Präsidentenbriefe
Juni 2012
Sehr geehrte Brüder und Schwestern in Rotary,
der Juni bietet sich an, um über das nunmehr fast vergangene Rotary Jahr zu reflektieren und zugleich auf das neue Jahr zu schauen. Wir schauen zurück auf das Geleistete, messen unsere Fortschritte in Bezug auf die gesetzten Ziele. Doch bei Rotary ist niemals Zeit, zu verweilen oder sich gar auf Lorbeeren auszuruhen. Egal, was wir geleistet haben – es ist immer noch mehr zu tun.
Es gab große Fortschritte in 2011/12. Binota und ich hatten das Glück, viele Teile der Rotary Welt besuchen und die großartige Arbeit der Rotarier sehen zu dürfen. Im Süd-Sudan trafen wir auf Rotarier, die sich trotz der immensen Schwierigkeiten dort nicht von ihren Hilfsplänen abbringen lassen. Die humanitäre Krise ist enorm, es gibt nicht ein einziges funktionierendes Krankenhaus in dem Land. Der Süd-Sudan ist unser neuestes Rotary-Land, und ich bin sicher, dass Freundinnen und Freunde aus aller Welt bald eine helfende Hand reichen werden, um die Probleme anzugehen.
In Uganda war ich erfreut und ermutigt, zu sehen, wie viele Regierungsbeamte auch Mitglieder von Rotary sind, welche ihre rotarischen Ideale mit in den Dienst bringen. Und in Katmandu war es ein überwältigender Eindruck, zu sehen, wie Länder Südasiens – Bangladesch, Bhutan, Indien, die Malediven, Nepal, Pakistan und Sri Lanka – zusammen kamen, um bis 2017 eine Alphabetisierungsrate von 100% zu erreichen.
In Fidschi und Vanuatu sah ich die Anstrengungen von Rotariern, die Kindersterblichkeitsrate zu senken und für sichere Unterkünfte zu sorgen. In Abu Dhabi war ich ermutigt von der Zusage des Bildungsministers der vereinigten Emirate, Scheich Nahayan Mubarak Al-Nahayan, dass man sich auf die Gründung des ersten Rotary Clubs dort freut. Und im chilenischen Valdivia (so nah am Südpol, wie Binota und ich es noch nie waren) konnte ich mich von der vorbildlichen rotarischen Arbeit mit behinderten Kindern überzeugen.
Doch vor allem waren wir jedes Mal überwältigt von der Herzenswärme, die uns bei allen Empfängen entgegen gebracht wurde. Und davon, wie die Ideale von Rotary von unseren Rotarierinnen und Rotariern verinnerlicht und gelebt werden. Ich danke Ihnen dafür, dass ich Ihnen als Präsident dienen durfte, und ich freue mich auf viele weitere gemeinsame Tage in Rotary.
Mai 2012
Liebe Brüder und Schwestern in Rotary,
wenn wir über die Mitgliedschaftsförderung sprechen, ist uns allen klar, dass mit der Einladung neuer Mitgliedskandidaten in unsere Clubs unsere Aufgabe erst beginnt. Um aus einem Neumitglied eine/n Rotarier/in zu machen, bedarf es viel mehr. Und der erste Schritt hierbei ist die Einbeziehung der “Neuen”.
Jedes Clubmitglied sollte wissen, dass es nicht nur gebraucht wird, sondern dass man sich auf ihn oder sie verlässt. Jeder sollte eine Rolle, eine Aufgabe im Club haben. Warum sind wir schließlich in Rotary? Weil wir etwas erreichen wollen. Gut, der Service macht uns Spaß, aber da muss mehr sein, um sich Woche für Woche und Jahr für Jahr dieser Sache zu verpflichten. Es ist das Bewusstsein, dass wir etwas tun können, dass wir in der Lage sind, zu helfen –– das ist es letztendlich, was uns bei der Stange hält, und warum wir Rotary so viel Zeit opfern, trotz all unserer anderen Verpflichtungen. Und daher müssen wir alle, egal wie lang wir schon dabei sind, immer bereit sein, als Rotarier weiter zu wachsen, neue Wege zum Nächstendienst zu finden, und die positiven Veränderungen zu erreichen, die wir erreichen können. Das ist es, mehr als alles andere, was es wert macht, zu Rotary zu gehören.
