stellen Ihnen einige davon in diesem Monat vor.
Alles, was wir zur Bildungsförderung unternehmen, für die Gesundheit von Mutter und Kind, oder für die Familienförderung, fällt in den Bereich der Neuen Generationen. Und natürlich dienen wir auch zukünftigen Generationen von Erdenbürgern, indem wir Ihnen eine poliofreie Welt hinterlassen.
Unsere Programme für Jugendliche und junge Erwachsene: Rotaract, Interact, Rotary Youth Leadership Awards und Rotary Youth Exchange, sind ebenfalls zentrale Bestandteile dieses Dienstzweiges. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass die Jugend von heute die Führungskräfte von morgen stellen wird. Indem wir ihnen heute bei ihrer persönlichen Entwicklung helfen, stellen wir die Weichen für morgen – und für Rotarys Zukunft.
Ich war die meiste Zeit meines Lebens Verkäufer. Doch ich lernte schon vor langer Zeit, dass es nicht ausreicht, gut verkaufen zu können. Man muss immer auch ein gutes Produkt haben. Wenn man ein guter Verkäufer ist, kann man schnell seinen ersten Verkaufsabschluss machen. Aber wenn man kein gutes Produkt hat, bleibt es dabei. Und man macht keinen zweiten Folgeverkauf.
Ebenso ist es nicht genug, neue Mitglieder in Rotary einzuführen. Wir müssen wollen, dass sie bleiben. Wir müssen wollen, dass die neuen jungen Mitglieder uns viele Jahre erhalten bleiben. Wir müssen wollen, dass sie in 10, 20, 30 Jahren Führungsrollen bei Rotary erfüllen.
Und wie tun wir das? Wir müssen auf unser Produkt schauen. Wir müssen Rotary neu sehen lernen. Wenn wir jemanden zu Rotary einladen und ein Nein als Antwort erhalten, dann müssen wir nach dem Warum fragen. Und damit meine ich nicht, dass wir Druck ausüben oder jemanden zur Mitgliedschaft drängen wollen. Vielmehr brauchen wir die Information. Was sind die Hindernisse für eine Mitgliedschaft? Liegt es an den Treffen oder dem Zeitaufwand? Oder ist es etwas, an das wir vorher noch nicht gedacht haben?
Wir müssen Fragen stellen, und wir müssen offen für die Antworten sein. Wir können nicht einfach sagen, dass etwas nicht geht, nur weil wir es noch nie vorher versucht haben. Warum also keine Kinderbetreuung während eines Meetings? Warum keine Familienbeteiligung bei Projekten? Warum keine gelockerten Präsenzanforderungen oder andere Treffzeiten?
Unser Dienstzweig der Jugendarbeit dient den neuen Generationen. Er gewährleistet aber auch, dass auch in zukünftigen Generationen noch das Motto des Selbstlosen Dienens aktuell sein wird.
August 2012
Liebe rotarische Freunde,
Was ist Rotary? Wenn ich Rotariern diese Frage stelle, erhalte ich oft nur vage Antworten. Und als ich mir selbst diese Frage stellte, musste ich zunächst selbst nachdenken. Der August ist der Rotary-Schwerpunktmonat „Mitgliedschaft und Ausbreitung“ und mein Wunsch ist es, dass alle Rotarier eine einheitliche Botschaft darüber vermitteln können was Rotary ist und warum sie Mitglied wurden.
Der Schlüssel für eine wachsende Mitgliedschaft ist, dass jeder einzelne Rotarier davon überzeugt ist, dass es eine gute Sache ist, Rotarier zu sein und dass er dies an andere vermitteln kann. Bei Rotary ist es eher üblich, bescheiden zu sein und Erfolge und Errungenschaften für sich zu behalten. Doch von genau diesen müssen wir den Menschen um uns herum und in der Welt berichten.
Jeder Rotarier hat schon mal einen Moment erlebt, der ihm etwas ganz besonderes bedeutet. Manche nennen dies ihren „Rotary-Moment“. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, diesen Moment mit anderen zu teilen. Fakten und Zahlen können nur so und so viel vermitteln, doch eine persönliche Erfahrung kann einem Türen öffnen und der Beginn für Freundschaften sein.
Aus diesem Grund habe ich mich dafür entschieden, einige Musterbotschaften zu entwerfen, die ich “Rotary-Momente” nenne. Die ein- und drei-minütigen Botschaften sollen Ihnen helfen, die Frage danach, was Rotary ist noch besser zu beantworten.