Ob Neumitglied oder Veteran, im rotarischen Dienst gibt es immer noch mehr für alle zu tun, auf der Clubebene, auf der Distriktebene, und darüber hinaus. Rotarian Action Groups sind eine wunderbare Möglichkeit, ihre fachlichen Fähigkeiten einzubringen und dabei mit rotarischen Freundinnen und Freunden aus aller Welt zugunsten eines gemeinsamen Ziels zu interagieren. Ob Ihre Kenntnisse im Finanzwesen angesiedelt sind, im medizinischen oder einem technischen Bereich – wahrscheinlich gibt es dafür eine Rotary Aktionsgruppe, die auch zu Ihnen passt. Und falls nicht: warum nicht selbst eine solche Gruppe ins Leben rufen? Dazu finden Sie weitere Informationen bei www.rotary.org/actiongroups.
Rotary basiert heute wie seit ehedem auf den Clubs. Es ist nicht der Zweck von Rotary International, über die Clubs zu bestimmen, sondern sie zu verbinden, zu informieren, zu unterstützen. Jeder von uns entscheidet individuell, wo und wie wir uns engagieren und einbringen. Und daher appelliere ich an Ihre ganz persönlichen Ambitionen und Visionen. Öffnen Sie sich den Herausforderungen unserer Welt, und nutzen sie die Stärke Rotarys, diese anzunehmen und zu überwinden. Wenn wir alle in uns schauen und unsere innere Kraft für den Nächstendienst entfalten, dann können wir Unmögliches möglich machen.
April 2012
Liebe Brüder und Schwestern in Rotary,
in dieser Ausgabe lesen Sie, was Rotary zur Bekämpfung des Hungers als einem der dringendsten humanitären Probleme tut. Ich glaube; es ist allgemein bekannt; dass wir, wenn wir von Hungernöten und Nahrungsmittelknappheit reden, uns immer auf ein meist lokal begrenztes Problem beziehen. Es werden weltweit genügend Lebensmittel produziert, um die gesamte Weltbevölkerung ernähren zu können. Das Problem ist, diese dorthin zu befördern, wo sie gebraucht werden, und Menschen in den ärmsten Regionen zu helfen, eine ausreichende Lebensmittelversorgung zu sichern.
In so vielen Teilen der Erde ist der Ackeranbau zum Eigenbedarf der einzige Weg, sich zu ernähren, und ein paar Monate Dürre oder Überschwemmung, oft ein einziger Sturm, können bereits eine Katastrophe bedeuten. Und unglücklicherweise geschieht das vornehmlich in den Teilen der Welt, wo die Lebensmittelversorgung ohnehin am anfälligsten ist, und über die obendrein selten berichtet wird, wenn sich solch ein Unglück ereignet.
Doch hier greift eine der größten Stärken von Rotary: unsere lokale Präsenz. Wir sehen, wenn Krisen kommen, und können entsprechend reagieren. Und mehr noch: wir sind entschlossen, langfristig die Ursachen des Hungers anzugehen.
Alle gemeinsam können wir einiges gegen den Hunger in der Welt tun, doch wie immer verlassen wir uns auf die Arbeit von Rotarierinnen und Rotariern vor Ort, um unsere Hilfe dorthin zu liefern, wo sie am meisten gebraucht wird. Und wenn wir uns heute global umschauen, dann wird klar, dass die meiste Armut und der meiste Hunger in Afrika herrschen. Und daher müssen wir daran arbeiten, besonders in Afrika zu expandieren.
Rotarys Initiative Reach Out to Africa setzt sich für eine Erweiterung der Präsenz von Rotary in Afrika und die Gründung neuer Rotary Clubs ein, ebenso für die Mobilisierung afrikanischer Rotarier bei lokalen Notlagen. Zugleich macht sich die Initiative für die Information zu Afrikafragen unter Rotariern in Industrieländern stark. Die Initiative ist dabei nur ein Weg, Menschen, die Hilfe brauchen, mit Menschen, die helfen wollen, aber nicht wissen, wie, zusammen zu führen.
Es steht außer Frage, dass die Hindernisse zu einer weltweit gesicherten Lebensmittelversicherung immens sind. Doch sie sind nicht unüberwindlich, und das Rotary-Modell ist vielleicht der vielversprechendste Weg nach vorn – wenn wir auch weiterhin daran arbeiten, Rotary als immer effektivere Kraft für globale Veränderung aufzubauen.
März 2012
Liebe Brüder und Schwestern in Rotary,
in meinem ersten in dieser Zeitschrift im letzten Juli veröffentlichten Brief zitierte ich Mohandas K. Gandhi: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.” In den Monaten seither bin ich durch die Rotary Welt gereist und konnte mich überzeugen, auf welch beeindruckende Weise unsere Mitglieder in aller Welt dieses Postulat verwirklichen.
Positive Veränderung, das heißt im einfachsten Sinne, dass wir unser Wissen und unsere Ressourcen einsetzen, um ein Problem zu lösen. Doch wenn wir über die reale langfristige Lösung humanitärer Probleme sprechen, sind Wissen, Ideen und Ressourcen nicht genug, um Ergebnisse zu zeitigen. Wir müssen noch etwas anderes bedenken: Nachhaltigkeit.
Eine nachhaltige Lösung funktioniert auch dann weiter, nachdem die Rotarier, die sie möglich gemacht und eingerichtet haben, wieder weg sind. Was ursprünglich von Rotary initiiert wurde, geht in den Besitz und die Verantwortung des Gemeinwesens über. Und das heißt natürlich, dass ein Verfahren greifen muss, wenn zum Beispiel einer Wasserpumpe ein Ersatzteil fehlt. Es muss einen Plan zur Instandhaltung geben, der von dem selbstverantwortlichen Gemeinwesen betrieben wird. Ohne Rotary.
Der erste Schritt zur Nachhaltigkeit ist ein genaues Verständnis für die Bedarfssituation. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Koch- und Brennstoffproblem in vielen Ländern der Dritten Welt. Für viele Regionen stellen Solaröfen eine wunderbare Lösung dar. Sie sind nicht teuer, sie nutzen eine unerschöpfliche, kostenlose und umweltfreundliche Energiequelle, und sie sind einfach zu handhaben.
Bevor wir jedoch in einem Gemeinwesen mit Solaröfen antreten, um das Energieproblem bei der Nahrungszubereitung zu lösen, müssen wir die gesamte Situation in Betracht ziehen. Vielleicht müssen die örtlichen Speisen länger gekocht werden und mit einer höheren Kochtemperatur, als dies Solaröfen bieten können. Die Umstände sind wichtige Faktoren, die wenn nicht in Betracht gezogen, den Misserfolg Ihrer Initiative verursachen könnten. Um bei unserem Beispiel zu bleiben: wir wollen schließlich nicht sehen, dass unsere Öfen als Dachisolierung oder zur Aufbewahrung von Viehfutter umfunktioniert werden, weil sie nicht zu ihrem ursprünglichen Bestimmungszweck eingesetzt werden konnten.
Wenn wir Dinge verändern wollen, reicht es nicht, zu sagen: Mein Weg ist der bessere. Wir müssen zuerst einmal zuhören, uns umsehen. Wir können nur helfen, wenn wir unvoreingenommen und aufgeschlossen auf andere zugehen – und dann unser Wissen, unser Engagement und unsere Ausdauer einsetzen, um das zu realisieren, was wir versprochen haben.
Februar 2012
Liebe Brüder und Schwestern in Rotary,
im November hatte ich die Gelegenheit, beim Rotary Institut in Kalkutta zu sprechen. Auch diese Veranstaltung widmete sich dem Thema Frieden, und wir diskutierten, wie Rotary friedensbildend wirken kann. Nach der Einladung begann ich, mir meine Worte zurecht zu legen, wobei die Hauptschwierigkeit war, angesichts der vielfältigen rotarischen Arbeit in diesem Bereich meine Redezeit nicht zu überschreiten!
Kurz bevor ich nach Kalkutta reiste, hielt ich noch eine Rede in Tel Aviv. Es war eine wunderbare Veranstaltung, bei der Rotarier und Nicht-Rotarier aus aller Welt zusammen kamen, um die globale Verteilung immer knapper werdender Ressourcen zu diskutieren. Noch bevor ich jedoch Rotarys Leistungen auf diesem Sektor darlegen konnte, musste ich erst einmal erklären, wer wir sind und was wir tun. Selbst in diesem gebildeten Publikum aus Wissenschaftlern und Unternehmern gab es zu viele, die einfach noch nie von Rotary gehört hatten.