Um Rotary zu stärken brauchen wir mehr Mitglieder. Doch wenn diese Mitglieder nicht von den Vorteilen der Organisation überzeugt sind und ihre Leidenschaft nicht an andere vermitteln können, dann hat ein Wachstum keine Bedeutung.
Wenn jeder Rotarier glücklich darüber ist, Rotarier zu sein und dies in einer klaren, einheitlichen Botschaft an andere weitergibt – ja, wenn jeder Rotarier weltweit sozusagen eine eigene kleine PR-Agentur wäre – dann wäre der zusammengenommene Effekt gewaltig.
Die Musterbotschaften können kostenlos auf www.rotary.org heruntergeladen werden. Zudem haben Rotarier die Möglichkeit, weitere Materialien zur Mitgliedschaftsförderung bei shop.rotary.org zu bestellen.
Ich glaube, dass der Sinn jedes Menschen ist, anderen zu helfen und etwas für die Gesellschaft zu tun. Sobald die Rotarier die Botschaften einsetzen, wird die Welt noch genauer erfahren, wie Rotary Menschen hilft, nach diesem Vorsatz zu leben. Ich bitte Sie, Ihren Rotary-Moment sowohl mit anderen Rotariern als auch Nicht-Rotariern zu teilen.
Juli 2012
Sehr geehrte Rotarierinnen und Rotarier,
ich gehöre zu der Generation, die nach einem grausamen Krieg in Japan aufwuchs. Es liegt nah, dass meinen Landsleuten der Frieden sehr wichtig ist. Wir mussten sehen, was der Militarismus unserem Land angetan hatte, und wir wurden Zeuge des großen wirtschaftlichen Aufschwungs, den unsere Nation erfuhr, als sie sich für den Weg des Friedens entschied. Nur dadurch konnte Japan wachsen und gedeihen. Es erlaubte Generationen von Kindern, in Sicherheit aufzuwachsen, zur Schule zu gehen, ihre Lebenspläne selbstbestimmt zu gestalten, Und es änderte auf fundamentale Weise unsere Einstellung gegenüber anderen Ländern und Kulturen. Wir wurden veranlasst, aufgeschlossener zu sein, toleranter, verständnisvoller.
Und noch eines wurde uns erlaubt: unsere Energien auf positive Ziele zu richten. Es hat in Japan Tradition, das Wohl der Gemeinschaft über das Wohl des Einzelnen zu stellen. Das gehörte seit jeher zu unserer Kultur. Und es half uns in vielen Katastrophen, so wie der im März 2011, als wir nur durch unsere Disziplin überleben konnten.
Die Lektion, die wir in Fukushima lernten, ist eine positive Lektion, von der die ganze Welt profitieren kann. Wenn wir die Nöte anderer über unsere eigenen stellen, wenn wir uns auf ein gemeinsames Ziel konzentrieren, das allen zugutekommen wird, dann ändert das alles. Es verändert unser Verhältnis zur Welt. Es ändert unsere Prioritäten. Es ändert unser Verständnis von Frieden.
Ich möchte für das Rotary Jahr 2012/13 anregen, dass wir uns auf den Frieden als Ziel konzentrieren, und auf den persönlichen Einsatz eines jeden Mitglieds. Daher betont mein Motto auch den persönlichen Friedenseinsatz: Peace Through Service – Frieden durch Einsatz soll uns in diesem Jahr als Leitspruch dienen.
Im Herzen von Rotary steckt der Glaube an die Kraft des Nächstendienstes. Wenn wir den Dienst am Nächsten zu unserer persönlichen Priorität machen, handeln wir automatisch selbstlos. Wir zeigen Mitleid mit den Geschicken anderer. Wir werden großzügiger, mit unserer Zeit, unserem Geld, unseren Ressourcen. Wir werden offener für andere Denkweisen. Und anstatt zu versuchen, andere zu verändern, erkennen wir an, dass jeder Mensch und jedes Ding uns etwas lehren kann.
Durch den Dienst und den Einsatz für andere werden wir toleranter unseren Unterschieden gegenüber – und dankbarer für die Menschen in unserem Leben. Und Dankbarkeit bringt die Erkenntnis des Guten in jedermann und Verständnis. Und Verständnis zeitigt Respekt füreinander. Und der Respekt bringt uns - Frieden.
Und so kommt es , dass ich Sie bitte, Ihre rotarischen Einsatz in diesem Jahr an dem Motto Frieden durch Einsatz zu orientieren, denn nur durch das persönliche Engagement eines jeden erreichen wir eine friedlichere Welt.
Sakuji Tanaka
Präsident, Rotary International