Und während ich von dort abreiste, überlegte ich, was ich in Kalkutta sagen sollte – denn soviel von unserer Friedensarbeit bei Rotary hängt von unserem Bekanntheitsgrad ab, von der öffentlichen Wahrnehmung, wer wir sind. Warum waren wir so erfolgreich im Kampf gegen die Kinderlähmung? Weil Rotary dorthin gehen kann, wo jeder Regierung und jeder anderen Nichtregierungsorganisation der Zugang verwehrt wurde. Uns nicht. Wir betreten Schulen, gehen in Häuser, besuchen Gemeinden aufgrund des Vertrauens, das uns die Menschen, denen wir helfen, entgegen bringen
Wenn Rotarier für den Frieden arbeiten, geschieht das nicht durch den Abschluss von Verträgen und nicht durch Demonstrationen auf der Straße. Stattdessen bauen wir den Frieden durch unser Beispiel auf – indem wir zusammen arbeiten und gemeinsam wirken, über alle ethnischen oder nationalen Grenzen hinweg. Indem wir die Probleme anderer Menschen zu unseren machen. Indem wir Menschen helfen, ein normales Leben zu führen, in Frieden, in menschenwürdigen hygienischen Verhältnissen, mit genügend Wasser und Lebensmitteln und Bildungsmöglichkeiten. Ob wir einer Bildungs- oder einer Gesundheitsmisere abhelfen, oder ob wir Verbindungen zwischen Menschen schaffen – überall können wir uns auf unseren guten Namen verlassen.
Und darum tragen wir alle die Verantwortung, dass unser Name tatsächlich landauf und landab bekannt ist. Wir müssen uns nicht nur durch Rotary engagieren, sondern auch für Rotary eintreten. Wir müssen die Welt wissen lassen, was wir tun, welche Leistungen wir vollbringen, welche Maßstäbe wir setzen. Unsere rotarische Arbeit ist Ausdruck unserer Überzeugung, dass eine bessere, friedlichere Welt in der Tat möglich ist. Und wir müssen sicherstellen, dass wir damit gehört werden.
Januar 2012
Liebe Brüder und Schwestern in Rotary,
auf dem US-Militärfriedhof Arlington National Cemetery außerhalb von Washington, D.C., steht ein Denkmal für die Seabees, mit richtigem Namen die U.S. Naval Construction Force. Eine Inschrift besagt: „With willing hearts and skillful hands, the difficult we do at once; the impossible takes a bit longer. - Mit Bereitschaft im Herzen und flinken Händen vollbringen wir das Schwierig zuerst, das Unmögliche dauert etwas länger.”
Natürlich haben wir in Rotary unsere eigenen Mottos. Wenn das nicht der Fall wäre, wäre ich versucht, diesen Leitspruch als den unsrigen zu nominieren. Die Kraft gemeinsamer Anstrengung, wie Paul Harris einmal schrieb, kennt keine Grenzen. Wenn wir uns zusammen tun und einem gemeinsamen Ziel zuarbeiten, wird das Unmögliche möglich.
Ich musste daran denken, als ich vor einigen Monaten einen Artikel im New England Journal of Medicine (einer der maßgeblichsten medizinischen Fachzeitschriften der USA) mit dem Titel „Das Polio-Endspiel“ las. Darin wurde eine Strategie für eine Ära nach Polio umrissen, in der es besonders um Risikomanagement nach der Virusausrottung ging.
Solch ein Artikel wäre vor dreißig Jahren undenkbar gewesen! Doch die Tatsache, dass es heute möglich ist, stellt ein beeindruckendes Zeugnis dar für die Kraft gemeinsamer Anstrengung und Beharrlichkeit. Das Unmögliche wurde tatsächlich möglich. Eine Welt nach Polio, einst nur ein Traum, wird bald wahr sein.
Liebe Freundinnen und Freunde, der Tag, an dem wir die Kinderlähmung ausgerottet haben, ist nicht mehr fern. Auch dafür müssen wir vorbereitet sein, mit einer kraftvollen Rotary-Organisation voll Enthusiasmus und Selbstvertrauen. Ein Rotary mit weiteren kühnen Visionen und klaren Ambitionen. Wir müssen uns darauf vorbereiten, indem wir eine ehrliche Bestandsaufnahme unserer Clubs vornehmen: sind unsere Projekte wirksam, nachhaltig, relevant? Sind unsere Meetings produktiv und erbaulich? Heißen unsere Clubs neue Mitglieder willkommen und berücksichtigen unsere Terminpläne auch junge Familien? Und dann, wenn wir neue Freunde einführen: nehmen wir sie angemessen auf? Binden wir sie in unsere Clubaktivitäten ein? Machen wir sie schnell genug zu einem Teil der Familie von Rotary?
Die Statistiken zeigen uns, dass jedes Jahr und überall genügend neue Mitglieder zu uns stoßen – doch zu viele verlassen uns wieder. Mit welchen unerfüllten Träumen gehen sie wieder? Welche Erwartungen haben wir nicht erfüllt? Können wir mehr tun, können wir Dinge verbessern?
Diese Fragen sind aktuell – jetzt ist die Zeit, unsere Energien auf unsere Clubs zu konzentrieren, und auf die Art und Weise, wie diese gesehen werden. Es ist an der Zeit, unseren Mitmenschen zu zeigen, dass das Rotary von heute nicht das Rotary ihrer althergebrachten vorgefassten Meinungen ist. Rotary ist ein Weg der Verbindung, ein Weg, mehr zu tun, mehr zu sein – ein Weg für unseren Idealismus und unsere Zukunftsvorstellungen, Wirklichkeit zu werden.
Dezember 2011
Liebe Brüder und Schwestern in Rotary,
Ende August reisten Binota und ich nach Ghana, wo wir gemeinsam mit Rotary Foundation Trustee Vice Chair Sam Okudzeto und einer enthusiastischen Menge örtlicher Rotarier der Einweihung eines Wasserprojektes in dem kleinen Dorf, Abutia Teti, ungefähr 100 Kilometer von der Hauptstadt Accra entfernt, beiwohnten. Wir kamen um 11 Uhr an und das ganze Dorf war versammelt. Man hatte seit dem frühen Morgen darauf gewartet, uns zu begrüßen. In der Vergangenheit mussten die Frauen viele Kilometer pro Tag zurücklegen, um Wasser zu holen. Jetzt hat das Dorf seinen eigenen Brunnen, dank einer einfachen und effizienten Zusammenarbeit von Rotary mit der Organisation USAID. Doch was mich noch mehr beeindruckte an diesem Tag war der familiäre Charakter der Veranstaltung: hier waren Männer, Frauen und Kinder zusammen gekommen, die uns mit Singen, Tanzen und großer Freude empfingen. Und ich musste zum wiederholten Mal denken, was mir immer wieder auf meinen Reisen auffällt: wie alle Menschen, überall auf der Welt, als Familien zusammen kommen, zusammen gehören. Und dann als Familien Gemeinschaften bilden. Und das machte mich sehr froh, denn unser erster Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Familie. In der Familie beginnt alles. Hier beginnt Leben, hier beginnt unser Tag, und hier ist es auch, wo unser rotarischer Dienst beginnt. Es ist die Familie, nicht die Einzelperson, die den sozialen Baustein unserer Gemeinschaft – und von Rotary – bildet.
Es ist eine meiner ausdrücklichen Prioritäten, Familien in den rotarischen Service mit einzubeziehen. Und es ist meine absolute Überzeugung, dass Rotary niemals und unter keinen Umständen zwischen dem rotarischen Mitglied und der Familie stehen sollte. Der rotarische Dienst sollte im Gegenteil die Familie enger zusammen führen. Für mich ist es eine einfache Sache: wenn ich Binota nicht zu einer Rotary Veranstaltung mitnehmen kann --- gehe ich nicht hin! Rotary ist nicht nur für mich gedacht, es gehört zu uns beiden. Und genau darum empfehle ich Distrikten, bei Distriktkonferenzen Familien willkommen zu heißen, Partner und Kinder bei Projekten einzubeziehen, und Meetings familienfreundlich zu legen. Je mehr Familien in Rotary involviert sind, umso mehr wird Rotary gedeihen – heute und morgen.
Um was geht es bei Rotary? Nun, es geht natürlich um so vieles, aber im Kern geht es bei Rotary um diese Worte: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst . Rotary bedeutet Nächstenliebe, und diese Liebe beginnt mit uns – und denen, die uns am nächsten stehen.
November 2011
Liebe Brüder und Schwestern in Rotary,
Im Jahre 1885 erschien in der Londoner Times eine Serie von Artikeln anlässlich des 100. Geburtstages von Sir Moses Montefiore, dem britischen Financier und von Königin Victoria zum Ritter geschlagene Philantropen. Die Artikel kommentierten seine Ehrlichkeit, Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft für alle Bedürftigen. Besonders eine Geschichte war erwähnenswert.
Jemand fragte Sir Moses, einen der reichsten Männer seiner Zeit, einmal nach seinem Reichtum und „wie viel er wert sei“. Angesichts der unverschämten Frage dachte er einen Moment nach und nannte dann eine Zahl – und eine viel geringere, als der Frager erwartet hatte. Das wandte dieser natürlich auch ein: er müsste doch zehnmal reicher sein! Sir Moses lächelte darauf nur. „Junger Mann”, antwortete er dann. „Sie haben nicht danach gefragt, wie viel ich besitze. Sie haben mich danach gefragt, wie viel ich wert bin. Also habe ich berechnet, was ich in diesem Jahr für gemeinnützige Zwecke ausgegeben habe, und das ist die Zahl, die ich Ihnen genannt habe. Sehen Sie, im Leben sind Sie nur das wert, was Sie auch mit anderen teilen wollen.“
Wenn wir kalkulieren wollten, wie viel wir „wert“ sind, würden wir daran denken, was wir an Besitz unser eigen nennen, oder daran, wie wir es einsetzen? Und wenn wir beteuern, dass jedes Menschenleben gleich viel „wert” ist, folgen unsere Taten unseren Worten?
Ich glaube, dass es zum Rotariersein dazu gehört, anders auf unsere Ressourcen zu schauen. Das heißt: was ist das Beste, das wir mit dem, was wir haben, tun können? Und: Welches sind die Entscheidungen, die uns letztlich am „reichsten“ machen?
Als Mitglieder von Rotary sind wir sehr wohl im Bilde über die Zustände und die Nöte, die in der Welt herrschen. Und wir alle wissen auch, wie viel wir durch unsere Foundation bewirken können. Sie ist das Hebelinstrument, mit dem wir für so viele Verzweifelte nachhaltig Lebensumstände zum Besseren verändern können. Wir können Hoffnung schenken und Zukunft. Wenn wir uns dafür entscheiden.
Alles im Leben ist eine Wahl. Wir können unsere Augen verschließen, wir können unsere Güter und Gaben für uns behalten, wir können die Probleme anderer als deren eigene Sache deklarieren. Oder wir können uns entscheiden, nicht auf die Entfernung, die Sprache, Hautfarbe, Kleidung oder Kultur zu schauen, und zu sehen, dass die Menschen überall gleich sind. Und nicht wegzuschauen.
Oktober 2011
Liebe Brüder und Schwestern in Rotary,
ich möchte es nicht versäumen, Sie persönlich in das wundervolle Bangkok einzuladen, um wie ich, meine Familie und unsere Freundinnen und Freunde aus aller Welt an einem faszinierenden Jahreskongress teilzunehmen.
Thailand ist als „Land des Lächelns“ ein wirklich spektakuläres Reiseziel, und ich möchte es besonders allen Rotariern empfehlen, die noch nie die Gelegenheit zu einem Besuch hatten. Sie werden bei wunderbaren rotarischen Gastgebern zu Gast sein und Freunde aus aller Welt treffen. Und auch als Ausgangspunkt für weitere Reisen nach Südostasien bietet sich Bangkok hervorragend an. Ob Sie von nah oder fern anreisen: erleben Sie diese Kulturhauptstadt mit allem, was sie zu bieten hat. Sie werden nicht enttäuscht sein.
Aber vor allem natürlich lockt unser Jahreskongress vom 6. bis 9. Mai als Höhepunkt unseres Jahreskalenders!
Das ganze Jahr über stellen wir Verbindungen zwischen unseren Gemeinwesen her, doch einmal im Jahr haben wir die Gelegenheit, all diese Gemeinwesen an einem Ort repräsentiert zu sehen. All die verschiedenen Menschen, all die gesprochenen Sprachen, all die vertretenen Nationen. Und all die Projekte des vergangenen Jahres. Nichts dokumentiert die Internationalität von Rotary eindrucksvoller als ein solcher Jahreskongress. Und nichts inspiriert mehr.
Ich glaube fest, dass jede Rotary-Veranstaltung auch eine Familienveranstaltung sein sollte. Daher planen Binota und ich, unsere Kinder und Enkel mitzubringen. Warum tun Sie nicht das gleiche und verbringen Sie Ihren Familienurlaub auf diese Weise? Bei einem solch großartigen Angebot von Veranstaltungen und Aktivitäten ist garantiert für jeden etwas dabei – und es ergibt sich bestimmt vielfach Gelegenheit, Rotary unseren Familien näher zu bringen.
Ich freue mich jedes Jahr sehr, alte und neue Freunde zu treffen, unsere Erfolge zu würdigen und Erfahrungen auszutauschen. Und jedes Jahr verlasse ich den Kongress mit erneutem Stolz auf unser Rotary und mit erneuter Motivation für ein neues Dienstjahr.
Bangkok verspricht den besten Kongress, den wir je auf die Beine gestellt haben. Ich rufe Sie alle auf, sich bei www.rotary.org/convention anzumelden und unseren 103. internationalen Jahreskongress zu besuchen!
September 2011
Meine lieben Brüder und Schwestern in Rotary,
die Farbe, die wir für das Rotary-Jahr 2011/12 ausgewählt haben ist Grün. Warum Grün? Grün steht für Frühling, neues Leben, strahlende Blätter, die an ihren Ästen aufgehen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass es für Rotary an der Zeit ist, zu „grünen“ – wir müssen unsere graue Blässe neu beleben und durch leuchtende Grüntöne ersetzen.
Insgesamt sind nur 11 Prozent unserer Mitglieder unter 40 Jahre alt. 68 Prozent der Rotarier hingegen sind über 50 Jahre und 39 Prozent über 60. Es ist nicht schwer zu erkennen, wo das in 10, 20 und 30 Jahren hinführen wird, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Einfach nur neue Mitglieder zu gewinnen reicht nicht aus. Wir müssen jüngere Mitglieder rekrutieren, die neue Ideen und neuen Elan in unsere Organisation bringen.
Wie können wir für jüngere Mitglieder attraktiver werden, die sich so stark von der letzten und vorletzten Generation junger Berufstätiger unterscheiden? Wir müssen dort aktiv werden, wo wir sie erreichen. Bei den meisten jungen Menschen ist dies das Internet, Facebook, Twitter und E-Mail, die sie über ihre Smartphones abrufen. Ein Club ohne Internetauftritt existiert für sie ganz einfach nicht. Die Website eines Clubs ist dessen Aushängeschild und sollte daher gut sein.
Am wichtigsten ist meiner Meinung nach, dass wir die Rotary-Familie besser ausschöpfen. Und hierzu sollten wir die gesamte Rotary-Familie betrachten: die Rotarier, deren Familien, aber auch Rotaracter, Interacter, Jugendaustausch-Teilnehmer und -Alumni, Foundation-Alumni und so weiter. Uns muss klar werden, dass Mitgliederbindung nicht nur die Bindung von Rotariern sondern der gesamten Familie von Rotary bedeutet.
Viel zu oft suchen wir außerhalb der Rotary-Familie nach neuen Mitgliedern und sehen über unsere eigenen jüngeren Generationen, die nur darauf warten angesprochen zu werden, hinweg. Dabei sind diese fähige und begeisterte potenzielle Mitglieder und die Clubpräsidenten, Governors und RI-Führungskräfte von morgen.
Wir schulden es der Familie von Rotary – der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen – dafür zu sorgen, dass unsere Generation nicht die letzte Generation an Rotariern ist. In diesem Sinne sollten wir in uns gehen, uns selbst finden, und gemeinsam mit der gesamten Rotary-Familie mitmenschlich handeln.
August 2011
Liebe Brüder und Schwestern in Rotary,
es gibt ein altes indisches Sprichwort: „Wenn du dem Boot deines Nächsten über den Strom hilfst, findest du, dass auch dein eigenes das Ufer erreicht hat.” Durch unseren Nächstendienst finden wir oft, dass wir auch uns selbst geholfen haben.
Wir alle kamen zu Rotary, um zu helfen – und wir fanden dadurch auch die Freude der Freundschaft. Im August widmen wir uns immer der Mitgliedschaftsentwicklung und der Verbreitung der Botschaft von Rotary. Durch gute Dienste (im doppelten Sinne) kommen wir auch unserem Ziel einer starken, lebendigen Organisation für zukünftige Generationen näher. Und dabei brauchen wir unser Licht nicht unter den sprichwörtlichen Scheffel zu stellen.
Öffentliches Image und Mitgliedschaft stehen unmittelbar in Verbindung miteinander. Es gibt noch viel zu viele intelligente, gebildete, engagierte Menschen, die nichts über Rotary wissen. Das müssen wir ändern. Immer wieder mussten wir hören, dass trotz der vielen Einsätze der Rotary Clubs viele Menschen nicht einmal von der Existenz dieser Clubs wussten. Das ist kein guter Weg vorwärts für unsere Organisation.
Gute Dienste sind der erste wesentliche Schritt – aber auch erst der Anfang. Wir müssen uns mehr profilieren mit allen Hilfsmitteln, die uns dafür zur Verfügung stehen. Und davon gibt es heute mehr denn je. Wir müssen in sozialen Medien wie Twitter und Facebook präsent sein, und wir müssen die Online-Auftritte unserer Clubs fördern. Nur eine Website zu haben, ist nicht genug. Sie muss auch gepflegt und aktualisiert werden, einladend sein, und sie muss unsere Arbeit reflektieren. Ja, und sie sollte auch einen Weg für Interessierte anbieten, den nächsten Schritt zu tun und Kontakt aufzunehmen.
Rotary hat so viel zu bieten. Es liegt an uns, andere wissen zu lassen, was für eine fantastische Organisation wir haben – und anderen zu zeigen, wie sie Rotary in deren Leben integrieren können. Service bedeutet Zeitaufwand, und Zeit ist knapp für jedermann dieser Tage. Daher müssen wir sicherstellen, dass die bei und für Rotary verbrachte Zeit den Zweck wert war und niemand das Gefühl hat, seine kostbare Zeit zu verschwenden. Wenn wir in uns gehen und das Beste aus unseren Clubs machen, werden wir auch unsere Gemeinwesen wie nie zuvor bereichern – und damit auch Rotary.
Kalyan Banerjee
Präsident, Rotary International
Juli 2011
Liebe Brüder und Schwestern in Rotary!
Wir alle möchten die Welt verändern – warum sonst wären wir Rotarier? Wir handeln in der Überzeugung, dass wir durch unsere Einsätze unsere Welt glücklicher, gesünder und friedlicher machen.
Für das Jahr 2011/12 bitte ich unsere Mitglieder, in sich zu schauen: Finde Dich selbst und handele mitmenschlich heißt dementsprechend mein Jahresmotto. Ich bitte Sie, zuerst in sich selbst zu suchen und zu verstehen, dass alle von uns – überall – die gleichen Träume, Hoffnungen, Vorsätze und auch ähnliche Dilemmas in sich tragen. Wenn wir verstehen und wirklich fühlen, dass die Bedürfnisse anderer auch unsere eigenen sind, dann verstehen wir auch, wie wichtig unsere Arbeit ist. In diesem vor uns liegenden Jahr werden wir drei Schwerpunkte in der rotarischen Arbeit verfolgen.
Die erste Betonung in diesem Jahr liegt auf der Familie. Heim und Familie stehen im Zentrum unserer Arbeit – all unsere Dienste beginnen hier. Und durch die Familie gehen wir auf unser Gemeinwesen und, als erweiterte Familie, auf die Menschheit zu. In dieser Gemeinschaft sorgen alle Menschen füreinander und stehen in Freud und Leid zusammen.
Zweitens werden wir uns auf Kontinuität konzentrieren, indem wir herausfinden, was wir am besten tun, und diese Bereiche weiterführen und entwickeln. Wir müssen auf unseren Erfolgen aufbauen, sie erweitern und ausbauen. Natürlich ist unsere größte Pflicht nach wie vor PolioPlus, wo der Erfolg jetzt so nahe liegt.
Der dritte Schwerpunkt schließlich wird auf dem Wandel liegen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wahre Veränderung mit und in jedem von uns beginnt. Wir können keinen Frieden für andere schaffen, wenn wir ihn nicht in uns haben. Und wir können uns nicht der Weltgeschicke annehmen, wenn wir uns nicht zuerst um die gekümmert haben, die uns am nächsten sind: unsere Familien, unsere Clubs, unsere Gemeinwesen.
Mohandas K. Gandhi sagte: Du musst selbst der Wandel sein, den Du in der Welt sehen willst.“ Bei Rotary streben wir danach ehrlich und moralisch zu leben, Freundschaften zu pflegen, und das Gute in allen Menschen zu sehen. Uns geht es nicht um einen kleinsten gemeinsamen Nenner, denn Rotary kann so nicht verallgemeinert werden. Indem wir daran arbeiten, bessere Menschen zu sein, verbessern wir die Welt.
Gemeinsam werden wir daran arbeiten, uns selbst zu finden und mitmenschlich zu handeln. Und gemeinsam werden wir den Wandel in die Welt tragen, in Frieden, Harmonie und Freundschaft.
Kalyan Banerjee
Präsident, Rotary International